Ausgerechnet ein Murdoch könnte bald eines der liberalsten Medienhäuser Amerikas übernehmen. James Murdoch, jüngster Sohn von Fox-News-Patriarch Rupert Murdoch, verhandelt offenbar über den Kauf des „New York Magazine“ und des Podcastgeschäfts von Vox Media. Preis: mindestens 300 Millionen Dollar.
Damit würde ausgerechnet der Sohn des Mannes, der jahrzehntelang konservative Empörung industrialisierte, plötzlich zum Besitzer von Medienmarken werden, die regelmäßig genau diese Empörung kritisieren.
Amerikas Medienlandschaft bleibt zuverlässig absurd.
James Murdoch gilt seit Jahren als politisches Gegenmodell zu seinem Vater. Während Rupert Murdoch mit Fox News den republikanischen Kulturkampf monetarisierte, spendet James inzwischen an Demokraten und distanzierte sich öffentlich von Donald Trump sowie der politischen Linie des Familienimperiums.
2020 verließ er den Vorstand von Fox Corp – laut Beobachtern weniger aus geschäftlichen Gründen als aus einer Mischung aus Frustration, moralischer Erschöpfung und vermutlich dauerhaft erhöhtem Blutdruck beim Einschalten des eigenen Nachrichtensenders.
Nun könnte James Murdoch also ausgerechnet „New York Magazine“ übernehmen – jenes urbane Intelligenzblatt, das vermutlich bei Fox-News-Zuschauern ungefähr denselben Beliebtheitsgrad besitzt wie Fahrradwege oder Hafermilch.
Zum Paket gehören neben dem traditionsreichen Magazin auch bekannte Marken wie:
- „The Cut“,
- „Vulture“,
- „Intelligencer“
- sowie das Podcast-Netzwerk von Vox Media.
Dort laufen Formate wie „Pivot“ von Kara Swisher und Scott Galloway – also Podcasts, in denen sehr erfolgreiche Menschen darüber sprechen, warum andere sehr erfolgreiche Menschen problematisch sind.
Für Vox Media kommt das Interesse nicht überraschend. Digitale Medienhäuser kämpfen seit Jahren mit sinkenden Werbeeinnahmen, Plattformabhängigkeit und der Erkenntnis, dass „viral“ kein belastbares Geschäftsmodell ist.
Mit anderen Worten:
Viele Online-Medien haben inzwischen ungefähr die finanzielle Stabilität eines Start-ups kurz nach dem NFT-Pivot.
James Murdoch wiederum könnte die Gelegenheit nutzen, um sich ein eigenes Medienreich aufzubauen – allerdings mit deutlich anderer politischer Ausrichtung als die seines Vaters.
Es wäre eine Art familiäre Medien-Therapie:
Der Vater baut Fox News auf.
Der Sohn kauft Podcasts mit Trump-Kritikern.
Besonders pikant: Rupert Murdoch selbst besaß das „New York Magazine“ bereits zwischen 1976 und 1991. Die Marke würde damit gewissermaßen in die Familie zurückkehren – nur diesmal vermutlich mit weniger konservativer Schlagseite und deutlich mehr Podcast-Werbung für Nahrungsergänzungsmittel.
Noch ist der Deal nicht abgeschlossen. Doch allein die Vorstellung passt perfekt ins amerikanische Medienzeitalter:
Milliardärssöhne kaufen Magazine, Podcasts ersetzen Zeitungen und politische Weltbilder werden inzwischen offenbar innerhalb derselben Familie vererbt wie Immobilien – nur deutlich konfliktreicher.
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