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Schalke04:Schalkes neue Finanz-Wahrheit: Schulden bleiben – aber der Verkaufszwang schwindet

jorono (CC0), Pixabay
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Kein Millionen-Transfer von Sylla, ein Transferminus – und trotzdem glaubt Schalke an die DFL-Auflage

Das Transferfenster ist geschlossen. Moussa Sylla ist noch da. Schalke hat mehr Geld für neue Spieler ausgegeben als durch Verkäufe eingenommen.

Vor einigen Jahren hätte eine solche Kombination in Gelsenkirchen vermutlich sämtliche Alarmglocken gleichzeitig ausgelöst.

Diesmal lautet die bemerkenswerte Botschaft der Verantwortlichen jedoch:

Wir kriegen das trotzdem hin.

Und genau das ist die neue Finanz-Wahrheit beim FC Schalke 04.

Der Verein ist noch lange nicht gesund. Von finanzieller Sorgenfreiheit kann überhaupt keine Rede sein. Doch nach Jahren, in denen praktisch jeder Spieler mit Marktwert automatisch auch als möglicher Bilanzretter betrachtet werden musste, scheint sich etwas verändert zu haben.

Ein großer Verkauf wäre schön.

Aber er soll nicht mehr um jeden Preis notwendig sein.

Schalke gibt Geld aus – statt sein Tafelsilber zu verscherbeln

Sportlich hat sich Schalke nach dem Bundesliga-Aufstieg verstärkt.

Satoshi Tanaka kam aus Düsseldorf, Junior Adamu aus Freiburg, Robin Gosens wurde aus Florenz ausgeliehen, Maximilian Wöber verpflichtet, Junior Dina Ebimbe kam aus Frankfurt und kurz vor Transferschluss folgte Hee-chan Hwang per Leihe aus Wolverhampton. Kevin Müller, zuvor bereits ausgeliehen, wurde zudem fest übernommen.

Auf dem Papier ist das für einen Aufsteiger mit Schalkes Vorgeschichte ein durchaus ambitionierter Sommer.

Das Bemerkenswerte daran: Auf der anderen Seite fehlt der große Millionenverkauf.

Aktuelle Transferübersichten kommen – je nach Zählweise von Leih-Rückkehrern und Nachwuchsspielern – auf Ausgaben von rund 2,65 Millionen Euro und lediglich rund 200.000 Euro sichere Ablöseeinnahmen. Unterm Strich steht damit ein Transferminus von ungefähr 2,45 Millionen Euro.

Ausgerechnet Schalke.

Der Klub, bei dem man über Jahre fast schon reflexartig fragte:

„Wen müssen wir diesmal verkaufen?“

Moussa Sylla sollte eigentlich Geld bringen

Ein Kandidat dafür war Moussa Sylla.

Noch Ende August machte Vorstandschef Matthias Tillmann deutlich, dass Transfererlöse in der Finanzplanung durchaus vorgesehen waren.

Der Ansatz war nachvollziehbar: Schalke muss sein negatives Eigenkapital weiter im Griff behalten. Ein Verkauf Syllas für mehrere Millionen Euro hätte dabei erheblich geholfen.

Verschenken wollte Schalke den Stürmer allerdings nicht.

Tillmann erklärte sinngemäß: Bei einem Angebot von drei Millionen Euro würde der Klub ablehnen. Transfererlöse seien Plan A – es gebe jedoch ebenso einen Plan B, C und D.

Das ist ein bemerkenswerter Satz.

Denn er beschreibt ziemlich genau, was sich auf Schalke verändert hat.

Früher war ein lukrativer Spieler häufig vor allem eines:

eine dringend benötigte Einnahmequelle.

Heute versucht der Klub zumindest wieder, zwischen sportlichem und finanziellem Wert abzuwägen.

Aber wie schlecht stehen Schalkes Finanzen wirklich?

Wer jetzt glaubt, Königsblau schwimme plötzlich im Geld, sollte sich besser hinsetzen.

Die jüngsten vollständigen Zwischenzahlen stammen vom 31. Dezember 2025.

Damals beliefen sich die Verbindlichkeiten des Konzerns auf 151,4 Millionen Euro.

Die Nettofinanzverbindlichkeiten lagen bei 116,4 Millionen Euro.

Und der nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag – vereinfacht gesagt das gewaltige Loch in Schalkes Bilanz – betrug noch immer 96,6 Millionen Euro.

