Es gibt Städte, die kümmern sich um Wohnungsnot, marode Straßen oder steigende Kriminalität. Und dann gibt es Erlangen. Dort scheint man nun eine deutlich größere Gefahr für die Gesellschaft entdeckt zu haben:
Mickie Krause.
Genauer gesagt:
„10 nackte Friseusen“,
„Geh mal Bier holen“
und offenbar auch jede Form von Humor, die nach 22 Uhr und drei Maß Bier entsteht.
Die Stadt Erlangen will auf ihrer traditionsreichen Bergkirchweih künftig zwölf Songs nicht mehr hören. Der Grund:
Sie seien „sexistisch“ oder „frauenfeindlich“.
Damit beginnt vermutlich ein neues Kapitel deutscher Verwaltungsgeschichte:
die musikalische Gefahrenabwehr.
Der Feind trägt Sonnenbrille und singt „Layla“
Man muss sich das einmal vorstellen:
Seit Jahrhunderten überleben Volksfeste Kriege, Krisen, Inflation und schlechtes Bier.
Doch jetzt droht offenbar der endgültige gesellschaftliche Zusammenbruch durch Peter Wackel und Mirja Boes.
Irgendwo in Erlangen muss es also Menschen geben, die ernsthaft glauben:
„Wenn wir ‚Layla‘ verbieten, wird die Welt respektvoller.“
Das ist ungefähr so logisch, wie anzunehmen, dass weniger Helene-Fischer-Songs automatisch die Scheidungsrate senken.
Das Volksfest wird zur pädagogischen Maßnahme
Die Bergkirchweih war bisher ein Ort für:
Bier,
Bratwurst,
laute Musik,
schlechte Entscheidungen
und Menschen, die spätestens nach Mitternacht plötzlich ihren Ex-Partner zurückrufen.
Kurz gesagt:
ein Volksfest.
Doch nun scheint daraus eine Art betreute Wohlfühlzone mit musikalischer Sicherheitsprüfung zu werden.
Vielleicht gibt es demnächst am Eingang Hinweise wie:
„Achtung, dieser Bereich enthält möglicherweise Ironie.“
Oder:
„Bitte tanzen Sie nur genderneutral.“
Wie lange dauert es bis zur offiziellen Tanzgenehmigung?
Die entscheidende Frage lautet:
Wo endet dieser Wahnsinn eigentlich?
Heute sind es zwölf Songs.
Morgen vielleicht:
- keine Schlager mit Doppeldeutigkeit,
- keine Trinklieder,
- keine Flirtsprüche,
- keine „anstößigen“ Witze,
- keine spontane Fröhlichkeit.
Am Ende läuft auf dem Volksfest wahrscheinlich nur noch Meditationsmusik und ein Vortrag über diskriminierungsfreie Brezenkultur.
Erlangen als Vorbild? Hoffentlich nicht
Will Erlangen jetzt ernsthaft Vorbild werden?
Nach dem Motto:
„Wie gängele ich Volksfestbesucher möglichst effizient und vermiese ihnen den Abend?“
Denn eines vergessen die Verantwortlichen offenbar:
Die Menschen gehen auf Volksfeste, um dem Alltag zu entkommen.
Nicht um dort dieselbe moralpädagogische Dauerbelehrung zu erleben wie inzwischen überall sonst.
Niemand fährt auf die Bergkirchweih mit dem Gedanken:
„Hoffentlich kontrolliert heute jemand meine Playlist.“
Die eigentliche Gefahr für Volksfeste
Die größte Gefahr für Volksfeste sind längst nicht irgendwelche Ballermann-Songs.
Die größte Gefahr ist eine Haltung, die glaubt, Erwachsene müssten permanent bevormundet werden.
Eine Haltung, die Humor nicht mehr aushält.
Ironie nicht mehr versteht.
Und jedes zweite Lied behandelt, als wäre es eine staatsgefährdende Botschaft.
Dabei wissen die meisten Menschen sehr genau:
Ein Partyhit ist ein Partyhit.
Kein philosophisches Manifest.
Keine politische Ideologie.
Und auch keine Anleitung zum gesellschaftlichen Zusammenbruch.
Vom Feiern zur Erziehungsmaßnahme
Besonders bitter:
Gerade Volksfeste leben von Lockerheit, Übertreibung und manchmal auch geschmacklich grenzwertigem Humor.
Natürlich muss niemand jeden Song mögen.
Natürlich darf man Kritik äußern.
Aber wenn Behörden anfangen, Listen unerwünschter Lieder zu verschicken, bekommt das Ganze plötzlich einen unangenehmen Beigeschmack.
Denn dann geht es irgendwann nicht mehr um Respekt.
Sondern um Kontrolle.
Und genau davor haben inzwischen immer mehr Menschen genug.
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