Im Krieg zwischen den USA und Iran gibt es offenbar Fortschritte. Oder zumindest das, was Donald Trump unter Fortschritt versteht: Er sagt, die Gespräche seien „sehr gut“, droht gleichzeitig mit noch härteren Angriffen und erklärt nebenbei, es habe ohnehin „nie eine Deadline“ gegeben.
Kurz gesagt: Alles läuft hervorragend. Wahrscheinlich.
Der Iran will laut CNN am Donnerstag über Vermittler auf einen amerikanischen Vorschlag zur Beendigung des Kriegs antworten. Vermittler ist ausgerechnet Pakistan, was ungefähr so klingt, als hätte die Weltgemeinschaft inzwischen wahllos Länder aus einem Diplomatie-Globus gezogen.
Trump zeigte sich im Weißen Haus demonstrativ optimistisch. Die USA hätten in den vergangenen 24 Stunden „sehr gute Gespräche“ mit Teheran geführt. Außerdem behauptete der Präsident erneut, Iran habe bereits zugestimmt, keine Atomwaffen besitzen zu wollen.
Belege dafür gibt es bislang nicht. Aber Details haben die amerikanische Nahostpolitik traditionell selten aufgehalten.
Während Washington also von Durchbruch spricht, klingt man in Teheran eher zurückhaltend. Dort prüfe man den Vorschlag „sorgfältig“. Iranische Politiker bezeichneten die amerikanischen Forderungen teilweise als „Wunschliste“.
Das ist diplomatische Sprache für:
„Ihr habt komplett den Verstand verloren, aber wir reden trotzdem weiter.“
Parallel dazu wurde die amerikanische Militärmission in der Straße von Hormus vorläufig gestoppt. Das „Project Freedom“ sollte eigentlich Handelsschiffe schützen, hielt aber ungefähr 48 Stunden durch. Zwei Schiffe wurden eskortiert, danach war offenbar selbst das Pentagon der Meinung, dass man vielleicht erst einmal reden sollte.
Rund 1600 Schiffe sitzen weiterhin in der Meerenge fest. Reedereien versuchen derzeit herauszufinden, ob sie ihre Tanker lieber durch Raketenbeschuss schicken oder finanziell ruinieren lassen sollen. Versicherungen wiederum erinnern freundlich daran, dass „Krieg“ leider nicht im Standardpaket enthalten sei.
Währenddessen traf Trump Vertreter von ExxonMobil und Chevron im Weißen Haus. Offiziell ging es um Energiepolitik. Inoffiziell vermutlich um die Frage, wie man gleichzeitig Frieden im Nahen Osten schafft und Ölpreise attraktiv hält.
Der Präsident erklärte dabei gewohnt zurückhaltend:
„Wir sind in Venezuela reingegangen, starke Leute, großartiges Militär, wir haben sehr schnell gewonnen.“
Was genau gewonnen wurde, blieb offen.
Auch international bleibt die Lage übersichtlich chaotisch. Frankreich fordert die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in Hormus. Israel bombardiert weiter Ziele in Beirut. Der Vatikan streitet mit Washington über den Krieg. Und die iranische Führung lässt parallel verstärkt Oppositionelle hinrichten.
Mit anderen Worten: Der Nahe Osten arbeitet weiterhin zuverlässig daran, jede diplomatische Erfolgsmeldung innerhalb weniger Stunden maximal kompliziert aussehen zu lassen.
Besonders bemerkenswert ist allerdings Trumps neue Definition von Zeitdruck. Noch vor wenigen Tagen hieß es aus Washington, Iran habe 48 Stunden Zeit für eine Antwort. Jetzt erklärt Trump plötzlich:
„Es gab niemals eine Deadline.“
Ein erstaunliches Konzept, selbst für internationale Diplomatie:
Ultimaten ohne Frist. Kriegspausen ohne Frieden. Gespräche ohne Ergebnisse.
Aber immerhin scheinen sich beide Seiten inzwischen darin einig zu sein, dass niemand genau weiß, wie es weitergeht. Und in der Weltpolitik gilt das oft bereits als erster Schritt Richtung Entspannung.
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