Das sind keine Zahlen, bei denen der Finanzvorstand morgens Champagner öffnet.

Aber:

Die Entwicklung ging zuletzt in die richtige Richtung.

Zum 30. Juni 2025 hatte der Fehlbetrag noch 99,1 Millionen Euro betragen. Zuvor waren es sogar 104 Millionen Euro gewesen. Im ersten Halbjahr 2025/26 erwirtschaftete Schalke einen Konzernüberschuss von 2,5 Millionen Euro.

Gleichzeitig stiegen wichtige operative Einnahmen.

Das Sponsoring legte im entsprechenden Halbjahr von 18,2 auf 20,4 Millionen Euro zu, das Merchandising von 9,4 auf 11,2 Millionen Euro.

Schalke lebt also nicht mehr ausschließlich davon, irgendwann den nächsten jungen Spieler möglichst teuer verkaufen zu können.

Warum trotzdem noch drei Punkte auf dem Spiel stehen

Ganz erledigt ist das Thema allerdings nicht.

Schalke erhielt die Lizenz für 2026/27 zwar ohne Bedingungen. Wegen des weiterhin negativen Nettoeigenkapitals greift jedoch weiterhin die Eigenkapitalregel der DFL.

Für den Bundesliga-Aufsteiger ist die entscheidende Marke in diesem Jahr vergleichsweise simpel:

Bis zum 31. Dezember 2026 darf sich die negative Eigenkapitalposition gegenüber Ende 2025 nicht verschlechtern.

Schafft Schalke das nicht, droht nach aktuellem Stand für die Saison 2027/28 ein Abzug von drei Punkten.

Und Stand Anfang September ist diese Aufgabe noch nicht endgültig erledigt.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen:

„Schalke braucht kein Geld mehr“

und

„Schalke muss Sylla nicht zwingend verkaufen.“

Ersteres wäre Unsinn.

Letzteres scheint inzwischen zu stimmen.

Warum Schalke glaubt, Sylla behalten zu können

Sportvorstand Frank Baumann zeigt sich jedenfalls überzeugt davon, dass Schalke die Auflage auch 2026 erfüllen kann.

Ein Verkauf Syllas sei dafür nicht notwendig. Nur bei einem außergewöhnlich guten Angebot würde der Klub noch einmal nachdenken. Baumann spricht von mehreren Alternativen und betont, Schalke werde dabei „nichts Verrücktes machen“.

Eine wichtige Rolle kann weiterhin die Fördergenossenschaft „Auf Schalke eG“ spielen.

Bereits Anfang 2026 wurden Stadionanteile im Wert von 7,5 Millionen Euro an die Genossenschaft verkauft. Nach Angaben des Vereins stärkte diese Transaktion unmittelbar die Eigenkapitalbasis.

Auch indirekte Transfererlöse, weitere operative Einnahmen und bilanzielle Maßnahmen können helfen.

Schalke hat also mehrere Stellschrauben.

Und genau deshalb muss nicht mehr zwangsläufig der wertvollste verfügbare Spieler geopfert werden.

Die eigentliche Nachricht ist größer als ein Sylla-Transfer

Natürlich bleibt Schalke finanziell ein Sanierungsfall.

96,6 Millionen Euro negatives Eigenkapital verschwinden nicht, nur weil Robin Gosens jetzt königsblau trägt und im Fanshop ein paar Trikots mehr verkauft werden.

Auch mehr als 100 Millionen Euro Nettofinanzverbindlichkeiten sind nichts, was man mit zwei ausverkauften Heimspielen erledigt.

Aber möglicherweise ist die entscheidende Entwicklung eine andere:

Schalke gewinnt wieder Handlungsspielraum.

Der Verein kann einen Spieler behalten, obwohl er Geld bringen könnte.

Er kann Verstärkungen holen.

Er kann ein zu niedriges Angebot ablehnen.

Und die Verantwortlichen glauben trotzdem, ihre finanziellen Vorgaben erfüllen zu können.

Nach den wilden Jahren des FC Schalke 04 klingt das fast schon revolutionär vernünftig.

Die neue Finanz-Wahrheit lautet deshalb nicht:

Schalke ist wieder reich.

Sie lautet:

Schalke ist weiterhin hoch verschuldet – aber offenbar nicht mehr bei jeder Transferentscheidung mit dem Rücken zur Wand.

Für diesen Verein ist selbst das schon ein ziemlich großer Fortschritt.

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