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Insel gesucht, Widerstand gefunden

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Jared Kushner, Schwiegersohn von Donald Trump und offenbar leidenschaftlicher Sammler spektakulärer Immobilienideen, hat sich ein neues Traumprojekt ausgesucht: eine albanische Insel. Seine Frau Ivanka schwärmte kürzlich von einem „außergewöhnlichen Projekt“ auf einer „unglaublichen Privatinsel“. Der kleine Haken: Die Insel gehört gar nicht ihnen – und viele Albaner hätten auch gern ein Wörtchen mitzureden.

Die Insel Sazan, bislang eher bekannt für Militäranlagen als für Infinity-Pools, soll nach Kushners Vorstellungen zum Luxusparadies für Gutverdiener umgebaut werden. Geplant sind Hotels, Villen, Yachthafen, Restaurants und alles, was Menschen benötigen, die beim Urlaub möglichst weit von normalen Urlaubern entfernt sein möchten.

1,4 Milliarden Euro für Meerblick

Kushners Firma möchte rund 1,4 Milliarden Euro investieren. Entstehen sollen etwa 10.000 Gästebetten. Kritiker vermuten allerdings, dass damit die Zahl der Liegestühle bald die der einheimischen Bewohner übersteigen könnte.

Während Investoren bereits von Champagner am Privatstrand träumen, träumen viele Einheimische eher davon, ihre Strände weiterhin betreten zu dürfen. Als plötzlich Zäune mit Stacheldraht auftauchten, war die Begeisterung entsprechend überschaubar.

„Ivanka, go home!“

In Tirana gingen Tausende Menschen auf die Straße. Die Botschaften waren kurz und prägnant: „Albanien gehört den Albanern“ und „Ivanka, go home“. Marketingexperten würden vermutlich von „verbesserungswürdigem Markenfeedback“ sprechen.

Zusätzliche Aufregung entstand, als Videos auftauchten, die Sicherheitskräfte bei wenig gastfreundlichem Verhalten gegenüber Demonstranten zeigten. Die Behörden reagierten mit Lizenzentzügen, Festnahmen und Ermittlungen – ein Zeichen dafür, dass das Projekt inzwischen deutlich mehr Schlagzeilen produziert als Hotelreservierungen.

Flamingos nicht begeistert

Auch die Natur meldet Bedenken an. Das Baugebiet liegt in einer geschützten Küstenregion, die Heimat von Flamingos, Robben und Meeresschildkröten ist. Umweltaktivisten befürchten, dass die Tiere künftig lernen müssen, zwischen Golfcarts und Luxusvillen zu navigieren.

Als bereits erste Rodungsarbeiten begannen, wuchs die Sorge weiter. Kritiker fragen sich, ob „Naturschutzgebiet“ inzwischen als Synonym für „zukünftiges Resort mit Spa-Bereich“ verstanden wird.

Regierung bleibt optimistisch

Albaniens Premierminister Edi Rama hält unbeirrt an dem Vorhaben fest. Die Investition sei wichtig, alle Regeln würden eingehalten und überhaupt sei noch längst nicht alles entschieden. Gleichzeitig laufen Ermittlungen wegen möglicher Unregelmäßigkeiten rund um Schutzgebiete und Grundstücksfragen – was die Sache nicht gerade weniger kompliziert macht.

Déjà-vu in Serbien

Wer glaubt, dies sei Kushners erstes Abenteuer auf dem Balkan, irrt. Bereits in Belgrad plante er ein großes Immobilienprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Armeehauptquartiers. Dort endete die Geschichte jedoch mit Protesten, Fälschungsvorwürfen, Ermittlungen und schließlich dem Rückzug des Investors.

Man könnte sagen: Das Projekt wurde nicht eingeweiht, sondern eingestellt.

Fortsetzung folgt

Während viele Demonstranten hoffen, dass Albanien dem serbischen Beispiel folgt, macht Premier Rama klar, dass er von einem Stopp wenig hält. Solange er im Amt sei, werde das Projekt nicht aufgegeben.

Damit bleibt die Frage offen, ob Sazan künftig ein Naturschutzgebiet oder ein Luxusspielplatz für Superreiche wird. Sicher ist bislang nur eines: Die Insel sorgt bereits jetzt für deutlich mehr Bewegung als die meisten Urlaubsresorts – und das noch bevor der erste Cocktail serviert wurde.

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