Marie-Louise Eta hat mit Union Berlin ihren ersten Bundesligasieg gefeiert. Sofort war wieder vom „historischen Moment“ die Rede, von der „ersten Frau“, die als Cheftrainerin ein Bundesliga-Spiel gewinnt. Natürlich ist das statistisch korrekt. Aber vielleicht sollte man langsam einmal eine andere Frage stellen:
Warum überrascht das überhaupt noch jemanden?
Dass Eta eine gute Trainerin ist, wissen die Menschen bei Union Berlin schließlich nicht erst seit Sonntagabend. Wer mit Spielern arbeitet, Trainings leitet, Taktiken entwickelt und eine Mannschaft erreicht, wird im Profifußball nicht plötzlich wegen seines Geschlechts kompetent oder inkompetent.
Offenbar brauchte aber ein Teil der Öffentlichkeit noch immer diesen symbolischen Moment, um zu akzeptieren, dass Frauen selbstverständlich auch erfolgreiche Bundesligatrainerinnen sein können. Dabei dürfte selbst ihr Vorgänger Bo Svensson in Mainz oder Ex-Union-Coach Urs Fischer längst gewusst haben, dass Eta fachlich absolut auf diesem Niveau arbeiten kann.
Der Fußball macht aus solchen Dingen dennoch gerne gesellschaftspolitische Großereignisse. Dabei wäre der eigentliche Fortschritt erreicht, wenn man irgendwann einfach nur noch sagen würde:
Union hat gewonnen. Die Trainerin hat gute Arbeit geleistet. Punkt.
Denn genau das ist Professionalität.
Interessant ist ja vielmehr, wie selbstverständlich schlechte männliche Trainer akzeptiert werden. Kaum jemand stellt grundsätzlich infrage, ob Männer Bundesliga-Teams coachen dürfen, obwohl jede Saison genügend Beispiele für katastrophale Trainerleistungen geliefert werden.
Bei Frauen dagegen wird oft noch immer so getan, als müsse jeder Erfolg gleich ein Beweis für eine gesellschaftliche Zeitenwende sein.
Vielleicht wäre die eigentliche Gleichberechtigung erreicht, wenn eine Trainerin nach einem Sieg nicht mehr zur historischen Ausnahme erklärt wird, sondern schlicht als das gesehen wird, was sie offenbar ist:
Eine gute Bundesliga-Trainerin.
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