Die US-Regierung verschärft den Technologiekonflikt mit China. Neue humanoide und vierbeinige Roboter aus ausländischer Produktion sollen grundsätzlich keine Zulassung mehr erhalten. Washington warnt vor Spionage, Cyberangriffen und einer gefährlichen Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten. Bestehende Modelle sind zunächst nicht betroffen.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat neue Import- und Zulassungsbeschränkungen für fortgeschrittene Roboter sowie sogenannte Wechselrichter beschlossen. Die am 28. Juli 2026 veröffentlichte Regel richtet sich formal gegen Geräte aus sämtlichen ausländischen Produktionsstätten. In der Praxis dürfte sie jedoch vor allem chinesische Unternehmen treffen, die bei humanoiden Robotern und Komponenten für Energie- und Rechenzentren eine führende Marktstellung besitzen.
Die US-Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission, kurz FCC, nahm „im Ausland produzierte fortgeschrittene robotische Geräte“ und Wechselrichter in ihre sogenannte Covered List auf. Auf dieser Liste führt die Behörde Produkte und Dienstleistungen, die nach Einschätzung der US-Regierung ein nicht hinnehmbares Risiko für die nationale Sicherheit oder die Sicherheit amerikanischer Bürger darstellen.
Betroffen sind unter anderem humanoide Roboter, die sich ähnlich wie Menschen auf zwei Beinen bewegen, sowie vierbeinige Maschinen, die häufig Hunden ähneln. Solche Roboter können in Fabriken, Forschungseinrichtungen, Lagerhäusern, Krankenhäusern oder bei Überwachungs- und Sicherheitsaufgaben eingesetzt werden.
Kein vollständiges Verbot aller bereits vorhandenen Geräte
Die Maßnahme bedeutet nicht, dass sämtliche ausländischen Roboter sofort aus den USA verschwinden müssen. Sie gilt zunächst für neue Modelle, die bislang keine Genehmigung der FCC erhalten haben. Bereits zugelassene oder gekaufte Geräte können weiterhin verkauft beziehungsweise verwendet werden.
Produzenten können zudem eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Dafür muss eine zuständige US-Behörde feststellen, dass das jeweilige Gerät oder eine bestimmte Modellklasse keine unvertretbaren Sicherheitsrisiken verursacht. Bei Robotern ist dafür nach den FCC-Unterlagen das US-Verteidigungsressort zuständig; bei Wechselrichtern kann auch das Heimatschutzministerium eine solche bedingte Genehmigung unterstützen.
Die FCC könnte grundsätzlich auch Genehmigungen bereits autorisierter Geräte widerrufen. Ein solcher weitergehender Schritt wurde zunächst jedoch nicht angekündigt. Die aktuelle Regelung berührt nach Angaben der Behörde außerdem nicht bereits erworbene Produkte oder Geräte, die von US-Bundesbehörden genutzt werden.
Angst vor ferngesteuerten Maschinen
Die US-Regierung begründet den Schritt mit den Netzwerk-, Kamera- und Sensorfunktionen moderner Roboter. Humanoide Maschinen sammeln während ihres Betriebs große Mengen an Informationen über ihre Umgebung. Dazu können Bilder von Produktionsanlagen, räumliche Daten, Bewegungsabläufe, Gespräche oder Informationen über interne Arbeitsprozesse gehören.
Die FCC warnt, solche Daten könnten von feindlichen Akteuren zur Überwachung amerikanischer Bürger oder zur Unterstützung ausländischer Nachrichtendienste verwendet werden. Im schlimmsten Fall könnten Angreifer die Kontrolle über vernetzte Roboter übernehmen und ihre Bewegungen oder technischen Funktionen aus der Ferne manipulieren.
Besonders problematisch wäre ein solcher Zugriff in Industrieanlagen, Forschungslaboren, Krankenhäusern oder Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. Anders als ein gehackter Computer kann ein kompromittierter Roboter nicht nur Daten stehlen, sondern auch physische Handlungen ausführen.
Die US-Regierung betrachtet Robotik deshalb zunehmend als Teil ihrer nationalen Sicherheits- und KI-Strategie. Intelligente Roboter verbinden leistungsfähige Chips, künstliche Intelligenz, Kameras, Mikrofone, Cloudsysteme und mechanische Komponenten. Dadurch entstehen zugleich neue industrielle Möglichkeiten und neue Angriffsflächen.
Chinesische Hersteller im Visier
Obwohl die Regelung nicht ausdrücklich auf ein einzelnes Land beschränkt ist, richtet sich die politische Begründung vor allem gegen China. Das Land ist der weltweit größte Hersteller humanoider Roboter und investiert massiv in die automatisierte Produktion.
