„Steuervorteile und Renditeversprechen dürfen niemals den Blick auf die Risiken verstellen“
Investitionen in Photovoltaik-Anlagen gelten derzeit als gefragte Kombination aus Sachwert, Steueroptimierung und Nachhaltigkeit. Anbieter werben mit staatlich garantierten Einspeisevergütungen, attraktiven Abschreibungsmöglichkeiten und Renditen von rund sechs Prozent jährlich. Doch worauf sollten Anleger bei solchen Angeboten besonders achten? Darüber spricht Rechtsanwalt Maurice Högel von der Kanzlei BEMK.
Herr Högel, Photovoltaik-Investments werden aktuell massiv beworben. Wo sollten Anleger zuerst genau hinschauen?
Viele Angebote wirken auf den ersten Blick äußerst attraktiv, weil sie mehrere Themen gleichzeitig ansprechen: Klimaschutz, Sachwertanlage, steuerliche Vorteile und laufende Einnahmen. Genau diese Kombination kann aber auch dazu führen, dass Anleger Risiken unterschätzen. Besonders vorsichtig sollte man werden, wenn steuerliche Vorteile oder hohe Renditeerwartungen sehr stark in den Vordergrund gestellt werden. Denn am Ende bleibt jede Investition immer auch ein wirtschaftliches Risiko.
Die Anbieter werben häufig mit staatlich garantierten Einnahmen durch das EEG. Klingt das nicht relativ sicher?
Das EEG sorgt tatsächlich für eine gewisse Planbarkeit der Einspeisevergütung über viele Jahre. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die gesamte Investition risikolos ist. Anleger müssen verstehen, dass die garantierte Vergütung nur ein Baustein der Kalkulation ist. Entscheidend ist auch, ob die Anlage tatsächlich die prognostizierte Strommenge produziert, wie hoch laufende Kosten ausfallen und ob unerwartete technische oder wirtschaftliche Probleme auftreten.
Viele Angebote betonen enorme steuerliche Vorteile wie IAB und Sonderabschreibungen. Ist das problematisch?
Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten sind grundsätzlich legal und können sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn Anleger emotional mit dem Gedanken „Steuern sparen“ zum schnellen Abschluss bewegt werden. Steuerersparnis allein ist niemals ein ausreichender Grund für eine Investition. Denn Steuern spart man nur dann sinnvoll, wenn das eigentliche Investment langfristig wirtschaftlich tragfähig ist.
Welche Risiken werden Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt?
Vor allem drei Punkte.
Erstens das Finanzierungsrisiko. Viele Anleger finanzieren solche Investments teilweise oder sogar vollständig über Kredite. Wenn die tatsächlichen Einnahmen geringer ausfallen als prognostiziert oder Zinsen später steigen, kann das schnell zur Belastung werden. Genau darauf weist selbst der Anbieter in den Risikohinweisen hin.
Zweitens die Veräußerbarkeit. Viele glauben, sie könnten eine solche Anlage jederzeit problemlos verkaufen. In der Praxis gibt es dafür aber keinen garantierten Zweitmarkt. Gerade bei Spezialinvestments kann ein Verkauf schwierig oder nur mit Abschlägen möglich sein.
Drittens das sogenannte Prognoserisiko. Ertragsberechnungen basieren immer auf Annahmen über Sonneneinstrahlung, Technik und Strompreise. Selbst konservative Modelle bleiben Prognosen und keine Garantien.
Der Anbieter spricht von „fairen und transparenten Verträgen“. Reicht das als Sicherheit?
Solche Aussagen sollte man niemals einfach ungeprüft übernehmen. Anleger sollten Verträge immer unabhängig prüfen lassen — idealerweise durch einen spezialisierten Rechtsanwalt und zusätzlich durch den eigenen Steuerberater. Gerade bei langfristigen Investitionen über 20 Jahre oder länger können kleine Vertragsdetails enorme Auswirkungen haben.
Worauf sollte man bei den Vertragsunterlagen konkret achten?
Ganz wichtig sind Regelungen zu:
- Garantien,
- Wartung,
- Versicherungsschutz,
- Haftungsfragen,
- Laufzeiten,
- Pachtverträgen,
- Kostensteigerungen
und Kündigungsmöglichkeiten.
Außerdem sollte klar geregelt sein, wer im Schadensfall tatsächlich haftet und welche Risiken beim Anleger verbleiben. Viele Investoren lesen diese Passagen leider nur oberflächlich.
Kann die emotionale Verbindung zum Thema Energiewende Anleger zusätzlich beeinflussen?
Absolut. Nachhaltigkeit und Energiewende sind gesellschaftlich positiv besetzte Themen. Das führt manchmal dazu, dass Menschen kritische wirtschaftliche Fragen weniger intensiv prüfen. Genau deshalb sollte man solche Angebote nüchtern analysieren wie jede andere Kapitalanlage auch.
Was raten Sie Anlegern abschließend?
Nicht von Hochglanzbroschüren, Steuerversprechen oder Renditeangaben blenden lassen. Jede Investition braucht eine gründliche Prüfung. Anleger sollten insbesondere verstehen:
Woher kommt die Rendite?
Welche Risiken trage ich selbst?
Wie realistisch sind die Prognosen?
Und was passiert im schlechtesten Fall?
Wer diese Fragen nicht sauber beantworten kann, sollte sehr vorsichtig sein.
Kommentar hinterlassen