Als Derick Hall zur Welt kam, brachte er gerade einmal knapp 1,2 Kilogramm auf die Waage. Heute bringt er gegnerische Quarterbacks zu Boden.
Dazwischen liegen 25 Jahre, unzählige Arztbesuche, fünf Monate Intensivstation, jede Menge Sorgen – und eine Mutter, die offenbar beschlossen hatte, ihrem Sohn niemals von der Seite zu weichen.
Die Ärzte waren vorsichtig. Das Schicksal offenbar nicht.
Als Hall im Jahr 2001 in Mississippi geboren wurde, standen die Prognosen alles andere als gut. Er kam bereits in der 23. Schwangerschaftswoche zur Welt und musste sofort an lebenserhaltende Geräte angeschlossen werden.
Die Ärzte warnten seine Mutter Stacy Gooden-Crandle sogar, dass ihr Sohn möglicherweise niemals laufen oder sprechen könne.
Heute ist Hall 1,90 Meter groß, wiegt mehr als 115 Kilogramm und hat einen Super Bowl gewonnen.
Man könnte sagen: Die Prognosen waren leicht daneben.
Eine Mutter auf Dauereinsatz
Während andere Eltern nach der Geburt ihr Kind mit nach Hause nehmen, musste Stacy jeden Tag das Krankenhaus verlassen, während ihr Baby auf der Intensivstation weiter um sein Leben kämpfte.
Fünf Monate lang.
Eine Erfahrung, die wohl jede Gebrauchsanweisung für Elternschaft sprengt.
„Man fährt nach Hause und lässt sein Kind zurück“, erinnert sie sich. „Das ist eine völlig andere Art von Elternsein.“
Der kleine Junge, der Football spielen wollte
Die ersten Lebensjahre bestanden hauptsächlich aus Arztterminen. Entwicklungsschritte kamen später als bei anderen Kindern. Doch irgendwann wurde aus dem zerbrechlichen Frühchen ein energiegeladener Wirbelwind.
Ein Onkel hatte schließlich eine Idee:
„Der Junge braucht Sport.“
Die Mutter hatte eine andere:
„Auf keinen Fall Football!“
Verständlich. Wer jahrelang um das Überleben seines Kindes gekämpft hat, findet die Vorstellung wenig attraktiv, dass anschließend 120-Kilo-Männer freiwillig auf ihn zustürmen.
Der schlimmste Albtraum jeder Mutter
Hall begann trotzdem mit vier Jahren Football zu spielen.
Die Trainer waren begeistert.
Die Mutter vermutlich weniger.
Während andere Eltern am Spielfeldrand die Regeln lernten, dürfte Stacy vor allem gelernt haben, wie man gleichzeitig betet, zittert und applaudiert.
Super Bowl statt Intensivstation
25 Jahre nach seiner dramatischen Geburt stand Derick Hall im Super Bowl auf dem Feld. Zwei Sacks, mehrere Tackles und eine entscheidende Balleroberung später durfte er sich NFL-Champion nennen.
Für seine Mutter war der Moment überwältigend.
Nach dem Spiel umarmte sie ihren Sohn und sagte:
„Du hast es geschafft.“
Seine Antwort:
„Nein. Wir haben es geschafft.“
Die wahre Meisterschaft
Heute setzen sich Mutter und Sohn gemeinsam für Familien mit Frühchen ein. Sie sammeln Spenden und machen Betroffenen Mut.
Denn ihre Geschichte ist mehr als eine Football-Geschichte.
Es ist die Geschichte einer Mutter, die nie aufgehört hat zu glauben.
Und eines Jungen, der aus 1,2 Kilogramm Hoffnung einen Super-Bowl-Ring gemacht hat.
Oder anders gesagt:
Manchmal beginnen die größten Sportkarrieren nicht auf einem Footballfeld – sondern auf einer Intensivstation.
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