Das musst du auch erstmal schaffen:
Da gewinnt Boris Becker in London einen Preis als internationale Sportlegende – und darf wegen seiner Vergangenheit nicht einmal selbst zur Preisverleihung erscheinen.
Ganz ehrlich:
Absurder wird es langsam selbst für die ohnehin schon filmreife Boris-Becker-Biografie kaum noch.
London feiert Boris – aber bitte ohne Boris
Die Szene hatte fast schon etwas Tragikomisches.
Im Cricket-Stadion Kia Oval wird Boris Becker für seine Memoiren ausgezeichnet. Sein Buch „Inside. Gewinnen, verlieren, neu anfangen“ gewinnt den Preis als „International Sports Book of the Year“.
Applaus.
Scheinwerfer.
Große Bühne.
Nur der Hauptdarsteller fehlt.
Warum?
Weil Boris Becker weiterhin nicht einfach nach Großbritannien einreisen darf.
Das ist ungefähr so, als würde man David Hasselhoff zur Mauerfall-Gala einladen und ihn dann vor der Tür stehen lassen.
Früher Wimbledon-König – heute Einreiseproblem
Dabei war London jahrzehntelang praktisch Beckers zweite Heimat.
Dort gewann er Wimbledon.
Dort wurde er zur Tennis-Legende.
Und dort stolperte er später auch spektakulär über seine Insolvenzgeschichte.
Jetzt also die nächste absurde Szene:
London verteilt Preise an Boris Becker – Boris Becker sitzt derweil zuhause und schaut vermutlich per Bildschirm zu.
Man könnte sagen:
Der Mann gewinnt inzwischen erfolgreicher Bücherpreise als Einreisegenehmigungen.
Lilian übernimmt den Job – weil irgendwer ja hinfahren muss
Statt Boris erschien seine Ehefrau Lilian de Carvalho Monteiro auf der Gala und nahm den Preis entgegen.
Sie erklärte tapfer, Boris kümmere sich zuhause um die gemeinsame sechs Monate alte Tochter und werde „eines Tages nach London zurückkehren“.
Das klingt ein wenig wie:
„Vielleicht klappt’s irgendwann wieder mit Wimbledon und der Passkontrolle.“
Boris gewinnt plötzlich wieder Preise – ganz ohne Schläger
Besonders erstaunlich:
Becker setzte sich mit seinem Buch sogar gegen Werke über Formel-1-Legende Ayrton Senna und Tennisstar Carlos Alcaraz durch.
Früher gewann Boris Wimbledon-Titel.
Heute gewinnt er Literaturpreise mit Gefängniserinnerungen.
Auch irgendwie eine Karriereentwicklung.
Vom Centre Court direkt in den Bestsellerlisten-Himmel
Und offenbar verkauft sich Beckers Lebensbeichte hervorragend.
„Inside“ wurde internationaler Bestseller und schaffte es in Großbritannien sogar auf Platz eins der Sunday-Times-Bestsellerliste.
Man muss neidlos anerkennen:
Kaum jemand verwandelt persönliche Katastrophen so effizient in mediale Verwertung wie Boris Becker.
Andere gehen nach einer Haftstrafe in Therapie.
Boris landet auf Bestsellerlisten.
Die Briten wirken dabei maximal widersprüchlich
Das eigentlich Kuriose bleibt aber:
Großbritannien feiert Boris Becker offiziell wieder als Sportikone – behandelt ihn gleichzeitig aber weiterhin wie einen unerwünschten Besucher.
Also entweder ist er rehabilitiert…
…oder eben nicht.
Aber jemanden zum „International Sports Book of the Year“ zu küren und ihn dann nicht ins Land zu lassen, wirkt ungefähr so elegant wie ein Tennismatch mit Betonklötzen an den Füßen.
Boris bleibt eben Boris
Natürlich gehört zur Wahrheit auch:
Becker hat seine Probleme selbst verursacht.
Die Insolvenzstraftaten, die Haftstrafe und der Absturz kamen nicht aus dem Nichts.
Aber trotzdem zeigt die Geschichte einmal mehr, warum Boris Becker bis heute fasziniert:
Weil bei ihm selbst Niederlagen irgendwie immer noch aussehen wie große Shows.
Andere verschwinden nach solchen Abstürzen von der Bildfläche.
Boris Becker dagegen gewinnt Literaturpreise über seinen Gefängnisaufenthalt – und sorgt selbst dann noch für Schlagzeilen, wenn er nicht einmal im Raum ist.
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