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New Yorks Superreiche entdecken plötzlich Diskriminierung

wiggijo (CC0), Pixabay
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Jahrzehntelang galten Milliardäre in Manhattan als Menschen, die alles haben: Luxus-Penthäuser, Steuerberater, Politikerkontakte und Wohnungen, die häufiger leer stehen als deutsche Innenstädte am Sonntag.

Jetzt fühlen sie sich offenbar verfolgt.

Auslöser der dramatischen Gefühlslage ist New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani. Der Demokrat hatte vorgeschlagen, luxuriöse Zweitwohnungen mit einem Wert von über fünf Millionen Dollar stärker zu besteuern. Sein Wahlkampfslogan dazu:
„Tax the rich.“

Für normale Menschen klingt das nach Steuerpolitik. Für Teile der New Yorker Elite offenbar nach einem Angriff auf die Zivilisation.

Steven Roth, Chef des Immobiliengiganten Vornado, erklärte nun ernsthaft, die Forderung nach höheren Steuern für Reiche sei „genauso hasserfüllt“ wie rassistische Beleidigungen oder antisemitische Parolen.

Ein bemerkenswerter Vergleich. Denn bislang gingen Politikwissenschaftler eigentlich davon aus, dass zwischen „Bitte zahlen Sie etwas mehr Grundsteuer“ und rassistischen Hetzparolen doch noch gewisse Unterschiede existieren.

Auch Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin zeigte sich emotional schwer erschüttert. Ein Video Mamdanis vor Griffins 238-Millionen-Dollar-Penthouse bezeichnete er als „creepy and weird“.

Tatsächlich ist es vermutlich belastend, wenn plötzlich öffentlich darüber gesprochen wird, dass Wohnungen in New York gelegentlich auch Menschen beherbergen könnten statt ausschließlich Vermögen.

Mamdani hatte Griffins Luxuswohnung bewusst als Symbol eines „fundamental unfairen Systems“ genutzt. Seine Kritik: Superreiche parken Milliarden in Immobilien, zahlen aber vergleichsweise wenig lokale Steuern, während Wohnraum in New York unbezahlbar wird.

Die Wirtschaftselite reagierte darauf erwartungsgemäß mit der üblichen Drohung:
Dann gehen wir eben woanders hin.

Griffin erklärte bereits, sein Unternehmen Citadel werde künftig lieber in Miami expandieren als in New York. Das klingt zunächst dramatisch, ist allerdings ungefähr die fünfte Ankündigung amerikanischer Milliardäre innerhalb eines Jahrzehnts, wegen Steuern endgültig nach Florida auszuwandern.

Florida entwickelt sich damit langsam zur emotionalen Schutzzone für traumatisierte Vermögende.

Roth wiederum erinnerte daran, dass Reiche „die Verkörperung des amerikanischen Traums“ seien und „gelobt und bedankt“ werden müssten.

Ein interessanter Gedanke. Viele New Yorker dürften allerdings bereits zufrieden sein, wenn ihre Miete nicht jährlich um zwölf Prozent steigt, weil irgendwo ein weiterer Investmentfonds Luxusapartments leer stehen lässt.

Besonders ironisch wirkt die Debatte deshalb, weil Mamdanis Vorschlag vergleichsweise moderat ausfällt. Die geplante Steuer auf Luxus-Zweitwohnungen könnte laut Schätzungen rund 500 Millionen Dollar pro Jahr einbringen – Geld, das die chronisch klamme Stadt durchaus gebrauchen könnte.

Doch in Teilen der amerikanischen Oberschicht gilt inzwischen offenbar bereits jede Steuerdiskussion als Klassenkampf.

Die politische Botschaft dahinter lautet:
Milliardäre dürfen selbstverständlich Einfluss auf Politik, Immobilienmärkte und öffentliche Räume nehmen. Aber sobald jemand ihre Steuerlast anspricht, beginnt angeblich die Verfolgung.

New York erlebt damit einmal mehr den vielleicht beliebtesten Reflex der Superreichen:
Je größer das Vermögen, desto empfindlicher das Ego.

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