Die FDP hat einen neuen Vorsitzenden. Oder genauer gesagt:
Einen 59,3-Prozent-Vorsitzenden.
Wolfgang Kubicki wurde auf dem Bundesparteitag zum neuen Parteichef gewählt und erhielt knapp 60 Prozent der Stimmen.
In der FDP gilt das bereits als überwältigende Geschlossenheit.
Die große liberale Begeisterung
390 Delegierte stimmten für Kubicki.
259 stimmten lieber für Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Anders gesagt:
Fast vier von zehn Delegierten fanden die Idee eines anderen Vorsitzenden besser.
In manchen Parteien würde man das als Warnsignal verstehen.
In der FDP nennt man das vermutlich „breit aufgestellte Meinungsvielfalt“.
Die Partei der individuellen Lösungen
Dass es überhaupt zu einer Kampfabstimmung kam, überrascht eigentlich nicht.
Die FDP wäre schließlich nicht die FDP, wenn alle dieselbe Meinung hätten.
Liberale sind bekanntlich Menschen, die sogar beim gemeinsamen Frühstück zunächst drei Arbeitsgruppen bilden und anschließend eine Grundsatzdebatte über die Freiheit des Brötchens führen.
Der Vorsitzende einer Partei auf Diät
Kubicki übernimmt die Partei in einer schwierigen Situation.
Die FDP ist nicht mehr im Bundestag vertreten.
In den Umfragen bewegt sie sich teilweise im Bereich eines gut besuchten Schützenvereins.
Und viele Wähler suchen die Liberalen inzwischen länger als manche Archäologen verschollene Zivilisationen.
Der Auftrag ist klar
Kubickis Mission lautet:
Die FDP zurück in den Bundestag führen.
Das klingt einfach.
Ist es aber nicht.
Denn aktuell muss die Partei zunächst einmal beweisen, dass sie außerhalb von Talkshows überhaupt noch existiert.
Marie-Agnes bleibt Marie-Agnes
Die eigentliche Überraschung war vielleicht weniger die Wahl Kubickis als die Tatsache, dass Marie-Agnes Strack-Zimmermann überhaupt gegen ihn antrat.
Parteiinterne Beobachter sprechen von einer Kampfkandidatur.
Andere nennen es:
„Ein ganz normaler Samstag in der FDP.“
Die neue Erfolgsformel
Nun beginnt die große Aufholjagd.
Der neue Vorsitzende wird erklären müssen:
- warum die FDP abgestürzt ist,
- wie sie zurückkommen will,
- und warum diesmal alles besser wird.
Das dürfte ungefähr so einfach werden wie der Versuch, einen Veganer von einem Grillfest als Hauptsponsor zu überzeugen.
Fazit
Wolfgang Kubicki ist neuer FDP-Chef.
Mit 59,3 Prozent.
Also fast 60 Prozent.
Oder wie man es künftig in der Partei vielleicht nennen wird:
Eine absolute liberale Zweidrittelmehrheit.
Jetzt muss der neue Vorsitzende nur noch das schaffen, woran die FDP in den vergangenen Jahren mehrfach gescheitert ist:
Die Wähler davon überzeugen, dass sie nicht nur eine Partei für politische Talkshows, sondern auch für Wahltage ist.
Kommentar hinterlassen