Gelber Trainingsanzug, auffälliger Schmuck und bewusst provozierende Fragen: Sacha Baron Cohen bringt seine Kultfigur Ali G zurück ins Kino. Doch die angekündigte Fortsetzung „Ali G: Who iz I?“ löst schon vor dem Start eine Debatte aus. Für die einen ist die Figur ein Werkzeug gegen Vorurteile. Andere sehen in ihr eine Karikatur, die rassistische Klischees verstärkt.
Die Werbekampagne setzt auf Wiedererkennung. Bei einem offiziellen Doppelgängerwettbewerb in London versammelten sich Anfang Oktober mehr als 300 Fans im typischen Ali-G-Look. Gemeinsam waren sie unter anderem an Big Ben, Leicester Square und Covent Garden unterwegs. Die Aufmerksamkeit ist dem Comeback damit sicher – Zustimmung allerdings nicht.
Sänger und Moderator Jordan Stephens gehört zu den öffentlichen Kritikern. Auch die Labour-Abgeordnete Paulette Hamilton erhob Rassismusvorwürfe gegen die Darstellung. Baron Cohen äußerte sich auf eine entsprechende Anfrage zunächst nicht direkt zu den Einwänden.
Der britische Comedian Dane Baptiste kritisiert vor allem die Wirkung bekannter Ali-G-Sprüche außerhalb der Unterhaltung. Nach seiner Erfahrung wurden diese genutzt, um Schwarze Menschen zu verspotten und tatsächliche Rassismuserfahrungen ins Lächerliche zu ziehen. Was als satirische Überzeichnung gedacht sei, könne im Alltag zur Abwertung werden.
Die Kontroverse begleitet Ali G allerdings schon lange. Bereits bei der Premiere des ersten Kinofilms „Ali G Indahouse“ im Jahr 2002 gab es Proteste.
Bekannt wurde die Figur durch Interviews, in denen prominente Gesprächspartner mit scheinbar naiven oder absurden Fragen konfrontiert wurden. Baron Cohens Ansatz besteht darin, Vorurteile und Selbstbilder sichtbar zu machen. Seine Verteidiger verstehen Ali G deshalb als einen weißen Mann, der sich eine vermeintliche Gangsteridentität aneignet – und gerade dadurch selbst zur Witzfigur wird.
Colton Dunn, einer der Schwarzen Autoren des neuen Films, verteidigt das Konzept ausdrücklich. Aus seiner Sicht dient Ali G dazu, rassistische Einstellungen offenzulegen. Auch der frühere konservative Politiker Jacob Rees-Mogg, selbst einst Interviewpartner der Figur, sieht darin gesellschaftskritischen Humor.
Sozialpsychologin Amy Kean stellt dagegen die zeitgemäße Wirkung infrage. Sie kritisiert eine Comedytradition, in der bereits Akzent und Sprechweise zur Pointe werden. Entscheidend ist damit nicht nur die Absicht der Urheber, sondern auch, worüber das Publikum tatsächlich lacht.
Über die Handlung ist bislang wenig bekannt: Ali G erfährt von der Schwangerschaft seiner Freundin Julie und reist in die USA, wo er auf reale, offenbar nicht eingeweihte Gesprächspartner trifft.
Ob das Comeback neue satirische Treffer landet oder vor allem alte Muster wiederholt, wird sich erst am fertigen Film beurteilen lassen. Die zentrale Frage steht bereits fest: Werden Vorurteile entlarvt – oder lediglich noch einmal auf die Bühne gebracht?
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