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Schalke 04 bekommt ein neues Stadionsprecher-Duo – immerhin noch ohne KI

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay
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Als Schalke-Fan ist man ja einiges gewohnt. Trainer kommen, Trainer gehen, Spieler kommen, Spieler gehen, Ligen wechseln gelegentlich auch – und manchmal hat man den Eindruck, auf Schalke sei selbst das Wort „Konstanz“ nur für die Getränkepreise reserviert.

Nun verändert sich auch die Stimme der Arena: Kevin Gerwin und Laaser bilden künftig das neue Stadionsprecher-Duo des FC Schalke 04.

Und bevor jetzt jemand auf dumme Gedanken kommt: Ja, es sind tatsächlich noch zwei echte Menschen.

Ich empfinde das inzwischen fast schon als beruhigend.

Zwei Stimmen für einen Spieltag

Die Aufgaben sind klar verteilt. Laaser soll sich laut Klub um die persönlicheren Dinge kümmern: Gespräche mit Fans und Gästen, Aktionen und Geschichten rund um Schalke.

Kevin Gerwin bekommt dagegen gewissermaßen die großen Knöpfe am Mischpult.

Mannschaftsaufstellung. Tore. Zentrale Durchsagen. Die Momente also, in denen 60.000 Menschen plötzlich gleichzeitig aufstehen, schreien und irgendein Bierbecher vier Reihen weiter vorne landet.

Gerwin soll genau diese großen Spieltagsmomente prägen.

Als Schalke-Fan sage ich: Kann man machen.

Solange bei einem Tor für Schalke noch jemand aus Fleisch und Blut „TOOOOOOR FÜR DEN FC SCHALKE 04!“ brüllt, ist meine Fußballwelt zumindest halbwegs in Ordnung.

Genießen wir es, solange noch Menschen ins Mikrofon sprechen

Denn wir wissen doch alle, wohin die Reise irgendwann geht.

Heute zwei Stadionsprecher.

Morgen sitzt wahrscheinlich irgendwo im Keller der Arena ein Computer namens „SchalkeGPT 04“.

Und der übernimmt dann alles.

„Guten Abend, liebe Fans. Aufgrund historischer Daten und aktueller Laufwege beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Heimsieges 38,7 Prozent.“

Danke.

Genau diese Information brauche ich kurz vor dem Anpfiff.

Noch schöner wird es beim Angriff.

Karaman läuft Richtung Strafraum, spielt den Ball nach außen, die Flanke kommt noch nicht einmal herein – und plötzlich schreit die KI:

„TOOOOOOOOOOR FÜR SCHALKE!“

Alle jubeln.

Ball noch 25 Meter vom Tor entfernt.

Warum?

„Die erwartete Torwahrscheinlichkeit betrug nach Auswertung von 17.438 vergleichbaren Spielsituationen 91,4 Prozent.“

Zehn Sekunden später landet der Ball auf der Tribüne.

KI:

„Entschuldigung. Meine Prognose war unpräzise.“

Willkommen auf Schalke. Da bist du nicht die Erste.

Vielleicht weiß die KI sogar schon früher, wann Schalke verliert

Richtig gefährlich wird es, wenn die künstliche Intelligenz unsere Vereinsgeschichte komplett eingelesen hat.

Dann steht es in der 87. Minute 1:0 für Schalke.

Das Stadion singt.

Die Mannschaft verteidigt.

Und aus den Lautsprechern ertönt plötzlich:

„Ausgleich für den Gegner.“

Hä?

Noch ist doch gar nichts passiert.

KI:

„Ich kenne Schalke.“

Gut.

Dann hätte sie tatsächlich etwas verstanden.

Vielleicht schaltet sie in der 92. Minute vorsorglich auch schon die traurige Musik ein.

Oder sagt:

„Bitte verlassen Sie das Stadion noch nicht. Aufgrund der historischen Datenlage ist mit weiteren emotionalen Schäden zu rechnen.“

Feuertaufe ausgerechnet gegen Bayern

Aber erstmal bleibt uns dieses Zukunftsszenario erspart.

Gerwin und Laaser starten ganz klassisch – und natürlich bekommt Schalke für die Premiere nicht irgendeinen gemütlichen Gegner serviert.

Nein.

Am Samstag kommt der FC Bayern München zum Spitzenspiel.

18.30 Uhr.

Volles Haus.

Neues Stadionsprecher-Duo.

Was könnte da schon schiefgehen?

Für Kevin Gerwin gibt es jedenfalls gleich eine sehr einfache Möglichkeit, sich bei den Schalke-Fans beliebt zu machen.

Er muss nur möglichst häufig diesen Satz sagen:

„Tor für den FC Schalke 04!“

Drei- oder viermal wäre für den Anfang völlig ausreichend.

Wir wollen den neuen Mann schließlich nicht gleich überfordern.

Ein bisschen Persönlichkeit darf bleiben

Die Idee mit zwei unterschiedlichen Rollen finde ich als Fan durchaus interessant.

Schalke lebt schließlich nicht nur von den 90 Minuten Fußball. Schalke lebt von Menschen, Geschichten, Emotionen und dieser besonderen Atmosphäre, die man schwer in irgendwelche Marketingbegriffe packen kann.

Genau deshalb sollte ein Stadionsprecher auch Persönlichkeit haben.

Eine Stimme darf mal brechen.

Ein Satz darf mal nicht perfekt sitzen.

Und beim entscheidenden Tor darf der Mann am Mikrofon ruhig klingen, als hätte er gerade selbst einen Sprint über 80 Meter hingelegt.

Das gehört dazu.

Fußball muss nicht perfekt sein.

Schon gar nicht auf Schalke.

Wir haben schließlich jahrzehntelang bewiesen, dass man auch ohne Perfektion ziemlich viel erleben kann.

Also: Willkommen am Mikrofon

Deshalb wünsche ich dem neuen Duo einen guten Start.

Lasst die Arena beben, gebt den Fans eine Stimme und habt vor allem eines:

Spaß dabei.

Denn eines Tages steht vielleicht wirklich kein Mensch mehr hinter dem Mikrofon.

Dann begrüßt uns eine freundliche Computerstimme:

„Herzlich willkommen in der Arena. Ihre heutige emotionale Achterbahnfahrt beginnt in drei Minuten.“

Und in der 89. Minute sagt sie:

„Achtung. Aufgrund aktueller Wahrscheinlichkeitsberechnungen wird Schalke gleich ein Tor erzielen.“

Dann würde ich als Schalke-Fan wahrscheinlich nur antworten:

„Junge, halt die Klappe. Wir wissen doch selbst noch nicht, was hier gleich passiert.“

Und genau deshalb lieben wir diesen Verein.

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