Eigentlich sollte die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ein Fest der Völkerverständigung werden.
Die USA, Kanada und Mexiko wollten gemeinsam zeigen, wie moderne Nachbarschaft funktioniert.
Doch kurz vor dem Anpfiff erinnert die Lage eher an eine Familienfeier, bei der drei Verwandte gemeinsam am Tisch sitzen, nachdem sie sich ein Jahr lang gegenseitig mit Anwaltsschreiben, Zöllen und politischen Spitzen beworfen haben.
Die Gastgeber lieben sich – zumindest für die Kameras
Als die WM-Auslosung im Dezember stattfand, standen Donald Trump, Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und Kanadas Premierminister Mark Carney noch lächelnd nebeneinander.
Gemeinsam mit FIFA-Chef Gianni Infantino gab es Selfies, Händeschütteln und die üblichen Versprechen von Freundschaft und Zusammenarbeit.
Auf den Fotos sah alles wunderbar aus.
Wie immer in der Politik.
Trump und die Kunst der Nachbarschaftspflege
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat Donald Trump allerdings mehrfach klargemacht, wer seiner Meinung nach der Chef auf dem nordamerikanischen Kontinent ist.
Kanada durfte sich zeitweise anhören, man könne doch eigentlich auch der 51. Bundesstaat werden.
Die Begeisterung in Ottawa hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen.
Kanadier reagierten unter anderem mit Boykotten amerikanischer Produkte und reduzierten ihre Reisen in die USA.
Mexiko wiederum geriet wegen Handelsfragen, Migration und Grenzpolitik regelmäßig ins Visier Washingtons.
Kurz gesagt:
Für eine harmonische WM-Vorbereitung haben die drei Gastgeber zuletzt eher wenig getan.
Die größte Auswärtsfahrt der Fußballgeschichte
Noch nie wurde eine Weltmeisterschaft von drei Ländern gemeinsam organisiert.
Und nie zuvor mussten Fans zwischen so vielen Städten, Flughäfen, Grenzkontrollen und Behörden pendeln.
Wer beispielsweise ein Spiel in Mexiko besucht und danach nach Kanada weiterreisen möchte, erlebt möglicherweise mehr Grenzbeamte als Fußballspieler.
Besonders die verschärften US-Einreisekontrollen sorgen bei vielen Beobachtern für Sorgenfalten.
Denn wenn Fußballfans beim Grenzübertritt länger diskutieren müssen als über die Abseitsregel, könnte das Turnier schnell zusätzliche Schlagzeilen produzieren.
Mexiko hofft auf Fußball statt Schlagzeilen
In Mexiko kommt eine weitere Herausforderung hinzu.
Dort gibt es Diskussionen über Infrastruktur, Verkehrsprobleme, Streiks und Sicherheitsfragen.
Kritiker fragen, ob alles rechtzeitig fertig wird.
Die Lehrergewerkschaft droht mit Protesten.
Und auch die Sicherheitslage sorgt immer wieder für Diskussionen.
Präsidentin Claudia Sheinbaum bleibt trotzdem optimistisch.
Schließlich soll die Welt nicht nur Fußball sehen, sondern auch die kulturelle Vielfalt Mexikos erleben.
Kanada versucht die Rolle des vernünftigen Nachbarn
Kanada wiederum bemüht sich, zwischen allen Seiten möglichst diplomatisch zu wirken.
Premierminister Mark Carney arbeitet gleichzeitig daran, Handelsbeziehungen neu auszurichten und Spannungen mit den Nachbarn zu entschärfen.
Die WM kommt da fast wie gerufen.
Oder wie ein vierwöchiger diplomatischer Testlauf unter Flutlicht.
Die FIFA träumt von Harmonie
Für die FIFA ist das Turnier natürlich ein Traumprojekt.
Drei Länder.
16 Austragungsorte.
48 Mannschaften.
Millionen Fans.
Und die Botschaft:
Nordamerika präsentiert sich der Welt als Einheit.
Das klingt großartig.
Allerdings hat die Realität die unangenehme Eigenschaft, sich nicht immer an FIFA-Pressemitteilungen zu halten.
Und dann ist da noch Donald Trump
Der vielleicht größte Unsicherheitsfaktor bleibt Donald Trump selbst.
Niemand weiß genau, wie oft er bei Spielen auftauchen wird.
Niemand weiß, wie viele Kommentare auf Truth Social während des Turniers veröffentlicht werden.
Und niemand weiß, ob die WM am Ende ein Fußballturnier bleibt oder zeitweise zur größten politischen Bühne des Kontinents wird.
Trump liebt große Veranstaltungen.
Trump liebt Kameras.
Trump liebt Schlagzeilen.
Die Weltmeisterschaft bietet von allem reichlich.
Fazit
Die WM 2026 wird nicht nur sportlich ein Experiment.
Sie wird auch ein politischer Härtetest für drei Nachbarstaaten, die zuletzt häufiger gestritten als zusammengearbeitet haben.
Vielleicht wächst Nordamerika durch das Turnier tatsächlich näher zusammen.
Vielleicht entstehen neue Freundschaften.
Vielleicht werden alte Konflikte überwunden.
Oder die drei Gastgeber stellen fest, was viele Familien schon lange wissen:
Für vier Wochen gemeinsam feiern ist deutlich schwieriger, wenn man sich vorher zwölf Monate lang gestritten hat.
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