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WM-Glosse: Deutschland verabschiedet sich – wenigstens pünktlich

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Deutschland ist raus. Wieder einmal. Man könnte fast meinen, der DFB habe für Weltmeisterschaften inzwischen ein BahnBonus-Programm: Nach der Gruppenphase ging es diesmal immerhin bis ins Sechzehntelfinale. Fortschritt nennt man das wohl.

Gegen Paraguay zeigte die deutsche Nationalmannschaft über weite Strecken eine Leistung, die selbst den Rasenmäher im Stadion in den Tiefschlaf versetzt hätte. Viel Ballbesitz, wenig Ideen und noch weniger Torgefahr. Fußball nach dem Motto: „Wir kontrollieren das Spiel – nur leider nicht den Gegner.“

Julian Nagelsmann sprach anschließend von fehlendem Punch. Man hätte ergänzen können: Es fehlte eigentlich alles außer Ballbesitz. Der wanderte geduldig quer durch die eigenen Reihen, vermutlich auf der Suche nach einem Mitspieler mit einer Idee. Er fand keinen.

Kai Havertz entschuldigte sich bei den Fans. Ehrenwert. Allerdings stellt sich langsam die Frage, ob sich nicht der gesamte deutsche Fußball einmal kollektiv entschuldigen müsste. Seit Jahren verspricht man den großen Umbruch – geliefert wird regelmäßig der nächste Großputz nach dem Turnier.

Deniz Undav durfte endlich von Beginn an ran. Ganz Deutschland hatte darauf gewartet. Nach wenigen Minuten wartete allerdings auch Undav auf den Ball. Und wartete. Und wartete. Zeitweise hatte der Mittelkreis mehr Ballkontakte als der Stürmer.

Immerhin durfte Jamal Musiala später noch zeigen, warum er eigentlich auf den Platz gehört. Doch wenn dein bester Kreativspieler erst dann kommt, wenn das Haus bereits brennt, hilft oft auch der Feuerlöscher nichts mehr.

Dann das Elfmeterschießen. Deutschlands einstige Königsdisziplin. Früher zitterten die Gegner, wenn Deutschland vom Punkt antrat. Heute zitterten eher die deutschen Fans. Mit gutem Grund. Havertz verschießt, Woltemade ebenfalls, Tah setzt den Ball über das Tor – und Paraguay bedankt sich höflich für die Einladung ins Achtelfinale.

Natürlich durfte anschließend der VAR noch einmal seinen Auftritt feiern. Das vermeintliche 2:1 in der Verlängerung wurde einkassiert. Ob berechtigt oder nicht, darüber werden Experten noch tagelang diskutieren. Das eigentliche Problem lag allerdings nicht in dieser einen Szene, sondern in den 119 Minuten davor.

Der deutsche Fußball lebt seit Jahren von Erinnerungen an 2014. Damals war man Weltmeister. Heute wirkt man oft wie eine Mannschaft, die sich noch immer das Finale von Rio in Dauerschleife anschaut und hofft, dass Mario Götze gleich noch einmal trifft.

Vielleicht braucht es gar keine neue Taktik. Vielleicht reicht ein Blick in den Spiegel.

Denn Weltmeister wird man nicht mit 75 Prozent Ballbesitz, taktischen Flipcharts und Pressekonferenzen über „Kontrolle“. Weltmeister wird man mit Tempo, Mut, Leidenschaft – und dem unbedingten Willen, Spiele gewinnen zu wollen.

Davon war gegen Paraguay erschreckend wenig zu sehen.

Einziger Trost für die deutschen Fans: Die Heimreise ist diesmal wenigstens staufrei.

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