Ganz ehrlich:
Vor ein paar Jahren war FC Arsenal für viele Fußballfans ungefähr das, was man heute „Premium-Entertainment für gegnerische Fans“ nennt.
Jedes Jahr große Erwartungen.
Jedes Jahr schönes Gerede.
Und am Ende meistens Platz vier, fünf oder irgendein dramatischer Zusammenbruch im Frühling.
Die Stimmung rund um den Klub war irgendwann so kaputt, dass viele Fans nicht einmal mehr richtig wütend waren.
Sie waren einfach nur noch müde.
Der Tiefpunkt?
Wahrscheinlich Dezember 2019.
Damals zerlegte Manchester City Arsenal im Emirates Stadium praktisch im Vorbeigehen. Nach dem 0:3 zur Halbzeit flüchteten die Fans schneller aus dem Stadion als Menschen aus einem brennenden Einkaufszentrum.
Und mitten auf der anderen Bank saß ein ehemaliger Arsenal-Kapitän:
Mikel Arteta.
Wenige Tage später wurde genau dieser Arteta plötzlich Trainer eines Klubs, der emotional komplett am Boden lag.
Und viele dachten damals:
„Der? Ernsthaft?“
Keine Erfahrung als Cheftrainer.
Jung.
Zu ruhig.
Zu unerfahren.
Aber Arteta hatte offenbar etwas, das Arsenal jahrelang gefehlt hatte:
einen Plan.
Und vor allem:
Konsequenz.
Große Namen?
Egal.
Fanlieblinge?
Egal.
Wer nicht mitziehen wollte, flog raus.
Spieler wie Mesut Özil oder Pierre-Emerick Aubameyang verschwanden irgendwann aus dem Projekt.
Arteta wollte keine Diven.
Er wollte eine Mannschaft.
Und plötzlich änderte sich langsam alles.
Die Fans kamen zurück.
Die Stimmung wurde wieder laut.
„North London Forever“ schallte durchs Stadion.
Und Arsenal hörte endlich auf, wie ein reicher Fußballclub mit Dauerkrise zu wirken.
Dafür entstand etwas Neues:
eine hungrige junge Truppe.
Bukayo Saka wirbelte Gegner schwindelig.
Martin Ødegaard dirigierte das Mittelfeld wie ein Schachmeister auf Espresso.
Hinten räumten Gabriel Magalhães und William Saliba alles ab.
Und trotzdem:
Erst kam der Schmerz.
Arsenal wurde Zweiter.
Dann wieder Zweiter.
Dann NOCH MAL Zweiter.
Die Rivalen lachten schon.
„Bottlers!“
„Mentalitätsproblem!“
„Die brechen doch eh wieder ein!“
Und ehrlich?
Teilweise sah es tatsächlich so aus.
Aber genau diese Rückschläge machten die Mannschaft offenbar stärker.
Denn diesmal passierte etwas, das Arsenal-Fans jahrzehntelang vermisst hatten:
Die Mannschaft brach NICHT zusammen.
Selbst nach Rückschlägen blieb das Team stabil.
Keine Panik.
Kein Drama.
Keine komplette Selbstzerstörung wie früher.
Und dann kam endlich dieser Moment:
22 Jahre nach den legendären „Invincibles“ holte Arsenal tatsächlich wieder die Meisterschaft.
Nordlondon explodierte.
Menschen kletterten auf Laternen.
Bierregale wurden leergeräumt.
Feuerwerk mitten in der Woche.
Babys wurden durch die Luft gehalten wie kleine Premier-League-Pokale.
Und irgendwo saßen wahrscheinlich tausende Arsenal-Fans mit glasigen Augen da und dachten:
„Das passiert gerade nicht wirklich.“
Das Verrückteste daran:
Arsenal ist offenbar noch lange nicht fertig.
Denn jetzt wartet sogar noch das Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain.
Und plötzlich wirkt etwas möglich, das vor ein paar Jahren komplett absurd geklungen hätte:
Dass Arsenal wieder zu Europas absoluter Elite gehört.
Die größte Leistung von Arteta ist dabei vielleicht gar nicht die Meisterschaft selbst.
Sondern dass er aus einem Klub voller Frust, Ausreden und Enttäuschungen wieder einen Verein gemacht hat, an den die eigenen Fans wirklich glauben.
Und genau deshalb feiern sie ihn in Nordlondon inzwischen fast wie einen Messias mit Taktiktafel.
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