Was sich in Rodenberg abspielt, macht fassungslos: Das Wellpappen-Werk ist dicht, fast alle Beschäftigten sind raus – und für 138 Mitarbeiter bleibt vor allem ein Gefühl: abserviert, ausrangiert, im Stich gelassen.
Nach Informationen aus der Belegschaft ist der Standort der Gissler & Pass Rodenberg endgültig geschlossen worden. Fast alle Beschäftigten wurden freigestellt, nur wenige Mitarbeiter sollen noch in der Verwaltung sitzen. Die Produktion steht still, das Werk ist faktisch tot. Für viele Betroffene bedeutet das: Existenzangst, Zukunftssorgen und blanke Wut.
Ein Mitarbeiter berichtet, fast alle hätten inzwischen ihre Kündigung erhalten. Der Standort sei endgültig dicht. Was hier passiert ist, wirkt für viele wie ein eiskalter Kahlschlag – und wirft massive Fragen auf.
Besonders brisant: Insolvenzverwalter Dr. Volker Römermann sagt offen, dass er das Unternehmen durchaus für sanierungsfähig hielt. Seine klare Botschaft: Die Mitarbeiter waren da, die Kunden waren da – und trotzdem wurde dichtgemacht. Noch schärfer wiegt sein Vorwurf, wonach die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Muttergesellschaft ein zentraler Grund für das Scheitern gewesen sein soll.
Mit anderen Worten: Während die Beschäftigten um ihre Jobs kämpften, könnte im Hintergrund ein Macht- und Interessenkonflikt ausgetragen worden sein – auf dem Rücken der Belegschaft. Wenn sich das bestätigt, wäre das nichts anderes als ein handfester Arbeitnehmerskandal.
Die Muttergesellschaft aus Jülich weist die Vorwürfe zwar vehement zurück und droht dem Insolvenzverwalter sogar indirekt mit rechtlichen Konsequenzen. Doch für die Mitarbeiter ändert das vorerst gar nichts. Ihre Jobs sind weg. Ihr Werk ist dicht. Ihre Sicherheit ist zerstört.
Und es kommt noch schlimmer: Betriebsrat und Gewerkschaft sollen schon seit Monaten befürchtet haben, dass der Standort Ende 2025 bewusst in eine eigene GmbH ausgegliedert wurde – möglicherweise, um im Fall einer Schließung Abfindungen zu drücken oder zu umgehen. Genau dieser Verdacht steht jetzt im Raum. Kündigungsschutzklagen werden bereits geprüft.
Sollte sich dieser Verdacht erhärten, dann wäre das nicht nur ein Streit unter Juristen – dann wäre es ein moralischer Offenbarungseid gegenüber den Menschen, die den Laden am Laufen gehalten haben.
Denn am Ende sind es wieder nicht Manager, Berater oder Anwälte, die die Zeche zahlen. Es sind die Beschäftigten in der Produktion, die Familien in der Region, die Menschen, die morgens zur Schicht gegangen sind und jetzt vor dem Nichts stehen.
Klar ist schon jetzt:
Hier geht es nicht nur um eine Werksschließung. Hier geht es um Verantwortung. Um Fairness. Und um die Frage, ob 138 Mitarbeiter einfach geopfert wurden.
Für die Betroffenen ist das keine Umstrukturierung – es ist ein Skandal.
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