Jahrelang wirkte es bei René Benko und seinem Signa-Kosmos ja fast so, als sei Vermögen eine Art Zaubertrick: Hier die Firmenpleite, dort das fein säuberlich abgesicherte Privatvermögen – strikt getrennt, geschniegelt, juristisch geschniegelt und vermutlich noch mit Schleifchen versehen.
Jetzt stellt sich heraus:
Ganz so unberührbar war das alles offenbar doch nicht.
Nach dem Konkurs der Laura-Stiftung warten die Gläubiger nun darauf, dass endlich verwertet wird, was zu verwerten ist. Und plötzlich geraten Orte in den Fokus, die bisher eher nach altem Geld, Alpenblick und diskreter Unantastbarkeit klangen: die Villa in Igls, Grundstücke, Beteiligungen und ein Filetstück mitten in Seefeld.
Mit anderen Worten:
Dort, wo früher vermutlich über Vermögensschutz nachgedacht wurde, denkt man jetzt über Masseverwertung nach.
Die Villa in Igls: vom Rückzugsort zum Verwertungsposten
Die Villa oberhalb von Innsbruck, jahrelang Hauptwohnsitz des einstigen Milliardärs, dürfte irgendwann verkauft werden. Was einst als privater Rückzugsort mit Panorama diente, wird nun langsam zum Objekt der Gläubigerphantasie.
Ironie der Geschichte:
Was lange rechtlich geschniegelt geschützt war, wird nun auf Verwertbarkeit geprüft.
Man kann es auch so sagen:
Aus dem Symbol des Erfolgs wird nach und nach ein Punkt auf der Insolvenzliste.
Abu-Dhabi-Geldgeber machten den Tresor plötzlich auf
Dass es überhaupt so weit kam, hat offenbar mit Geldgebern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu tun. Die wollten der Signa nur Geld leihen, wenn im Ernstfall auch die Laura-Stiftung für den Kredit geradesteht.
Das ist bemerkenswert.
Denn ausgerechnet dort, wo jahrelang offenbar größte Sorgfalt auf die Trennung zwischen Unternehmensrisiko und persönlichem Umfeld gelegt wurde, wurde diese Trennung plötzlich aufgeweicht.
Oder etwas weniger höflich formuliert:
Solange Geld gebraucht wurde, war die heilige Mauer zwischen Signa und Privatvermögen offenbar doch erstaunlich flexibel.
Creditreform-Vertreter Gerhard Weinhofer bringt es sinngemäß auf den Punkt: Es sei das erste Mal gewesen, dass Benko die strikte Trennung zwischen Signa und eigenem Vermögen aufgegeben habe.
Was für Gläubiger natürlich nachträglich fast schon klingt wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk – nur eben ohne Besinnlichkeit.
Seefeld schaut schon mal interessiert aufs Grundstück
Nicht nur in Igls wird nun auf Vermögenswerte geschielt. Auch in Seefeld ist die Lage plötzlich interessant. Dort gehört einer Tochtergesellschaft der Laura-Stiftung ein rund 8.000 Quadratmeter großes Grundstück in bester Lage mitten im Ort.
Und weil in Insolvenzen immer sofort mehrere Interessen gleichzeitig wach werden, hat natürlich auch die Gemeinde schon einen Blick darauf geworfen.
Bürgermeisterin Andrea Neuner sagt sinngemäß: Jetzt werde alles geprüft, dann werde man sehen, was passiert. Vielleicht könne die Gemeinde das Grundstück zurückbekommen, weil ein Teil davon früher einmal ihr gehört habe. Vielleicht kaufe es aber auch ein Investor aus der Insolvenzmasse heraus.
Mit anderen Worten:
Zwischen Gemeinderückkauf und Investorenzugriff ist alles drin – Hauptsache, es kommt nicht wieder irgendein größenwahnsinniges Luxusprojekt dabei heraus.
Immerhin setzt Seefeld vorsorglich schon mal Grenzen:
Kein Riesenhotel, maximal ein Betrieb mit 150 Betten.
Auch das ist irgendwie hübsch:
Während anderswo noch gerechnet wird, sagt die Gemeinde schon mal vorsorglich:
Bitte insolvent, aber maßvoll.
Aus Stiftungsidylle wird Gläubigerarbeit
So wird nun Stück für Stück aus dem einst wohlgeordneten Stiftungsvermögen das, was in einer Insolvenz eben daraus wird: Masse.
Da wird geprüft, bewertet, verwertet, verteilt.
Die große Aura des Unnahbaren schrumpft dabei schnell auf das herunter, was sie am Ende oft ist: eine Sammlung von Immobilien, Beteiligungen und Grundstücken mit Preisschild.
Was früher nach diskreter Vermögensarchitektur klang, klingt jetzt eher nach Amtsschimmel mit Maklerunterlagen.
Fazit: Der Schutzwall bröckelt – und die Gläubiger stehen schon davor
Die eigentliche Pointe dieser Geschichte ist nicht nur, dass jetzt eine Villa und Grundstücke verkauft werden könnten. Die eigentliche Pointe ist:
Plötzlich zeigt sich, dass auch im Benko-System nicht alles auf ewig außerhalb der Reichweite blieb.
Jahrelang galt die Trennung zwischen Signa und privatem Umfeld als nahezu sakrosankt.
Nun zeigt sich:
Wenn der Druck groß genug wird und Gläubiger laut genug anklopfen, dann wird selbst aus Stiftungsvermögen irgendwann verwertbares Material.
Oder kurz gesagt:
Aus der großen Welt des diskret geschützten Privatvermögens wird jetzt ganz profan Insolvenzmasse mit Alpenblick.
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