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Interview mit Rechtsanwalt Maurice Högel

Pexels (CC0), Pixabay
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„Die Börsen wirken euphorisch – aber genau das kann gefährlich werden“

Trotz geopolitischer Krisen, steigender Zinsen und wachsender Unsicherheit an den Anleihemärkten eilen die Aktienmärkte weiter von Rekord zu Rekord. Viele Anleger fragen sich inzwischen: Ist das noch gesund oder längst gefährlich? Darüber spricht Rechtsanwalt Maurice Högel von der Kanzlei BEMK.

Herr Högel, viele Anleger erleben derzeit starke Börsen. Gleichzeitig häufen sich Warnungen vor Risiken. Wie passt das zusammen?

Genau das ist aktuell eines der größten Probleme. Viele Märkte verhalten sich beinahe euphorisch, obwohl gleichzeitig massive Unsicherheiten bestehen. Steigende Ölpreise, geopolitische Konflikte, hohe Bewertungen bei KI-Aktien und Warnsignale vom Bondmarkt werden von vielen Anlegern derzeit erstaunlich locker ausgeblendet. Genau diese Mischung kann gefährlich werden.

Besonders das Thema Künstliche Intelligenz treibt die Börsen massiv an. Droht hier eine neue Blase?

Zumindest besteht die Gefahr einer Übertreibung. Viele KI-Unternehmen erzielen aktuell enorme Bewertungen, obwohl langfristig noch gar nicht sicher ist, welche Geschäftsmodelle sich wirklich dauerhaft durchsetzen. Historisch gab es ähnliche Entwicklungen bereits während der Dotcom-Blase. Damals glaubten ebenfalls viele Anleger, eine völlig neue Wirtschaftsordnung beginne. Einige Unternehmen wurden später gigantisch erfolgreich – viele andere verschwanden vollständig.

Also Vorsicht bei KI-Aktien?

Definitiv. Anleger sollten nicht blind jedem Hype hinterherlaufen. Gerade wenn Medien und soziale Netzwerke nahezu täglich über angeblich „unaufhaltsame“ Kursgewinne berichten, steigt das Risiko emotionaler Fehlentscheidungen enorm.

In mehreren Analysen wird zudem vor den Bondmärkten gewarnt. Warum ist das wichtig?

Weil Anleihemärkte oft deutlich früher auf wirtschaftliche Risiken reagieren als Aktienmärkte. Wenn langfristige Zinsen steigen und gleichzeitig Unsicherheit zunimmt, signalisiert das häufig wachsende Nervosität institutioneller Investoren. Genau darauf weisen aktuell mehrere Marktbeobachter hin.

Viele Anleger glauben trotzdem: „Die Börsen steigen immer weiter.“ Ist das gefährlich?

Sehr sogar. Gerade längere Aufwärtsphasen erzeugen häufig eine trügerische Sicherheit. Anleger vergessen dann schnell, dass Märkte auch massiv korrigieren können. Besonders gefährlich wird es, wenn Menschen beginnen, Risiken systematisch kleinzureden.

Welche Rolle spielen soziale Medien und passives Investieren dabei?

Eine große. Viele Anleger orientieren sich heute stark an Trends, Influencern oder Massenbewegungen. Dadurch entsteht eine Art Herdentrieb. Genau davor warnen inzwischen auch zahlreiche Experten. Wenn alle gleichzeitig in dieselben Themen investieren, steigen die Risiken erheblich.

Was sollten Anleger aktuell besonders vermeiden?

Vor allem FOMO – also die Angst, etwas zu verpassen. Viele steigen gerade dann ein, wenn Kurse bereits extrem gestiegen sind. Das erhöht das Risiko späterer Verluste deutlich. Außerdem sollte niemand sein gesamtes Vermögen auf einzelne Trendthemen wie KI, Rüstung oder Energie konzentrieren.

Wie wichtig ist Diversifikation in solchen Zeiten?

Extrem wichtig. Gerade in unsicheren Marktphasen sollte Vermögen breit gestreut werden. Wer alles auf wenige gehypte Branchen setzt, kann im schlimmsten Fall massive Verluste erleiden.

Welche Gefahr unterschätzen Privatanleger Ihrer Erfahrung nach am meisten?

Dass gute Vergangenheitsergebnisse keinerlei Garantie für die Zukunft sind. Nur weil eine Aktie oder ein Markt in den letzten Monaten stark gestiegen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass es so weitergeht.

Ihr Fazit für Anleger?

Die aktuelle Börsenphase verlangt kühlen Kopf statt Euphorie. Anleger sollten Chancen nutzen, aber Risiken niemals verdrängen. Gerade wenn Märkte scheinbar nur noch steigen, wird Vorsicht oft am wichtigsten.

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