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Analyse der Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH: Starke Gewinne, späte Transparenz und offene Fragen

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Auf den ersten Blick präsentiert sich die Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH als wirtschaftlich äußerst erfolgreiches Unternehmen. Ein Jahresüberschuss von rund 3,7 Millionen Euro, eine Eigenkapitalquote von über 50 Prozent und liquide Mittel von mehr als 5,3 Millionen Euro zeichnen das Bild eines profitablen und finanziell stabilen Geschäftsmodells. Doch ein genauer Blick in den veröffentlichten Jahresabschluss 2021 offenbart mehrere Punkte, die kritische Fragen aufwerfen.

Der erste Blick: Wirtschaftlich erfolgreich

Die Gesellschaft erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 ein Rohergebnis von mehr als 19 Millionen Euro. Nach Abzug aller Kosten verblieb ein Jahresgewinn von 3,72 Millionen Euro. Die Bilanzsumme lag bei 9,34 Millionen Euro, das Eigenkapital bei rund 5 Millionen Euro. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind dies beeindruckende Zahlen.

Gerade für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf Seminaren, Gesundheitsprodukten, Online-Angeboten und Ausbildungen basiert, ist eine derartige Ertragskraft bemerkenswert.

Die eigentliche Geschichte beginnt bei der Veröffentlichung

Wesentlich interessanter als die Gewinnzahlen ist allerdings die Frage, wann diese Zahlen überhaupt veröffentlicht wurden.

Der Jahresabschluss betrifft das Geschäftsjahr 2021. Festgestellt wurde er jedoch erst am 8. August 2025. Damit liegen zwischen dem Bilanzstichtag und der Veröffentlichung rund dreieinhalb Jahre.

Genau hier beginnt die eigentliche Problematik.

Kapitalgesellschaften unterliegen in Deutschland klaren gesetzlichen Offenlegungspflichten. Sinn dieser Vorschriften ist es, Geschäftspartnern, Kunden, Lieferanten und Gläubigern zeitnah Informationen über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens zur Verfügung zu stellen.

Wer einen Jahresabschluss aus dem Jahr 2021 erst im Jahr 2025 veröffentlicht, erfüllt zwar möglicherweise irgendwann seine Offenlegungspflicht, verfehlt aber den eigentlichen Zweck der gesetzlichen Transparenzvorgaben nahezu vollständig.

Ein Fall für das Bundesamt für Justiz?

Für die Kontrolle dieser Offenlegungspflichten ist in Deutschland das Bundesamt für Justiz zuständig.

Dort werden regelmäßig Ordnungsgeldverfahren gegen Unternehmen eingeleitet, die ihre Abschlüsse nicht fristgerecht einreichen oder veröffentlichen.

Aus investigativer Sicht stellt sich deshalb die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die Gesellschaft wegen der erheblichen Fristüberschreitungen bereits Gegenstand entsprechender Verfahren war oder noch ist.

Der veröffentlichte Jahresabschluss enthält hierzu keine Angaben. Fest steht jedoch, dass eine Veröffentlichung mit mehreren Jahren Verspätung nicht dem entspricht, was der Gesetzgeber unter einer zeitnahen Unternehmenspublizität versteht.

Der bemerkenswerte Hinweis auf jahrelange Korrekturen

Noch interessanter wird die Angelegenheit beim Lesen des Anhangs.

Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass umfangreiche Korrekturmaßnahmen bei der Erfassung und Verarbeitung von Geschäftsvorfällen erforderlich gewesen seien. Die Arbeiten sollen sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstreckt haben und standen offenbar im Zusammenhang mit der Einführung beziehungsweise Umstellung von DATEV-Systemen.

Eine solche Formulierung findet man in Jahresabschlüssen nicht alle Tage.

Natürlich können Systemumstellungen Probleme verursachen. Allerdings stellt sich die Frage, wie gravierend die festgestellten Fehler gewesen sein müssen, wenn ihre Bereinigung einen Zeitraum von zwei Jahren beanspruchte.

Für kritische Beobachter ergeben sich daraus zwangsläufig weitere Fragen:

  • Waren frühere betriebswirtschaftliche Auswertungen belastbar?
  • Gab es Fehler in der laufenden Buchhaltung?
  • Wurden Geschäftsvorfälle möglicherweise zunächst unvollständig oder fehlerhaft erfasst?
  • Welche Auswirkungen hatten die Korrekturen auf die zuvor ausgewiesenen Unternehmenszahlen?

Der Jahresabschluss liefert darauf keine näheren Antworten.

Veränderungen bei den Eigentumsverhältnissen

Ebenfalls auffällig sind die beschriebenen gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen.

Dem Anhang zufolge wurde die RB8889 GmbH gegründet, in die die Beteiligung eines Gesellschafters eingebracht wurde. Gleichzeitig wird erläutert, dass die Stimmenmehrheit durch die Stimmrechtslosstellung von Anteilen anderer Gesellschafter erreicht wurde.

Rechtlich mag dies zulässig sein. Dennoch werfen solche Konstruktionen regelmäßig Fragen zur Stellung von Minderheitsgesellschaftern und zur Corporate Governance eines Unternehmens auf.

Transparenz ist mehr als Gewinn

Die Bilanz zeigt zweifellos ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen. Doch erfolgreiche Unternehmen werden nicht allein an ihren Gewinnen gemessen.

Mindestens ebenso wichtig sind Transparenz, die Einhaltung gesetzlicher Publizitätspflichten und eine nachvollziehbare Unternehmensführung.

Genau an diesen Punkten entstehen beim Lesen des Abschlusses Fragen. Die jahrelange Verzögerung bei der Veröffentlichung, die Hinweise auf umfangreiche nachträgliche Korrekturen sowie die gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen verdienen eine deutlich intensivere Betrachtung als die reinen Gewinnzahlen.

Fazit

Die Liebscher & Bracht Schmerzfrei GmbH präsentiert sich 2021 als profitables Unternehmen mit solider Eigenkapitalausstattung und hoher Liquidität. Gleichzeitig wirft der Jahresabschluss Fragen auf, die über die reine Bilanzanalyse hinausgehen.

Besonders die erst 2025 erfolgte Veröffentlichung eines Abschlusses aus dem Jahr 2021 steht im Widerspruch zum Grundgedanken der gesetzlichen Offenlegungspflichten. Hinzu kommen die selbst eingeräumten mehrjährigen Korrekturarbeiten in der Buchhaltung sowie gesellschaftsrechtliche Veränderungen, die einer näheren Erklärung bedürfen.

Für Anleger, Geschäftspartner und Verbraucher sind daher nicht die Gewinnzahlen der spannendste Teil dieses Jahresabschlusses, sondern die Frage, warum ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen mehrere Jahre benötigte, um einen gesetzlich vorgeschriebenen Jahresabschluss vorzulegen. Genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Geschichte hinter den Zahlen.

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