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Niederlande verlagern Goldreserven im Milliardenwert nach London – Notfallvorsorge wegen geopolitischer Spannungen

Stevebidmead (CC0), Pixabay
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Die niederländische Zentralbank DNB hat große Teile ihrer Goldreserven aus Nordamerika nach London verlagert. Insgesamt wurden 86 Tonnen Gold aus den USA und Kanada abgezogen. Als Grund nennt die Zentralbank die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die Notwendigkeit, sich besser auf mögliche Krisensituationen vorzubereiten.

Ein großer Teil des Goldes wird nun bei der Bank of England gelagert. Dort könne es im Ernstfall schneller und einfacher gehandelt werden, erklärte die DNB.

Zentralbankpräsident Olaf Sleijpen bezeichnete die Maßnahme als notwendig, um die Widerstandsfähigkeit und Krisenvorsorge der Niederlande zu stärken.

86 Tonnen Gold wurden verlagert

Die Umschichtung fand zwischen März und August statt und war nach Angaben der Zentralbank logistisch aufwendig.

27 Tonnen Goldbarren wurden physisch aus New York und Ottawa zunächst nach Zeist in den Niederlanden transportiert. Eine vergleichbare Menge und Qualität wurde anschließend nach London gebracht.

Die Barren mussten dafür nicht eingeschmolzen werden.

Wie genau der Transport über den Atlantik organisiert wurde, teilte die Zentralbank aus Sicherheitsgründen nicht mit.

Der übrige Teil der Umschichtung erfolgte nicht durch physischen Transport. Stattdessen wurde Gold in New York verkauft und anschließend in London wieder zurückgekauft.

Nach Angaben der DNB sollte diese Kombination aus Verkauf, Kauf und physischem Transport die Risiken einer derart umfangreichen Goldverlagerung möglichst breit verteilen.

London gilt im Krisenfall als besonders geeignet

Die niederländische Zentralbank begründet den stärkeren Fokus auf London vor allem mit der hohen Handelbarkeit des dort gelagerten Goldes.

Gold, das bei der Bank of England liegt, gilt nach Einschätzung der DNB als besonders leicht handelbar. Dadurch könne es in einer Krisensituation schneller mobilisiert werden als Reserven, die weiterhin in den USA oder Kanada liegen.

Genau diese Flexibilität scheint für die niederländische Zentralbank angesichts der aktuellen internationalen Lage zunehmend wichtiger zu werden.

Anteil der Goldreserven in New York sinkt deutlich

Vor der Umschichtung lagerte die DNB 31,3 Prozent ihrer Goldreserven in New York.

Dieser Anteil sank nun auf 18,5 Prozent.

Auch in Ottawa liegen nach der Verlagerung noch 18,5 Prozent der niederländischen Goldreserven. Zuvor waren es 19,7 Prozent gewesen.

Deutlich gestiegen ist dagegen der Anteil in London: von 18,1 auf 32,1 Prozent.

Weitere 30,8 Prozent der Goldreserven bleiben weiterhin in den Niederlanden.

Niederlande besitzen mehr als 600 Tonnen Gold

Ende 2025 verfügte die niederländische Zentralbank nach eigenen Angaben über insgesamt 612,4 Tonnen Gold.

Der Wert dieser Reserven wurde mit rund 72,2 Milliarden Euro angegeben.

Damit geht es bei der Verlagerung nicht um eine symbolische Menge, sondern um Gold im Wert von mehreren Milliarden Euro.

Zentralbank spricht von geopolitischer Unruhe

Welche konkreten politischen Entwicklungen den Ausschlag für die Entscheidung gegeben haben, erklärte die DNB nicht.

Die Zentralbank verwies lediglich auf zunehmende geopolitische Unruhe.

Die Entscheidung fällt allerdings in eine Phase erheblicher internationaler Spannungen. Zwischen den USA und Kanada bestehen Handelskonflikte, nachdem beide Seiten neue Zölle verhängt hatten.

Kanada ist besonders von amerikanischen Zöllen auf Stahl, Aluminium, Holz und Autos betroffen. Zusätzlich wurden im August weitere Abgaben auf kanadische Waren angekündigt.

Gleichzeitig sorgt der Krieg der USA mit Iran für zusätzliche Unsicherheit im Welthandel.

Die DNB stellte allerdings keinen direkten Zusammenhang zwischen einzelnen Konflikten und ihrer Goldentscheidung her.

Gold soll im Ernstfall schneller verfügbar sein

Die Verlagerung zeigt vor allem, wie Zentralbanken ihre Reserven zunehmend auch unter strategischen Gesichtspunkten organisieren.

Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gold ein Land besitzt.

Mindestens ebenso wichtig kann in einer Krise sein, wo dieses Gold liegt und wie schnell darauf zugegriffen oder damit gehandelt werden kann.

Genau deshalb hat die niederländische Zentralbank nun den Anteil ihrer Reserven in London deutlich erhöht.

Die Botschaft hinter der milliardenschweren Umschichtung ist damit ziemlich eindeutig:

Die Niederlande verkaufen ihr Gold nicht – sie bringen einen größeren Teil davon dorthin, wo es im Krisenfall möglichst schnell verfügbar ist.

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