Beim Gipfeltreffen in Peking sprach Chinas Präsident Xi Jinping über antike griechische Machtkämpfe, globale Stabilität und die Gefahr eines Krieges zwischen Großmächten. Donald Trump hörte daraus vor allem eines:
Joe Biden ist schuld.
Xi hatte den Begriff der sogenannten „Thukydides-Falle“ ins Spiel gebracht – eine bekannte geopolitische Theorie, wonach Konflikte fast unvermeidbar werden, wenn eine aufstrebende Macht eine bestehende Weltmacht herausfordert.
Der chinesische Präsident fragte während des Treffens mit Trump demonstrativ:
„Können China und die USA diese Falle überwinden und Partner statt Rivalen sein?“
Spätestens bei solchen Sätzen merkt man, wie unterschiedlich Washington und Peking inzwischen Politik betreiben:
Xi zitiert antike Historiker,
Trump antwortet mit Truth-Social-Posts über Benzinpreise und Transgenderpolitik.
Besonders brisant wurde das Thema Taiwan. Xi warnte laut chinesischen Staatsmedien ausdrücklich davor, die Taiwan-Frage „falsch zu behandeln“, da dies die Beziehungen beider Länder in eine „extrem gefährliche Lage“ bringen könne.
Diplomatisch formuliert – aber kaum misszuverstehen.
Trump wiederum deutete Xis Aussagen anschließend auf seine ganz eigene Weise um. Auf Truth Social erklärte der US-Präsident, Xi habe die USA zwar als „möglicherweise absteigende Nation“ bezeichnet, damit aber selbstverständlich nur die Zeit unter Joe Biden gemeint.
„Und damit hatte er zu 100 Prozent recht“, schrieb Trump.
Es folgte eine typische Trump-Aufzählung:
Migration,
Kriminalität,
Steuern,
Diversitätspolitik,
Grenzsicherung
– praktisch die komplette republikanische Standardplaylist in einem einzigen Absatz.
Dass Xi eigentlich über geopolitische Machtverschiebungen zwischen China und den USA sprach, spielte dabei offenbar keine große Rolle mehr.
Trump nutzte den China-Besuch stattdessen vor allem, um sich selbst als Retter Amerikas zu inszenieren.
Die USA seien heute „die heißeste Nation der Welt“, erklärte der Präsident und verwies auf Börsenkurse, Militäraktionen und seine Politik gegen Diversitätsprogramme.
Dabei wirkt die Lage zwischen den beiden Supermächten derzeit alles andere als entspannt:
Handelsstreit,
Taiwan-Konflikt,
Technologiewettlauf,
Militärmanöver
– und dazu ein Präsident, der geopolitische Warnungen regelmäßig in Wahlkampfmunition verwandelt.
Immerhin sprach Trump nach dem Treffen trotzdem von „fantastischen Handelsdeals“ und einem „historischen Besuch“.
Xi dürfte unterdessen zufrieden sein:
Er konnte sich als ruhiger globaler Staatsmann präsentieren –
während Trump erneut bewies, dass selbst antike griechische Geschichte am Ende irgendwie bei Joe Biden landet.
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