Die einzige Spur war sein Auto, das im Dorf Castello di Pontechianale im Valle Varaita gefunden wurde. Rettungskräfte vermuteten daraufhin, dass Ivaldo entweder den 3841 Meter hohen Monviso oder den benachbarten Visolotto besteigen wollte. Auch das letzte Handysignal deutete auf dieses Gebiet hin. Doch die Suche gestaltete sich extrem schwierig. Das Gebiet umfasst riesige Felswände, zahlreiche Routen und hunderte Kilometer Wanderwege. Mehr als 50 Rettungskräfte suchten tagelang zu Fuß nach dem Vermissten, zusätzlich kreiste mehrfach ein Hubschrauber über den Bergen. Als Ende September Schnee einsetzte, mussten die Einsatzkräfte die Suche schließlich abbrechen. Die Hoffnung, Ivaldo noch lebend zu finden, war zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden.
Im Juli 2025 wurde die Suche erneut aufgenommen – diesmal mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz.
Die Bergrettung im italienischen Piemont setzte Drohnen ein, die tausende hochauflösende Bilder der Berghänge und Schluchten aufnahmen. Innerhalb von nur fünf Stunden wurden mehr als 2600 Fotos erstellt. Anschließend analysierte eine spezielle KI-Software das Material pixelgenau und suchte nach Auffälligkeiten in Farbe und Struktur.
Früher hätten Einsatzkräfte jedes einzelne Bild manuell auswerten müssen. Mit KI konnte die Analyse dagegen innerhalb weniger Stunden abgeschlossen werden.
Die Software markierte zahlreiche mögliche Auffälligkeiten. Darunter befand sich auch ein kleiner roter Punkt in einer schattigen Felsspalte.
Am nächsten Morgen überprüften die Drohnen die markierten Stellen genauer. Der rote Punkt stellte sich als der Helm von Nicola Ivaldo heraus. Kurz darauf fanden die Rettungskräfte seinen Leichnam in einer steilen Rinne an der Nordwand des Monviso auf rund 3150 Metern Höhe. Der Körper war teilweise noch von Schnee bedeckt.
Laut den Rettern hätte man den Vermissten ohne die KI möglicherweise niemals gefunden.
Die Technologie erkennt Farb- oder Strukturabweichungen in der Landschaft und kann dadurch Hinweise liefern, die dem menschlichen Auge leicht entgehen. Dennoch betonen die Einsatzkräfte, dass menschliche Erfahrung weiterhin entscheidend bleibt. Denn die KI könne auch Fehlinterpretationen liefern – etwa durch Müll, ungewöhnlich gefärbte Steine oder sogenannte „Halluzinationen“ der Software.
Der Fall gilt inzwischen als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie künstliche Intelligenz künftig Such- und Rettungseinsätze unterstützen könnte – besonders in schwer zugänglichem Gelände, wo jede Stunde zählt.
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