Manchmal ist Erwachsenwerden ganz einfach.
Man packt seine Sachen, nimmt die TV-Rechte mit und sagt zu Hause:
„Danke für alles. Ab jetzt machen wir das selbst.“
Genau diesen Schritt geht nun die Frauen-Bundesliga. Die neue FBL soll sich organisatorisch und wirtschaftlich stärker vom DFB lösen, bekommt die Vermarktung ihrer TV-Rechte in die eigene Hand und kann künftig selbst mit Sendern über ihre Zukunft verhandeln.
Und ganz ehrlich:
Das ist richtig so.
Sogar überfällig.
Denn der Frauenfußball ist längst kein nettes Zusatzprogramm mehr, das man irgendwo zwischen Nachwuchsarbeit, Verbandstag und Pokalauslosung verwaltet.
Die Bundesliga hat eigene Stars, eigene Fans, eigene wirtschaftliche Interessen und vor allem ein eigenes Wachstumspotenzial.
Warum sollte sie also nicht auch selbst entscheiden, wie sie sich verkauft?
Endlich nicht mehr: „Der DFB wird das schon machen“
Der DFB ist ja durchaus ein faszinierendes Gebilde.
Wenn im deutschen Fußball irgendwo etwas verwaltet, reformiert, beschlossen, geprüft, neu geprüft und anschließend in einer Arbeitsgruppe noch einmal geprüft werden muss, ist der Verband meistens nicht weit.
Man kann dem DFB vieles vorwerfen.
Zu wenig Sitzungen sicher nicht.
Jetzt darf die Frauen-Bundesliga also stärker selbst bestimmen, wo es langgeht.
Und das kann nur helfen.
Denn wer seine eigenen TV-Rechte vermarktet, kann viel gezielter überlegen:
Welche Spiele wollen wir wann zeigen?
Welche Sender passen zu uns?
Wie schaffen wir bessere Sendeplätze?
Wie präsentieren wir unsere Stars?
Und wie verhindern wir vor allem, dass ein Topspiel irgendwann wieder irgendwo zwischen Biathlon-Wiederholung und „Sportschau kompakt“ verschwindet?
Die FBL muss sich selbst verkaufen dürfen
Giulia Gwinn, Lena Oberdorf und andere Nationalspielerinnen sind längst bekannte Gesichter des deutschen Sports.
Trotzdem wirkt die Vermarktung der Liga teilweise noch so, als hätte jemand irgendwann gesagt:
„Frauenfußball? Ja klar, machen wir auch irgendwo.“
Das reicht nicht mehr.
Wenn die Liga wachsen soll, braucht sie eine klare Marke.
Eigene Ideen.
Eigene Partner.
Und eben auch die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden, was ihre TV-Rechte wert sind.
Denn wer verkaufen will, sollte wenigstens selbst am Verkaufsgespräch teilnehmen dürfen.
Das klingt banal.
Im deutschen Fußball ist es offenbar schon eine Revolution.
Play-offs? Da kann man streiten
Dass künftig auch Meister-Play-offs Teil der TV-Pakete werden könnten, dürfte dagegen Diskussionen auslösen.
Da bin ich etwas skeptischer.
Eine Bundesliga braucht meiner Meinung nach nicht automatisch amerikanisierte Spannungselemente, nur weil irgendwo das Wort „Event“ auf einer PowerPoint-Folie gut aussieht.
Wenn nach einer kompletten Saison eine Mannschaft oben steht, hat sie sich normalerweise auch verdient, Meister zu sein.
Punkt.
Aber darüber kann man diskutieren.
Über die grundsätzliche Selbstständigkeit der Liga dagegen aus meiner Sicht kaum.
Abnabeln heißt auch Verantwortung übernehmen
Natürlich kommt mit der Freiheit auch die Verantwortung.
Wenn die FBL ihre Vermarktung selbst übernimmt, kann man künftig eben nicht mehr bei jeder schlechten Quote reflexartig Richtung DFB zeigen.
Dann muss die Liga selbst liefern.
Gute Spielpläne.
Gute Vermarktung.
Gute TV-Produkte.
Starke Social-Media-Präsenz.
Attraktive Stadien.
Und vor allem: verlässliche Anstoßzeiten.
Denn nichts macht aus interessierten Zuschauern schneller ehemalige Zuschauer als die Information:
„Das Spitzenspiel läuft am Dienstag um 14.17 Uhr exklusiv irgendwo, wo Sie leider kein Abo haben.“
Der Frauenfußball braucht keinen großen Bruder mehr
Das Entscheidende ist aber:
Der Schritt zeigt Selbstbewusstsein.
Die Frauen-Bundesliga sagt damit im Grunde:
Wir sind kein Anhängsel. Wir sind ein eigenes Produkt.
Und genau so muss sie auch behandelt werden.
Der DFB bleibt wichtig. Natürlich.
Für Nationalmannschaften, Nachwuchs, Regeln, Verbandsstrukturen und hundert andere Dinge.
Aber eine Profiliga muss irgendwann anfangen, professionell wie eine Profiliga zu denken.
Eigenständig.
Marktorientiert.
Und notfalls auch ein bisschen unbequem.
Deshalb kann man dem Frauenfußball zu diesem Schritt nur gratulieren.
Das Küken verlässt das Nest.
Jetzt muss es nur noch fliegen.
Und bitte nicht zuerst einen Ausschuss gründen, der untersucht, ob Fliegen grundsätzlich möglich ist.
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