Es gibt Siege, über die freut man sich.
Und es gibt Siege, die einem als Fortuna-Fan etwas geben, was in den vergangenen Monaten viel zu häufig gefehlt hat:
Das Gefühl, dass diese Mannschaft ein Spiel auch dann noch gewinnen kann, wenn es zunächst gegen sie läuft.
Das 2:1 gegen den MSV Duisburg war genau so ein Sieg.
Und deshalb möchte ich diesmal gar nicht lange nach dem berühmten Haar in der Suppe suchen.
Diese Mannschaft hat Anerkennung verdient.
Ausgerechnet gegen den Tabellenführer
Man darf schließlich nicht vergessen, wer da nach Düsseldorf gekommen war.
Der MSV Duisburg hatte seine ersten vier Saisonspiele allesamt gewonnen und reiste als Tabellenführer in die Merkur Spiel-Arena.
Vier Spiele.
Vier Siege.
Zwölf Punkte.
Duisburg war die Mannschaft der Stunde in der 3. Liga.
Und unsere Fortuna?
Die war nach einem alles andere als überzeugenden Saisonstart dringend auf ein Erfolgserlebnis angewiesen.
Nach vier Spieltagen standen lediglich vier Punkte auf dem Konto. Zuletzt hatte es beim anderen Fortuna-Duell in Köln nur zu einem 0:0 gereicht.
Da kommt ein Tabellenführer mit breiter Brust natürlich gerade recht.
Oder eben überhaupt nicht.
Und dann liegt Fortuna auch noch zurück
Genau deshalb gefiel mir die Reaktion der Mannschaft so gut.
Denn Fortuna gewann dieses Derby nicht, weil von der ersten bis zur letzten Minute alles perfekt funktionierte.
Im Gegenteil.
Duisburg ging in Führung.
Und da konnte man als langjähriger Fortuna-Fan durchaus diesen unangenehmen Gedanken bekommen:
Na wunderbar. Jetzt geht das wieder los.
Wir kennen solche Spiele schließlich.
Fortuna spielt ordentlich.
Fortuna bemüht sich.
Fortuna hat vielleicht Möglichkeiten.
Der Gegner trifft.
Und anschließend wird alles hektisch.
Genau deshalb war dieses Spiel so wichtig.
Denn diesmal passierte etwas anderes.
Die Mannschaft ist nicht auseinandergefallen
Nach dem 0:1 hat Fortuna nicht aufgegeben.
Sie ist nicht nervös geworden.
Sie hat nicht plötzlich sämtliche Ordnung verloren.
Und vor allem:
Sie hat weiter Fußball gespielt.
Die Sportschau fasste es treffend zusammen: Nach der Duisburger Führung blieb Düsseldorf die bessere Mannschaft und belohnte sich schließlich kurz vor Schluss.
Genau das möchte ich sehen.
Nicht nur dann guten Fußball spielen, wenn man 1:0 führt.
Nicht nur dann selbstbewusst auftreten, wenn alles funktioniert.
Eine gute Mannschaft zeigt ihren Charakter gerade dann, wenn etwas schiefgeht.
Und nach einem Rückstand gegen einen bis dahin verlustpunktfreien Tabellenführer zurückzukommen, ist ein Zeichen.
Endlich einmal ein Spiel gedreht!
Und genau darüber freue ich mich besonders.
Fortuna kann also doch ein Spiel drehen.
Man möchte beinahe sagen:
Herzlichen Glückwunsch, meine Herren – wir haben es tatsächlich noch erlebt.
Das ist natürlich etwas überspitzt.
Aber als Fan kennt man dieses Gefühl.
Wie oft sitzt man da und denkt nach einem Rückstand bereits:
Heute wird das nichts mehr.
Nicht unbedingt, weil die Mannschaft grundsätzlich schlecht wäre.
Sondern weil einem manchmal dieser letzte Glaube fehlt, dass Fortuna aus einem schwierigen Spiel noch einmal zurückkommen kann.
Gegen Duisburg war dieser Glaube plötzlich da.
Und noch wichtiger:
Er war offenbar auch bei den Spielern da.
Genau diese Mentalität brauchen wir
Fußball wird nicht nur durch Taktik entschieden.
Nicht nur durch Systeme.
Nicht nur durch Ballbesitz.
Und schon gar nicht durch irgendwelche erwarteten Tore auf einem Statistikzettel.
Manchmal geht es schlicht darum, wie eine Mannschaft auf einen Rückschlag reagiert.
Senkt sie den Kopf?
Oder sagt sie:
Jetzt erst recht.
Gegen Duisburg hat Fortuna die richtige Antwort gegeben.
Das 0:1 war diesmal nicht das Ende des Spiels.
Es war der Beginn der Aufholjagd.
Und genau diese Mentalität möchte ich häufiger sehen.
Und dann kommt der Joker
Besonders schön war natürlich, wie die Partie schließlich entschieden wurde.
