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Interview mit Anlegerschützer Thomas Bremer

geralt (CC0), Pixabay
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„Bei solchen Aktien-Pushs verdient oft am Ende nur derjenige Millionen, dem die Aktien bereits gehören“

Immer wieder tauchen im Internet angebliche „Geheimtipps“ für kleine Aktien auf. Mit riesigen Kurszielen, dramatischen Zukunftsversprechen und Formulierungen wie „Jetzt einsteigen, bevor der Markt explodiert“ sollen Anleger angelockt werden. Aktuell wird dabei massiv für die Aktie von Highland Critical Minerals geworben. Wir sprachen darüber mit dem bekannten Anlegerschützer Thomas Bremer.

Herr Bremer, was fällt Ihnen bei solchen Börsenempfehlungen als Erstes auf?

Die Sprache. Genau daran erkennt man häufig bereits, dass es weniger um seriöse Analyse als um aggressives Aktien-Marketing geht. Begriffe wie „strategischer Jackpot“, „Goldene Chance“, „raketenartige Gewinne“ oder „starker Kauf“ sollen Emotionen erzeugen und Anleger unter Druck setzen.

Besonders stark wird hier mit dem Thema Quantencomputing geworben. Warum ist das problematisch?

Weil man aktuell extrem populäre Zukunftsthemen nutzt, um Fantasie in sehr kleine und oft hochspekulative Aktien zu bringen. KI, Quantencomputer, Seltene Erden – das sind momentan absolute Hype-Begriffe. Viele Anleger verbinden damit automatisch riesige Zukunftschancen und hinterfragen die tatsächlichen Unternehmensdaten dann oft viel zu wenig.

Hier wird sogar ein Kursziel von 1,50 Euro genannt, obwohl die Aktie nur rund 20 Cent kostet. Ist das seriös?

Solche Kursziele sollte man extrem kritisch betrachten. Gerade bei sogenannten Pennystocks reichen oft schon kleine Handelsvolumina aus, um starke Kursbewegungen auszulösen. Genau deshalb eignen sich solche Werte leider auch hervorragend für Push-Kampagnen.

Was meinen Sie mit Push-Kampagnen?

Das Prinzip ist oft simpel:
Eine Aktie wird massiv beworben, mit großen Zukunftsvisionen emotional aufgeladen und in sozialen Medien oder Börsenportalen aggressiv gepusht. Steigen dadurch genug Anleger ein, steigt der Kurs kurzfristig häufig tatsächlich an.

Das Problem:
Sehr oft profitieren am Ende vor allem diejenigen, die die Aktien bereits vorher billig gekauft haben.

Sie sprechen also von klassischen Pump-and-Dump-Risiken?

Genau. Natürlich muss man immer vorsichtig sein mit pauschalen Vorwürfen. Aber Anleger müssen verstehen:
Gerade bei Pennystocks besteht ein erhebliches Risiko, dass Kurse künstlich durch Werbung, Börsenbriefe oder aggressive Empfehlungen angeschoben werden.

Und wenn genug Kleinanleger eingestiegen sind, verkaufen frühe Investoren oder Altaktionäre ihre Aktien häufig mit enormem Gewinn wieder in den Markt.

Die späteren Käufer bleiben dann oft auf massiven Verlusten sitzen.

Welche Warnsignale sehen Sie konkret bei solchen Veröffentlichungen?

Mehrere.

Erstens:
Die extrem emotionale Sprache.

Zweitens:
Sehr hohe Kursziele ohne belastbare Fundamentaldaten.

Drittens:
Das ständige Erzeugen von Zeitdruck:
„Jetzt handeln!“
„Dieses Zeitfenster schließt sich!“
„Der Markt hat es noch nicht erkannt!“

Das sind klassische psychologische Verkaufsmechanismen.

Viele Anleger denken aber: „Wenn sogar bekannte Zukunftsthemen genannt werden, muss doch etwas dran sein.“

Das ist genau die Gefahr. Zukunftstechnologien sind oft real – aber das bedeutet nicht automatisch, dass jedes kleine Unternehmen in diesem Bereich erfolgreich wird.

Zwischen einer spannenden Story und einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen liegen oft Welten.

Die Werbung spricht sogar davon, Highland könne das „IBM + Google der kritischen Materialien“ werden.

Das zeigt bereits die extreme Überhöhung. Solche Vergleiche sollen Fantasie erzeugen, haben aber mit seriöser Unternehmensbewertung oft wenig zu tun. Gerade unerfahrene Anleger lassen sich davon emotional mitreißen.

Was raten Sie Anlegern grundsätzlich bei Pennystocks?

Extreme Vorsicht.

Viele dieser Aktien sind hochspekulativ, markteng und anfällig für massive Kursschwankungen. Anleger sollten sich immer fragen:

  • Wer verdient an dieser Empfehlung?
  • Gibt es unabhängige Analysen?
  • Wie solide sind Umsatz, Gewinne und Geschäftsmodell?
  • Und warum wird die Aktie so aggressiv beworben?

Ihr Fazit?

Nicht jede kleine Aktie ist automatisch unseriös. Aber bei aggressiv beworbenen Pennystocks sollten Anleger besonders vorsichtig sein. Oft verdienen am Ende vor allem diejenigen Millionen, denen die Aktien bereits gehören und die den Kurs durch Werbung nach oben treiben lassen.

Für Kleinanleger endet der Traum vom schnellen Reichtum dagegen leider oft mit hohen Verlusten.

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