Liebe Leipziger, probiert’s doch mit Nagelsmann! Klar. Und wenn Julian nicht rangeht, können wir ja anschließend Rangnick, Hasenhüttl und zur Sicherheit noch jeden anrufen, der irgendwann einmal mit einem RB-Trainingsanzug fotografiert wurde.
In Leipzig reden wir über Trainer inzwischen ohnehin lieber als über Fußball. Zwei Niederlagen, und schon wird wieder die große Casting-Show eröffnet. Wer darf als Nächster auf dem Schleudersitz Platz nehmen?
Dabei hat Martin Demichelis eine weitere Chance verdient. Nicht aus Sentimentalität, sondern weil man vielleicht einmal dort anfangen sollte, wo die Verantwortung für diese Mannschaft tatsächlich liegt.
Diesen Kader hat schließlich nicht Demichelis zusammengestellt. Dafür war Marcel Schäfer zuständig – selbstverständlich mit jenem geheimnisvollen iPhone-Call aus Salzburg im Hintergrund. Man stellt sich das ungefähr so vor: Das Handy klingelt, Salzburg ist dran, irgendjemand sagt „Der Junge hat enormes Potenzial“, Schäfer nickt, und ein paar Wochen später steht der nächste Spieler in Leipzig, während der Trainer überlegen darf, wie daraus eine funktionierende Mannschaft werden soll.
Das ist inzwischen fast schon Transferpolitik nach Apple-Prinzip: neues Modell, große Präsentation, viel Potenzial – und nach drei Wochen fragt man sich, warum der Akku trotzdem nicht bis zum Abend hält.
Und dann soll natürlich der Trainer schuld sein.
Demichelis bekommt einen Kader hingestellt, den andere geplant haben, soll daraus sofort Champions-League-Fußball zaubern und darf sich nach ein paar schlechten Ergebnissen anhören, ob Julian Nagelsmann nicht vielleicht gerade Zeit hätte. Willkommen bei RB Leipzig, wo Nachhaltigkeit offenbar bedeutet, den nächsten Trainervertrag wenigstens beidseitig auszudrucken.
Natürlich waren Bremen und Como schlecht. Sehr schlecht sogar. Aber wenn wir nach jedem Fehlstart sofort den Trainer austauschen, können wir irgendwann gleich eine Drehtür vor dem Trainerbüro einbauen.
Marcel Schäfer und die sportliche Führung sollten deshalb nicht so tun, als säßen sie auf der Tribüne und hätten mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wer den Kader zusammenstellt, trägt auch Verantwortung dafür, wenn er nicht funktioniert. Man kann nicht im Sommer einkaufen und im Herbst überrascht feststellen, dass die Einkaufstüte vielleicht doch etwas wild gepackt war.
Also gebt Demichelis Zeit.
Und wenn es wirklich komplett schiefgeht, kann Schäfer immer noch zum iPhone greifen. Vielleicht meldet sich Salzburg.
Oder Ole Werner.
„Du Ole, wegen damals … wir hätten da eventuell einen kleinen Softwarefehler entdeckt.“
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