Die Hoffnungen auf bald sinkende Zinsen in den USA könnten sich schneller zerschlagen als erwartet. Nach Einschätzung des US-Vermögensverwalters PIMCO könnte die amerikanische Notenbank Fed infolge des Iran-Kriegs sogar gezwungen sein, die Zinsen erneut anzuheben.
Das erklärte der Investmentchef des weltweit größten Anleiheinvestors, Dan Ivascyn, laut einem Bericht der „Financial Times“. Der drastische Anstieg der Energiepreise habe die Lage grundlegend verändert und den Inflationsdruck erneut verschärft.
Besonders brisant: Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in Washington über einen Führungswechsel an der Spitze der US-Notenbank diskutiert wird. US-Präsident Donald Trump drängt seit Monaten auf schnelle Zinssenkungen und setzt dabei auf seinen Favoriten Kevin Warsh als möglichen Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell.
Doch laut PIMCO könnte genau das zum Problem werden.
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind Öl- und Gaspreise weltweit massiv gestiegen. Die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus und mögliche Lieferengpässe sorgt an den Märkten für Nervosität.
Für die Notenbanken bedeutet das vor allem eines:
Die Inflation könnte wieder deutlich anziehen.
Die Fed kämpft bereits seit Jahren damit, die Teuerungsrate nachhaltig in Richtung ihres Zielwerts von zwei Prozent zu drücken. Neue Energiepreisschocks könnten diesen Kampf nun weiter erschweren.
Ivascyn warnte deshalb ausdrücklich vor vorschnellen Zinssenkungen. Eine Lockerung der Geldpolitik wäre angesichts der aktuellen Inflationsdynamik „kontraproduktiv“, sagte er der „Financial Times“.
Zwar rechne PIMCO zunächst mit vorsichtigen Reaktionen der Zentralbanken. Doch der Spielraum werde kleiner.
„Wenn notwendig“, könnten sogar erneute Zinserhöhungen erforderlich werden, so Ivascyn.
Besonders groß sei der Druck derzeit auf die Europäische Zentralbank und andere Notenbanken außerhalb der USA. Doch auch für die Fed schloss er eine weitere Zinserhöhung ausdrücklich nicht aus.
Eine vorschnelle Zinssenkung könne laut PIMCO langfristig sogar zu noch höheren Zinsen führen, weil dadurch die Inflation erneut angeheizt würde.
Damit stehen die Zentralbanken zunehmend vor einem Dilemma:
Einerseits belasten hohe Zinsen die Wirtschaft und bremsen Investitionen. Andererseits könnten neue Energiepreisschocks die Inflation wieder dauerhaft nach oben treiben.
Gerade die Fed gerät damit politisch zusätzlich unter Druck. Donald Trump fordert seit Monaten niedrigere Zinsen, um Wirtschaft und Aktienmärkte zu stützen.
Doch die Realität an den Energiemärkten könnte diesen Plänen nun einen Strich durch die Rechnung machen.
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