Endlich wird verhandelt! Oder wie Diplomaten sagen würden: Zwei Seiten treffen sich persönlich, um sich gegenseitig in höflichem Ton völlig absurde Forderungen um die Ohren zu hauen.
An diesem Wochenende sitzen sich in Pakistans Hauptstadt erstmals seit Kriegsbeginn Unterhändler aus den USA und dem Iran direkt gegenüber. Für Washington reist US-Vizepräsident JD Vance an – flankiert von Sondergesandtem Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, also quasi die klassische Besetzung für eine hochsensible geopolitische Krisenmission: Politik, Immobilien-Vibes und maximaler Selbstoptimismus.
Auf iranischer Seite kommen Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi. Die Stimmung? Irgendwo zwischen Friedensgespräch und gepflegter gegenseitiger Realitätsverweigerung.
Der Iran hat einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der in etwa so klingt, als hätte jemand nach einem Krieg gesagt:
„Also gut, wir reden – aber zuerst bezahlt ihr alles, hört sofort auf, lasst unsere Freunde in Ruhe, gebt unser Geld zurück und übrigens: Die Straße von Hormus wird jetzt mautpflichtig.“
Ja, richtig gelesen: Teheran will die strategisch extrem wichtige Meerenge künftig mit Oman koordinieren und pro Schiff bis zu zwei Millionen Dollar Transitgebühr kassieren. Begründung: Wiederaufbau. Oder in modernem Krisenmanagement-Deutsch: Paywall für den Weltfrieden.
Dazu kommen Forderungen nach Milliardenentschädigungen, dem Ende aller Angriffe, dem Ende aller Sanktionen und der Freigabe eingefrorener Vermögen. Besonders sensibel: Beim Atomprogramm sagt Teheran sinngemäß:
„Natürlich nur zivil. Bitte jetzt nicht so kleinlich werden.“
Washington antwortet mit einem 15-Punkte-Plan, der ungefähr den Charme eines Hausmeisters mit Generalschlüssel hat:
Alles raus, alles abbauen, alles kontrollieren, nichts mehr anreichern, keine Langstreckenraketen, keine Drohnen für Freunde, keine Waffen für Verbündete – und bitte auch keine Überraschungen mehr.
Konkret wollen die USA, dass Iran nie Atomwaffen baut, rund 440 Kilo hochangereichertes Uran abgibt, sämtliche sensiblen Anlagen in Natanz, Isfahan und Fordow demontiert und der Internationalen Atomenergiebehörde praktisch die Dauerkarte fürs iranische Innenleben überlässt.
Beim Raketenprogramm ist Washington ebenfalls in Plauderlaune: Keine Langstreckenraketen mehr, keine militärischen Drohnen für Partner, kein Geld und keine Waffen mehr für Hisbollah, Huthi und irakische Milizen. Also kurz: Iran soll bitte außenpolitisch nur noch Zimmerpflanzen gießen.
Ein iranischer Vertreter nannte die US-Forderungen bereits „exzessiv, unrealistisch und unvernünftig“. Washington dürfte bei Irans Forderung nach Kriegsentschädigung plus Hormus-Maut ungefähr ähnlich reagiert haben.
Damit die Stimmung nicht kippt, sichern 5000 Soldaten die Gespräche in Islamabad. Was beruhigend ist. Denn nichts schreit so sehr nach „vertrauensbildender Maßnahme“ wie Straßensperren, Militär und zwei Delegationen, die mit Maximalforderungen anreisen.
Kurz gesagt:
Die USA wollen Abrüstung. Iran will Kasse machen. Beide wollen Frieden – aber bitte ausschließlich zu den eigenen Bedingungen.
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