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Timmy und kein Ende

paescemauerhofer (CC0), Pixabay
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Der Buckelwal Timmy hat es leider nicht geschafft. Die Debatte um seine Rettung dagegen zeigt erstaunliche Überlebenskräfte.

Monate nachdem der Wal nach einer spektakulären Rettungsaktion tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden wurde, beschäftigt sich die Geschichte nun offenbar weniger mit Meeresbiologie als mit Rechnungen, Anwaltsschreiben und der Frage, wer eigentlich wem wie viel schuldet.

Im Mittelpunkt steht inzwischen eine Forderung von 1,3 Millionen Euro.

Der Tauchunternehmer Fred Babbel verlangt diese Summe von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Nach Berichten über die beim Landgericht Schwerin eingereichte Klage geht es um eine aus Sicht Babbels offene Schlussrechnung für Leistungen rund um die Rettungsaktion.

Damit bekommt die Geschichte eine bemerkenswerte Wendung: Aus „Rettet Timmy“ wird langsam „Wer bezahlt Timmy?“.

Babbel war während der Rettungsaktion als technischer Dienstleister beteiligt. Er organisierte nach den vorliegenden Berichten unter anderem Spezialisten, Schlepper und eine Barge, mit der der geschwächte Wal wieder in Richtung Nordsee gebracht werden sollte.

Nun sagt Babbel, dass nicht nur er selbst auf Geld warte, sondern auch von ihm beauftragte Unternehmen.

Walter-Mommert wiederum lehnt eine Zahlung derzeit ab. Über ihre Anwälte lässt sie demnach vortragen, dass Vorgaben des Rettungs- und Bergungskonzepts aus ihrer Sicht nicht eingehalten worden seien. Zudem verlangt sie weitere Unterlagen zur Freilassung des Tieres.

Ein vorgeschlagener Vergleich wurde offenbar ebenfalls nicht akzeptiert.

Damit haben wir inzwischen nahezu alles, was eine große deutsche Geschichte braucht: einen Wal, Millionäre, Unternehmer, Anwälte, offene Rechnungen und unterschiedliche Erinnerungen daran, wer eigentlich was zugesagt haben soll.

Nur Timmy selbst kann leider nicht mehr als Zeuge geladen werden.

Dabei begann alles mit einer öffentlichkeitswirksamen Rettungsaktion.

Als der geschwächte Buckelwal wochenlang vor der Ostseeküste um sein Überleben kämpfte, wollten private Geldgeber helfen. Karin Walter-Mommert und Media-Markt-Mitgründer Walter Gunz engagierten sich für die Rettung des Tieres.

Millionen sollten mobilisiert werden, Spezialisten wurden eingebunden und schließlich wurde Timmy auf einer Barge Richtung Nordsee transportiert.

Das große Ziel: Freiheit.

Das tatsächliche Ende: Anholt.

Am 2. Mai wurde Timmy vor Skagen freigelassen. Weniger als zwei Wochen später wurde das Tier tot vor der dänischen Insel entdeckt. Experten hatten bereits zuvor darauf hingewiesen, dass seine Überlebenschancen gering seien.

Damit hätte die Geschichte eigentlich tragisch enden können.

Aber Menschen wären nicht Menschen, wenn nach einem solchen Projekt nicht irgendwann die Rechnung käme.

Und offenbar kam sie.

Nun wird gestritten, wer welche Kosten übernommen hat, wer was zugesagt hat und wer wofür verantwortlich war.

Auch zwischen den damaligen Geldgebern scheint keineswegs Einigkeit darüber zu bestehen, welche finanziellen Verpflichtungen tatsächlich eingegangen wurden. Walter Gunz ließ laut den Berichten über seinen Anwalt erklären, von einer bestimmten Kostenzusage gegenüber dem Ministerium nichts gewusst und ihr auch nicht zugestimmt zu haben.

Babbel wiederum richtet seine Forderung ausschließlich gegen Walter-Mommert. Seine Begründung: Sie habe sein Angebot bestätigt.

Das könnte nun Aufgabe eines Gerichts werden.

Damit findet möglicherweise bald eine juristische Nachbesprechung jener Rettungsaktion statt, die ursprünglich ausschließlich einem Wal das Leben retten sollte.

Aus einer privaten Rettungsmission könnte damit ein ziemlich öffentliches Zivilverfahren werden.

Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Timmy posthum noch eine zweite Karriere begonnen hat: zunächst als Symbol für eine spektakuläre Tierrettung, nun als Mittelpunkt eines Millionenstreits.

Die vielleicht bitterste Pointe der Geschichte liegt genau darin.

Der Wal ist längst verschwunden.

Die Rechnungen sind geblieben.

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