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Die neue, soziale Kraft der digitalen Superrechner

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Die Corona-En(Pan)demie (eine Krankheit, die in Zukunft regelmäßig auftreten wird) beschleunigt die Etablierung digitaler Strukturen in unserer Welt.

Als man in den 80er Jahren noch die oft sehr qualvollen Radio-Hitparaden hörte bzw. hören musste (es gab ja keine Konkurrenz) wunderte man sich, wie etwa krächzend-johlende und vollkommen unangesagte Künstler aus dem Inland beharrlich die Hitlisten anführten konnten und nicht die Top-Hits von Prince, Michael Jackson, Tina Turner, Dire Straits oder anderen internationalen Stars. Jene fand man bestenfalls von Platz sechs an aufwärts.

Richtig! Sie ahnen es bereits. Das Publikum hatte nichts mitzureden und die Hitparaden wurden vollkommen abgekoppelt von den Hörern der Sender erstellt  -zum Leidwesen der heimischen (Ohr)Hörerschaft und zur Mehrung des Vermögens von schlauen Produzenten. Ja man kaufte sogar den eigenen Hit im Handel auf, um nur ja dann im Radio gespielt zu werden.

Seit vielen Jahren kann man Reisetickets und Urlaubs(Reise)Buchungen online selbst durchführen. Es wurde beinahe zur Regel. Dies hatte allmählich, aber sicher, zu einem Umbruch bei den Reiseveranstaltern und Flugticketverkäufern geführt.

Digitale Arbeitsnomanden gibt es nunmehr auch schon seit einigen Jahren. Sie wechseln alle paar Monate den Arbeitsort von einem Platz in der Welt zu einem anderen. Spezialisierte Hotels bieten diesen Menschen zu sehr günstigen Preisen einfache Zimmer und digitale Hochgeschwindigkeitsverbindungen.

Die digitalen Fortschritte erschufen in den letzten Jahren übergeordnete, neue Strukturen, welche bis dato keiner direkten Regelung unterliegen – außer jener der Großkonzerne die sie schufen. Diese neuen, digitalen Rahmen werden das Bild der sozialen Landschaft grundlegend verändern. Etablierte Strukturen werden aufbrechen, sich verändern oder gänzlich verschwinden.

Herbstmessen, Kultur- und (Film)Festivals wie auch andere Strukturen werden ihr bisheriges Gesicht verändern (müssen). Schon in den letzten beiden Jahren blieben große Messehallen leer und/oder nicht mehr ausgebucht – nicht nur wegen Corona. Vielmehr mangelte es etwa bei den Messen an den Ausstellern selbst.

Warum sollte man langwierige Reisen auf sich nehmen, wenn digital die Produkte billiger, nachhaltiger und dauerhafter zur Verfügung stehen. Die Kommunikation mit interessierten Kunden erfolgt digital und direkt. Der Preis der digitalen Feilbietung unterschreitet den Preis des analogen Messeplatzes um ein mehrfaches. Zudem muss man sich nicht mit den üblichen (Alkohol)Belästigungen und Unannehmlichkeiten auf Messen herumschlagen.

Natürlich wird es auch solche immer geben, die gesehen werden wollen oder die Veranstaltungen als Plattform für eigene Interessen nutzen. Doch diese werden mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Der Bildungssektor wird nahezu digital werden. Jeder wird bald in Harvard, Cambridge oder am MIT digital studieren können – ohne teure Zimmer vor Ort berappen zu müssen.

Werden medizinische Eingriffe an Patienten disloziert von örtlich entfernten Spezialisten durchgeführt werden? Wie werden Licht- und Quantencomputer unsere Welt verändern? Immerhin ist das Sezieren von Leichen nunmehr digital geworden. Vorbei die Zeiten in denen man krampfhaft nach Leichen suchte. Schon im Jahre 1832 wurde in England etwa der Leichenraub unter Strafe gestellt, da die Jagd nach ihnen bedenkliche Ausmaße angenommen hatte.

Die faktische Kraft des Digitalen ist noch nicht in unseren Köpfen angekommen. Immer noch denken wir zu linear und zu verhaftet in den althergebrachten Strukturen.

Wir sehen nicht klar genug die Veränderung in den Strukturen der Dinge um uns herum. Die Väter der Quantenmechanik ahnten noch nichts von den praktischen Möglichkeiten ihrer eigenen Theorie. Selbst die offensten unter ihnen wussten bis zu ihrem Lebesende (etwa in den 80er Jahren) nichts von den heutigen Anwendungen und Möglichkeiten.

Gleichwohl wird es mit dem Digitalen sein. Ob wir wollen oder nicht werden wir uns mit diesen neuen Strukturen anfreunden und auseinandersetzen müssen. Wir werden gut daran tun uns weiter zu bilden.

Großrechner werden mittlerweile im geheimen gebaut. Erst jetzt wurde bekannt, dass China zumindest schon zwei Exaflop-Rechner besitzt (Tianhe-3 und OceanLight). Diese bewältigen eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde und sind damit um einiges schneller (mindestens aber doppelt so schnell) als amerikanische Superrechner.

Zum Nachrechnen: 1 Milliarde = 1.000.000.000 = (109) und entspricht 1000 Millionen, 1 Billion = 1.000.000.000.000 = (1012) und entspricht 1000 Milliarden, 1 Billiarde = 1.000.000.000.000.000 = (1015) und entspricht 1000 Billionen, 1 Trillion schreibt man dann als 1.000.000.000.000.000.000 = (1018) und entspricht 1000 Billiarden.

Die Zahl der Operationen ist gleich schwindelerregend wie die Rechenmöglichkeiten, welche sich daraus ergeben. Gleich schwindelerregend sind aber auch die damit verbundenen Anwendungsmöglichkeiten. Derzeit werden diese Giganten in strategischen und militärischen Anwendungen eingesetzt.

Dies ist aber erst ein Zwischenschritt zu den Quantencomputern. Vorher noch werden wir auf die Lichtcomputer umsteigen. Die Technik ist schon seit den 80er Jahren bekannt. Bis dato wurde sie jedoch nicht ins Kalkül gezogen, da man die bisherige (klassische)Technik immer noch weiter miniaturisieren konnte. Lichtcomputer werden wahrscheinlich noch einmal um mindestens einen Faktor 1000 schneller sein als die heute stärksten Rechner.

Noch haben wir keinen Begriff davon. Nie geahnte Rechenleistungen werden bald aber vielen Menschen offen stehen.

Der Unterschied ist am besten vergleichbar mit den Möglichkeiten der mittelalterlichen Abakus-Maschinen (alte Rechenstangen aus Holzkugeln) und den heutigen Superrechnern. Sahen wir mit unseren alten Flugzeugen den Amazonas-Urwald von oben, so werden wir in sehr naher Zukunft vom Mars aus den Schritt einer Ameise in diesem Urwald wahrnehmen können.

So gilt ein bekannter Hexameter aus dem 16. Jahrhundert mehr denn je:

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis (die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen).

Salvatore Giacomuzzi

 

 

 

 

 

 

 

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