Also mal ehrlich:
Wer hätte das vor einem Jahr gedacht?
Da wurde bei RB Leipzig über den neuen Trainer gemotzt, bevor der überhaupt den ersten Trainingsanzug ausgepackt hatte.
„Zu unerfahren!“
„Noch nie einen großen Klub trainiert!“
„Der entwickelt doch keine Talente!“
„Das wird nix mit Champions League!“
Tja.
Und jetzt?
Jetzt fährt der gute Ole Werner mal eben mit dem besten Punkteschnitt aller RB-Bundesligatrainer Richtung Königsklasse.
Nicht schlecht für jemanden, den viele schon vor Saisonstart beerdigen wollten.
Vor allem eins war diese Saison anders:
Weniger Drama.
Weniger Diva.
Weniger beleidigtes Rumgeschlurfe.
Ganz ehrlich:
Es tat der Mannschaft brutal gut, dass nicht ständig einer mit schlechter Körpersprache über den Platz spaziert ist wie ein Influencer ohne WLAN.
Natürlich fehlte manchmal die ganz große Zaubershow von Xavi Simons oder die pure Abrissbirne namens Lois Openda.
Aber dafür hatte man plötzlich wieder etwas, das im modernen Fußball fast exotisch wirkt:
Eine Mannschaft.
Ja wirklich.
Elf Typen, die füreinander rennen.
Die kämpfen.
Die ackern.
Die sich gegenseitig nicht nach jedem Fehlpass anschauen, als hätte jemand den Familienhund beleidigt.
Und plötzlich konnte RB sogar Zweikämpfe.
Wer hätte gedacht, dass die „Dosenkicker“ am Ende die Bundesliga-Zweikampfstatistik anführen?
Da dürften einige Stammtisch-Experten kurz ihr Bier verschüttet haben.
Klar, perfekt war die Saison nicht.
Vor dem Tor hatte RB teilweise die Effizienz eines Menschen, der mit verbundenen Augen Dart spielt.
534 Torschüsse.
66 Tore.
18-mal Aluminium.
Da war mehr Metall im Spiel als auf einem Rammstein-Konzert.
Und die Topspiele?
Ach ja…
Da war RB manchmal wie ein Schüler kurz vor den Sommerferien:
70 Minuten konzentriert, dann plötzlich kompletter Blackout.
Aber genau deshalb macht die neue Champions-League-Saison ja so Spaß.
Denn jetzt wird’s ernst.
Dreifachbelastung.
Reisestress.
Dienstag Madrid.
Samstag Augsburg.
Mittwoch Manchester.
Sonntag Hoffenheim bei Regen.
Willkommen im echten Champions-League-Leben.
Und trotzdem:
Irgendwie freut man sich brutal drauf.
Weil diese Mannschaft plötzlich wieder etwas ausstrahlt.
Weil man das Gefühl hat:
Da wächst wirklich was zusammen.
Und ganz ehrlich:
Lieber eine hungrige RB-Truppe mit Teamgeist als elf beleidigte Superstars, die nach jeder Auswechslung aussehen, als hätten sie gerade ihre Yacht verloren.
Jetzt muss RB beweisen, dass man nicht nur Bundesliga-Champions-League-Kandidat ist –
sondern wirklich ein internationaler Klub.
Aber die Vorzeichen stimmen.
Und vielleicht wird genau das die Saison, in der Europa merkt:
RB Leipzig ist nicht nur da, um mitzuspielen.
Sondern um richtig unbequem zu werden.
Also schnallt euch an.
Die Königsklasse wartet.
Und diesmal reist RB nicht als Touristen-Gruppe an.
Kommentar hinterlassen