Die amerikanische Luftfahrtbranche erlebt derzeit ihr ganz eigenes Reality-TV-Format: „Deutschland sucht den Superflieger“ wäre zu langweilig, deshalb gibt es nun „Wer überlebt als letzter Billigflieger?“
Der erste Kandidat hat die Bühne bereits verlassen. Spirit Airlines, jahrelang berüchtigt für Ticketpreise unter dem Preis einer Pizza und Zusatzgebühren für gefühlt jeden Atemzug an Bord, hat Anfang Mai endgültig den Flugbetrieb eingestellt.
Nun richtet sich der Blick auf Frontier Airlines.
Die gute Nachricht: Frontier könnte vom Verschwinden des Konkurrenten profitieren.
Die schlechte Nachricht: Frontier könnte vom Verschwinden des Konkurrenten lernen müssen.
Oder anders gesagt: Der Nachbar ist gerade in den Swimmingpool gefallen, während Frontier am Beckenrand steht und sich fragt, ob das Wasser wirklich so tief ist.
Das Geschäftsmodell: Fliegen zum Schnäppchenpreis – alles andere kostet extra
Frontier und Spirit hatten ein einfaches Geschäftsmodell:
Das Ticket kostet fast nichts.
Der Sitzplatz kostet extra.
Das Handgepäck kostet extra.
Der Koffer kostet extra.
Die Sitzlehne kostet gefühlt extra.
Und wenn der Passagier während des Fluges glücklich aussehen möchte, wird vermutlich auch dafür irgendwann eine Gebühr erhoben.
Jahrelang funktionierte dieses Modell erstaunlich gut. Millionen Reisende waren bereit, auf Komfort zu verzichten, solange der Flug billiger war als die Taxifahrt zum Flughafen.
Doch inzwischen steigen die Treibstoffpreise schneller als manche Flugzeuge.
Und plötzlich stellt sich heraus, dass man selbst mit kreativen Gebühren nicht jeden Kostenanstieg wegzaubern kann.
Die große Hoffnung: Weniger Konkurrenz
Nach dem Aus von Spirit hat Frontier auf vielen Strecken die Preise erhöht.
Eine erstaunliche Erkenntnis der Marktwirtschaft:
Wenn der Konkurrent verschwindet, wird plötzlich alles teurer.
Wer hätte das gedacht?
Frontier hofft nun, dass die ehemaligen Spirit-Kunden einfach umsteigen.
Doch das Problem besteht darin, dass viele Passagiere Spirit nicht vermissen – und Frontier auch nicht unbedingt lieben.
Der Kunde als größtes Problem
Besonders unangenehm für Frontier:
Fluggesellschaften leben von Kunden.
Und Kunden haben die lästige Eigenschaft, sich an Dinge wie Service, Komfort und Freundlichkeit zu erinnern.
In den amerikanischen Kundenzufriedenheits-Rankings landet Frontier regelmäßig auf den hinteren Plätzen. Teilweise sogar hinter Spirit.
Das ist ungefähr so, als würde man bei einem Schönheitswettbewerb hinter einer Parkuhr landen.
Branchenexperten formulieren es diplomatisch:
Die Leute fliegen nicht mit Frontier, weil sie Frontier mögen.
Sie fliegen mit Frontier, weil das Ticket billig ist.
Die Revolution der Gemütlichkeit
Doch Frontier arbeitet an seinem Image.
Man hat den telefonischen Kundenservice wieder eingeführt.
Eine mutige Innovation im Jahr 2026.
Außerdem gibt es größere Sitze.
Und irgendwann soll sogar WLAN an Bord verfügbar sein.
Kurz gesagt:
Man versucht langsam, Standards einzuführen, die andere Airlines bereits seit Jahren besitzen.
Das Fazit
Frontier befindet sich aktuell in einer beneidenswerten Situation:
Der größte Konkurrent ist verschwunden.
Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit denselben Problemen, die Spirit letztlich zu Fall gebracht haben.
Steigende Kosten.
Dünne Gewinnmargen.
Anspruchsvollere Kunden.
Und die unangenehme Erkenntnis, dass Billigfliegen nur solange funktioniert, wie die Rechnung am Ende aufgeht.
Vielleicht wird Frontier die Krise meistern.
Vielleicht wird Frontier sogar stärker aus ihr hervorgehen.
Oder vielleicht erleben wir in einigen Jahren die nächste Folge von:
„Amerikas unglaubliches Billigflug-Abenteuer – diesmal ohne Landegarantie.“
Anschnallen empfohlen.
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