Ganz ehrlich, ich weiß langsam nicht mehr, ob Union Berlin ein Bundesligaverein oder inzwischen ein Fußball-Experimentierlabor geworden ist.
Jetzt also Mauro Lustrinelli.
Der neue Hoffnungsträger kommt vom FC Thun und wurde dort tatsächlich Meister. Klingt erstmal beeindruckend – bis man kurz realisiert:
Wir reden hier über die Schweizer Liga.
Und da muss man doch auch mal ehrlich sein:
Schweizer Meister ist ungefähr das, was bei uns Meister der 3. Liga wäre – nur mit schöneren Bergen im Hintergrund.
Eine Million Ablöse – für einen Trainer aus Thun?
Besonders bemerkenswert:
Union zahlt angeblich rund eine Million Euro Ablöse.
Eine Million.
Für einen Trainer aus Thun.
Da fragt man sich als Union-Fan schon kurz, ob im Paket wenigstens noch Käsefondue, zwei Alphörner und ein Jahresvorrat Ricola-Bonbons enthalten sind.
Union tut wieder so, als hätte man den nächsten Klopp entdeckt
Natürlich wird jetzt wieder alles maximal euphorisch verkauft.
„Intensiver Fußball.“
„Teamgeist.“
„Entwicklung junger Spieler.“
Ja wunderbar.
Das liest sich exakt wie jede Trainerbeschreibung seit 15 Jahren.
Irgendwann fehlt eigentlich nur noch:
„Kann gut mit Menschen.“
Die Realität heißt Bundesliga – nicht Schweizer Wohlfühlfußball
Das Problem ist doch:
Bundesliga ist nicht FC Luzern gegen St. Gallen bei leichtem Nieselregen.
Hier geht’s gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen und Vereine, die allein für ihre Ersatzbank mehr Geld ausgeben als manche Schweizer Klubs für ihre komplette Vereinsgeschichte.
Und Union tut jetzt ernsthaft so, als hätte man gerade Pep Guardiola aus den Alpen verpflichtet.
Der große Durchbruch? Ernsthaft?
Im Artikel steht tatsächlich:
„Mit Thun gelang ihm der große Durchbruch im Vereinsfußball.“
Ja herzlichen Glückwunsch.
Bei Union Berlin wäre es allerdings hilfreich, wenn der Trainer den Durchbruch nicht erst noch sucht, sondern vielleicht schon einmal irgendwo auf höherem Niveau nachgewiesen hätte, dass er Bundesliga kann.
Und wenn alles schiefgeht? Dann halt wieder Eta
Das Lustigste ist doch:
Im Hintergrund schwebt sowieso weiterhin Marie-Louise Eta über allem.
Man hat fast das Gefühl, die Vereinsführung denkt sich:
„Probieren wir halt mal den Schweizer. Und wenn’s im November komplett brennt, übernimmt wieder Eta.“
So wirkt aktuell leider die gesamte Planung.
Nicht wie ein klarer Neustart.
Sondern eher wie:
„Schauen wir mal, ob das irgendwie funktioniert.“
Union verliert langsam seine alte Stärke
Früher hatte Union etwas Besonderes.
Klare Typen.
Klare Haltung.
Klare Entscheidungen.
Heute wirkt vieles zunehmend wie hektisches Ausprobieren mit schön formulierten Pressemitteilungen.
Und ganz ehrlich:
Ein Trainer, der in der Schweiz überraschend Meister wird, ist noch lange keine Garantie dafür, in der Bundesliga zu bestehen.
Sonst könnten wir auch direkt den Trainer vom FC Vaduz holen und hoffen, dass er „intensiven Fußball“ spielen lässt.
Die Fans wollen keine Fußballromantik mehr – sondern Stabilität
Union braucht nach den letzten schwierigen Jahren eigentlich etwas ganz anderes:
Erfahrung.
Ruhe.
Bundesliga-Kompetenz.
Stattdessen bekommt man jetzt das nächste Risiko-Projekt verkauft.
Natürlich wünsche ich mir, dass der Mann einschlägt und uns alle überrascht.
Aber aktuell fühlt sich das Ganze eher an wie ein sehr teurer Versuch nach dem Motto:
„Vielleicht funktioniert’s ja.“
Und genau das macht vielen Unionern Sorgen.
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