Der KI-Entwickler Anthropic bereitet den Gang an die US-Börse vor. Nach den vorliegenden Angaben hat das Unternehmen einen entsprechenden Antrag bei der Börsenaufsicht SEC eingereicht. Geplant ist eine Notierung an der Technologiebörse NASDAQ unter dem Kürzel „ANT“.
Anthropic entwickelt den KI-Assistenten Claude und gehört zu den Wettbewerbern von OpenAI, Google und Microsoft. Das Unternehmen richtet sein Angebot insbesondere an Geschäftskunden. Den Börsengang sollen Goldman Sachs und Morgan Stanley federführend begleiten.
Die Unterlagen waren demnach bereits im Juni vertraulich eingereicht worden. Die Präsentationen für potenzielle Investoren sollen in der Woche vom 9. November beginnen. Über den endgültigen Ausgabepreis, die Unternehmensbewertung und das tatsächlich angestrebte Emissionsvolumen ist damit noch keine abschließende Aussage getroffen.
Wachstum mit gewaltigem Finanzierungsbedarf
Die genannten Geschäftszahlen zeigen eine außergewöhnliche Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2026 soll der Umsatz auf 16,3 Milliarden Dollar gestiegen sein. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 1,2 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig wird ein Nettoverlust von rund 80,7 Milliarden Dollar ausgewiesen, nach einem Minus von 13 Milliarden Dollar im Vorjahr. Für die Beurteilung dieser Zahlen ist entscheidend, wodurch der Fehlbetrag entstanden ist. Ohne eine genaue Aufschlüsselung lässt sich daraus weder der operative Geldverbrauch noch der künftige Finanzierungsbedarf zuverlässig ableiten.
Die im Raum stehenden Bewertungen sind dennoch enorm. Nach einer privaten Bewertung von angeblich 965 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn werden inzwischen Größenordnungen von 1,5 bis zwei Billionen Dollar genannt. Dabei handelt es sich um Erwartungen und Berichte, nicht um einen bereits feststehenden Börsenwert.
Für Anleger stellt sich damit eine zentrale Frage: Kann Anthropic sein starkes Wachstum langfristig in tragfähige Erträge übersetzen? Eine hohe Nachfrage nach KI-Anwendungen allein beantwortet diese Frage nicht. Entscheidend sind auch Rechenkosten, Wettbewerb, Kundenbindung und der weitere Kapitalbedarf.
Ein Börsengang würde Investoren die Beteiligung an einem bedeutenden KI-Anbieter ermöglichen. Die diskutierte Bewertung verlangt allerdings schon heute Vertrauen in erhebliche zukünftige Geschäftserfolge.
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