Früher jagte Darron Lee NFL-Quarterbacks über das Spielfeld. Heute jagt ihn die Staatsanwaltschaft wegen Mordes ersten Grades.
Der ehemalige Linebacker der New York Jets wurde von einer Grand Jury in Tennessee offiziell wegen Mordes an seiner Freundin angeklagt. Die Staatsanwaltschaft konzentriert sich inzwischen ausschließlich auf den Mordvorwurf – und prüft sogar, ob die Todesstrafe beantragt werden soll.
Die Version vom Badezimmerunfall hielt nicht lange
Als die Einsatzkräfte in einem gemieteten Haus in Ooltewah bei Chattanooga eintrafen, erklärte Lee offenbar, seine Freundin sei aufgrund ihrer Narkolepsie im Badezimmer gestürzt.
Die Ermittler schauten sich die Verletzungen an und kamen schnell zu dem Schluss, dass dies ein äußerst ungewöhnlicher Duschunfall gewesen sein müsste.
Laut Gerichtsunterlagen wurden bei der Frau schwere Kopfverletzungen, ein gebrochener Hals, zahlreiche Blutergüsse, Bissspuren, Stichverletzungen an den Beinen sowie massive Gesichtsverletzungen festgestellt.
Kurz gesagt: Die Spurensicherung war offenbar weniger von einem Sturz überzeugt als der Beschuldigte.
Wenn ChatGPT plötzlich Teil der Ermittlungsakte wird
Besonders bemerkenswert ist ein Detail aus den Ermittlungen: Laut Staatsanwaltschaft soll Lee vor dem Eintreffen der Polizei nicht den Notruf gewählt haben, sondern stattdessen ChatGPT konsultiert haben.
Demnach habe er unter anderem nachgefragt, ob ein Sturz Blutergüsse um die Augen sowie „zwei stichähnliche Wunden“ verursachen könne.
Man muss kein Ermittler sein, um zu erkennen, dass dies keine besonders glückliche Verteidigungsstrategie darstellt.
Die klassische Reihenfolge in Notfällen lautet normalerweise:
- Notruf wählen.
- Erste Hilfe leisten.
- Auf Rettungskräfte warten.
Nicht:
- Chatbot fragen.
- Google durchsuchen.
- Hoffen, dass niemand Fragen stellt.
Die Staatsanwaltschaft kennt keine Nachspielzeit
Neben dem Mordvorwurf stand zunächst auch der Verdacht der Beweismanipulation im Raum. Ermittler fanden im Haus unter anderem Bleichmittel, Reinigungstücher und weitere Reinigungsutensilien.
Diesen Anklagepunkt ließ die Staatsanwaltschaft inzwischen fallen, um sich vollständig auf die Mordanklage zu konzentrieren.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Vorwürfe schwächer geworden wären – eher das Gegenteil.
Vom Erstrundenpick zur Gefängniszelle
Lee galt einst als großes Football-Talent. 2016 wurde er in der ersten Runde des NFL-Drafts ausgewählt und spielte unter anderem für die New York Jets und die Kansas City Chiefs.
Heute sitzt der 31-Jährige ohne Möglichkeit auf Kaution im Gefängnis und wartet auf seinen nächsten Gerichtstermin.
Fazit
Der Fall sorgt in den USA nicht nur wegen der Schwere der Vorwürfe für Aufmerksamkeit, sondern auch wegen eines Details, das wohl noch lange für Diskussionen sorgen wird: Ein ehemaliger NFL-Profi soll in einer lebensbedrohlichen Situation zuerst einen KI-Chatbot um Rat gefragt haben.
Für Darron Lee geht es nun nicht mehr um Touchdowns, Playoffs oder Verträge. Vor Gericht steht künftig eine deutlich wichtigere Frage im Mittelpunkt: Was ist in dem Haus in Tennessee tatsächlich passiert?
Kommentar hinterlassen