Besonders betroffen sein könnte der chinesische Hersteller Unitree, der international für vergleichsweise günstige humanoide und vierbeinige Roboter bekannt ist. Nach Angaben von Reuters verfügt das Unternehmen über einen bedeutenden Anteil am noch jungen Weltmarkt für humanoide Maschinen. Das US-Verteidigungsministerium setzte Unitree zuletzt zudem auf eine Liste von Unternehmen, denen Verbindungen zum chinesischen Militär vorgeworfen werden. Unitree hat solche Vorwürfe beziehungsweise weitergehende Sicherheitsbedenken nicht öffentlich bestätigt.
Auch die Hersteller UBTech und AgiBot gehören zu den großen chinesischen Akteuren. Chinesische Unternehmen profitieren von umfangreichen Produktionskapazitäten, eng verbundenen Lieferketten und einem großen heimischen Markt. Washington befürchtet, dass sich bei Robotern eine ähnliche Abhängigkeit entwickeln könnte wie bei Solarmodulen, Batterien oder seltenen Erden.
Wechselrichter ebenfalls betroffen
Neben Robotern nahm die FCC auch im Ausland produzierte Wechselrichter in die Covered List auf. Diese Geräte wandeln Gleichstrom in Wechselstrom um und sind unter anderem für Solaranlagen, Batteriespeicher, Stromnetze und Rechenzentren unverzichtbar.
Viele moderne Wechselrichter sind mit dem Internet verbunden, damit Betreiber Leistung, Energieverbrauch oder Fehler aus der Ferne überwachen können. Genau diese Verbindung betrachtet die US-Regierung als potenzielles Einfallstor.
Ausländische Hersteller könnten nach Darstellung der FCC theoretisch Geräte abschalten, Daten abgreifen oder einen unbefugten Fernzugriff ermöglichen. Auch Cyberkriminelle oder staatlich unterstützte Hacker könnten Sicherheitslücken ausnutzen, um Teile der Energieversorgung oder den Betrieb großer Rechenzentren zu stören.
China dominiert auch diesen Markt. Zu den größten Produzenten zählen Sungrow und der bereits mit umfangreichen US-Sanktionen belegte Technologiekonzern Huawei. Wechselrichter gewinnen wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien, großer Batteriespeicher und stromintensiver KI-Rechenzentren weiter an Bedeutung.
Peking spricht von politisch motivierten Sanktionen
Die chinesische Botschaft in Washington wies die Vorwürfe zurück. China lehne es ab, Handels- und Technologiefragen zu politisieren oder chinesische Unternehmen unter unbelegten Vorwänden mit Sanktionen zu bedrohen.
Peking forderte die USA auf, die Zusammenarbeit bei künstlicher Intelligenz und anderen Zukunftstechnologien nicht weiter zu behindern. China werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, falls amerikanische Entscheidungen den Interessen des Landes erheblichen Schaden zufügten, erklärte die Botschaft.
Die jüngste Maßnahme fügt sich in einen umfassenderen Technologiekonflikt ein. Washington beschränkt bereits den Verkauf besonders leistungsfähiger Halbleiter und Produktionsanlagen nach China. Chinesische Elektroautos werden durch hohe Zölle weitgehend vom amerikanischen Markt ferngehalten. Zugleich fördern die USA den Aufbau eigener Lieferketten für Chips, Batterien, Energieanlagen und zunehmend auch Robotik.
Industriepolitik unter dem Etikett der Sicherheit
Die Entscheidung verfolgt damit zwei miteinander verbundene Ziele: Einerseits will Washington mögliche Spionage- und Sabotagerisiken verringern. Andererseits soll verhindert werden, dass chinesische Anbieter den jungen amerikanischen Robotermarkt mit günstigeren Produkten dominieren, bevor sich eine wettbewerbsfähige US-Industrie entwickeln kann.
FCC-Vorsitzender Brendan Carr erklärte, die Behörde wolle ihren Beitrag zur Sicherung kritischer amerikanischer Lieferketten leisten. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schutz vor einer strategischen Abhängigkeit. Kritiker dürften hingegen einwenden, dass pauschale Beschränkungen den Wettbewerb verringern, Forschungsprojekte verteuern und die Einführung neuer Technologien in den USA verlangsamen könnten.
Für chinesische Hersteller wird der Zugang zum US-Markt jedenfalls schwieriger. Wer dort künftig neue humanoide oder vierbeinige Roboter anbieten will, benötigt entweder eine amerikanische Produktionsstätte oder eine besondere Sicherheitsfreigabe.
Die Roboterindustrie wird damit zum nächsten Schauplatz des amerikanisch-chinesischen Technologiekonflikts. Nach Chips, Telekommunikation, Elektroautos und Solartechnik geht es nun um Maschinen, die nicht nur Daten verarbeiten, sondern sich selbstständig durch die physische Welt bewegen können.
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