Eric Hottmann kam von der Bank und erzielte spät den Siegtreffer zum 2:1.
Der Joker stach.
Fortuna hatte das Derby gedreht.
49.320 Zuschauer waren in der Arena dabei. Und sie bekamen endlich einmal genau diese besondere Dramaturgie geliefert, wegen der man zum Fußball geht.
Rückstand.
Aufbäumen.
Ausgleich.
Hoffen.
Und schließlich:
Sieg.
So darf ein Derby gerne laufen.
Für meinen Blutdruck vielleicht nicht unbedingt.
Aber für die Stimmung definitiv.
Auch Alexander Ende darf sich darüber freuen
Natürlich stand auch Trainer Alexander Ende unter Druck.
Vor der Partie hatte er das Derby als Chance bezeichnet, zu zeigen, dass Fortuna „da“ sei.
Nun kann man sagen:
Die Mannschaft war da.
Und sie war vor allem dann da, als es schwierig wurde.
Auch das spricht für den Trainer.
Denn eine Mannschaft, die nach einem Rückstand weiter an ihren Plan glaubt und bis zum Ende versucht, ein Spiel zu gewinnen, ist zumindest keine Mannschaft, die ihren Trainer bereits verloren hat.
Das sollte man nach diesem Spiel ebenfalls anerkennen.
Aber jetzt bitte nicht gleich wieder abheben
Natürlich macht ein Sieg noch keinen Aufstiegskandidaten.
Fortuna hat jetzt fünf Ligaspiele absolviert.
Wir stehen nicht plötzlich kurz vor der Meisterfeier.
Es gibt weiterhin genügend Dinge zu verbessern.
Und der Saisonstart wird durch einen Derbysieg nicht nachträglich perfekt.
Aber darum geht es auch gar nicht.
Es geht um Entwicklung.
Und dieses Spiel kann für diese Mannschaft ein wichtiger Entwicklungsschritt gewesen sein.
Denn nun wissen die Spieler selbst:
Wir können zurückkommen.
Wir können einen Rückstand drehen.
Wir können gegen den Tabellenführer gewinnen.
Und wir können ein enges Spiel spät für uns entscheiden.
Solche Erfahrungen kann kein Trainer im Training simulieren.
Jetzt muss daraus Selbstvertrauen entstehen
Genau deshalb hoffe ich, dass Fortuna diesen Sieg nicht einfach als schöne Momentaufnahme betrachtet.
Nehmt dieses Gefühl mit.
Merkt euch, wie ihr nach dem 0:1 reagiert habt.
Merkt euch, dass ein Spiel nicht vorbei ist, nur weil der Gegner getroffen hat.
Merkt euch, was passiert, wenn man nicht nervös wird und weiter an sich glaubt.
Denn genau das wird in dieser Saison noch häufiger notwendig sein.
Fortuna wird nicht jedes Spiel dominieren.
Fortuna wird Rückstände kassieren.
Fortuna wird schlechte Phasen haben.
Entscheidend ist, was dann passiert.
Dieser Sieg war mehr wert als drei Punkte
Natürlich gibt es für das 2:1 gegen Duisburg am Ende auch nur drei Punkte.
Aber emotional war dieser Erfolg mehr wert.
Es war ein Derbysieg.
Es war ein Sieg gegen den Tabellenführer.
Es war ein Sieg vor fast 50.000 Zuschauern.
Und vor allem war es ein Sieg nach einem 0:1-Rückstand.
Genau deshalb gehe ich diesmal mit einem richtig guten Gefühl aus diesem Spiel.
Nicht weil plötzlich alles perfekt wäre.
Sondern weil Fortuna etwas gezeigt hat, was ich viel häufiger sehen möchte:
Widerstandskraft.
Nach einem Rückschlag nicht jammern.
Nicht auseinanderfallen.
Nicht hektisch werden.
Sondern weitermachen.
Genau so, Fortuna!
Ich habe Fortuna oft genug kritisiert.
Dann muss man auch anerkennen, wenn etwas gut läuft.
Und dieses Spiel war gut.
Vielleicht nicht jede Minute.
Vielleicht nicht jede Aktion.
Aber die Reaktion der Mannschaft war richtig.
Sie hat einen Rückstand weggesteckt.
Sie hat gegen einen bis dahin makellosen Tabellenführer zurückgeschlagen.
Und sie hat ein Derby gewonnen.
Deshalb diesmal keine große Kritik.
Sondern einfach:
Respekt, Fortuna.
Genau diese Mannschaft möchte ich sehen.
Eine Mannschaft, die nach einem 0:1 nicht denkt:
Das war’s.
Sondern:
Jetzt drehen wir das Ding.
Und dann tatsächlich genau das macht.
Wenn dieser Sieg dafür sorgt, dass Fortuna dieses Selbstvertrauen in die nächsten Spiele mitnimmt, könnten diese drei Punkte am Ende noch deutlich wertvoller gewesen sein, als es die Tabelle heute zeigt.
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