Manchmal fragt man sich als Fan des VfL Wolfsburg wirklich, ob unsere Mannschaft Fußball spielt oder unsere Nerven auf ihre Belastbarkeit testet. Beim VfL Bochum stand es kurz vor Schluss 1:1. Und dabei hatte dieser Freitagabend so wunderschön angefangen!
Zweite Minute, Fabian Reese nimmt den Ball volley und hämmert ihn traumhaft ins Netz. 1:0 für unsere Wölfe! Da sitzt man als Wolfsburg-Fan auf dem Sofa, hebt zufrieden sein Getränk und denkt: Heute machen wir das mal ganz souverän. Drei Punkte, schönes Wochenende, fertig!
Denkste!
Denn was unsere Mannschaft nach diesem Führungstreffer veranstaltete, war über weite Strecken weniger Fußballkunst als eine freundliche Einladung an Bochum, doch bitte wieder ins Spiel zurückzukommen.
Die Gastgeber, vor dem Spiel Tabellen-16. und seit vier Pflichtspielen ohne Sieg, wurden zunehmend mutiger. Und unsere Wölfe? Die schauten phasenweise zu, als hätten sie eine Eintrittskarte für das Ruhrstadion gekauft.
Zum Glück stand mit Timon Wellenreuther ein Torwart zwischen den Pfosten, der offenbar keine Lust hatte, sich den Freitagabend komplett verderben zu lassen. Mehrfach rettete er gegen die Bochumer Angreifer.
Und dann kam Minute 63.
Sean Klaiber trifft zum 1:1. Verdient? Leider ja! Ärgerlich? Und wie!
Erst danach schienen unsere Wolfsburger wieder zu begreifen, dass man für einen Sieg gelegentlich auch nach vorne spielen muss. Maximilian Arnold versuchte es aus der Distanz, später setzte unser Kapitän einen Freistoß ans Außennetz. Zentimeter fehlten zum erneuten Führungstreffer.
Aber ganz ehrlich: Wer sich nach einem Traumstart derart zurückdrängen lässt, braucht sich über einen Ausgleich nicht zu wundern.
Besonders bitter ist das Ganze mit Blick auf die Tabelle. Wir wollen zurück in die Bundesliga! Wir reden vom direkten Wiederaufstieg und haben eine Mannschaft, die offensiv durchaus begeistern kann. Zwölf Tore in den drei Ligaspielen vor dieser Partie sprechen schließlich für sich.
Aber was helfen uns schöne Statistiken, wenn wir gegen einen angeschlagenen Gegner eine frühe Führung nicht konsequenter nutzen?
Liebe Wölfe, Aufstiegskampf bedeutet nicht, nach einem frühen Tor auf die Schlussminute zu warten!
Wir Fans erwarten keine neunzig Minuten Zauberfußball. Wir erwarten Einsatz, Konzentration und den unbedingten Willen, solche Spiele zu gewinnen.
Ein Freitagabend in Bochum muss für einen Aufstiegskandidaten nicht automatisch ein Spaziergang sein. Aber wer nach zwei Minuten führt, sollte wenigstens versuchen, den Gegner dauerhaft unter Druck zu setzen.
Eines ist jedenfalls sicher: Unsere Wölfe machen es uns auch in der zweiten Liga nicht langweilig.
Und genau das ist mittlerweile das Problem. Wir hätten es nämlich gelegentlich ganz gerne langweilig. Mit drei Punkten, einem überzeugenden Sieg und einem entspannten Wochenende!
Einmal Wolfsburg, immer Wolfsburg! Aber Jungs, unsere Nerven haben auch eine Belastungsgrenze.
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