Die gute Nachricht zuerst:
Zwischen den USA und dem Iran gilt offiziell eine zweiwöchige Waffenruhe.
Die schlechte Nachricht:
Offenbar wusste das wieder einmal niemand mit Drohnenzugang.
Denn kaum war die Feuerpause verkündet, meldet Kuwait bereits „feindliche Drohnenangriffe“ auf einen Standort der Nationalgarde. Es gab erheblichen Sachschaden, aber zum Glück keine Verletzten. Das ist im Nahen Osten inzwischen offenbar die diplomatische Version von:
„Es war nicht schön, aber immerhin nicht komplett eskaliert.“
Kuwait spricht von Angriffen durch den Iran und dessen Verbündete.
Die iranische Revolutionsgarde sagt natürlich:
„Wir waren das nicht.“
Was in der Region ungefähr dieselbe Glaubwürdigkeit hat wie ein Einbrecher, der mit Fernseher unterm Arm erklärt, er habe nur nach dem Rechten gesehen.
Damit zeigt sich einmal mehr das Grundproblem jeder Nahost-Waffenruhe:
Sie ist weniger ein belastbares Abkommen als vielmehr ein optimistischer Kalendereintrag.
Offiziell herrscht Pause.
Praktisch fliegen Drohnen.
Und diplomatisch versucht man dann, herauszufinden, ob das jetzt ein Versehen, ein Verbündeter, ein Stellvertreter, ein Missverständnis oder einfach nur der ganz normale regionale Wahnsinn war.
Besonders elegant:
Kuwait sagt, die Angriffe würden die Bemühungen um eine Waffenruhe untergraben.
Das ist höflich formuliert.
Man könnte auch sagen:
Wenn am zweiten Tag der Feuerpause bereits wieder militärische Infrastruktur getroffen wird, dann ist das keine Waffenruhe – das ist eine PowerPoint-Folie mit Hoffnung.
Auch in Bagdad lief die Friedensdividende eher schleppend an.
Dort wurde eine diplomatische US-Einrichtung mit Drohnen attackiert.
Washington bestellte daraufhin den irakischen Botschafter ein und beschwerte sich darüber, dass der Irak die Angriffe nicht verhindert habe.
Auch das ist geopolitisch immer wieder faszinierend:
Die USA führen Krieg, verkünden Waffenruhe, dann greifen iran-nahe Milizen irgendwo in der Region US-Ziele an, und am Ende wird erst einmal ein Botschafter einbestellt.
Es ist, als würde man in einem brennenden Hochhaus zuerst prüfen, ob der Feueralarm ordnungsgemäß beantragt wurde.
Die amerikanische Botschaft in Bagdad macht eine mit Iran verbündete irakische Miliz verantwortlich.
Das bedeutet in der Praxis:
Selbst wenn Teheran offiziell „nichts damit zu tun“ hat, gibt es in der Region offenbar weiterhin genug Akteure, die das Konzept Waffenruhe eher als unverbindliche Empfehlung verstehen.
Und genau da liegt das eigentliche Problem:
Eine Feuerpause zwischen zwei Staaten klingt auf dem Papier gut.
Im Nahen Osten gibt es aber leider selten nur zwei Akteure.
Es gibt:
- Staaten,
- Milizen,
- Verbündete,
- Stellvertreter,
- Fraktionen,
- Kommandeure mit Eigeninitiative
…und wahrscheinlich irgendwo immer noch jemanden, der glaubt, jetzt sei ein besonders guter Moment für eine symbolische Eskalation.
Fazit:
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hält derzeit ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl im Sandsturm.
Offiziell wird deeskaliert.
Praktisch wird weiter geflogen.
Und wenn schon am zweiten Tag Drohnen über Kuwait und Bagdad auftauchen, dann lautet die nüchterne Analyse:
Die Waffenruhe existiert bisher vor allem dort, wo es am sichersten ist – in Pressemitteilungen.
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