Liebe VfB-Spieler, ich habe da mal eine ganz bescheidene Frage: Habt ihr eigentlich noch alle vier Räder auf der Straße? Da diskutiert man in Stuttgart allen Ernstes über Rolls-Royce, Ferrari und McLaren – und auf dem Fußballplatz reicht es nicht einmal, um gegen eine Mannschaft zu gewinnen, die vorher sechs Spiele hintereinander verloren hat!
Ich bin VfB-Fan. Mit Herz, Leidenschaft und inzwischen vermutlich einem Blutdruck, bei dem jeder Hausarzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde.
Da spielen unsere Jungs unter der Woche gegen Atlético Madrid ordentlich Fußball, und drei Tage später kommt Borussia Mönchengladbach nach Stuttgart. Null Punkte! Sechs Niederlagen! Die Gladbacher waren praktisch mit dem Abschleppwagen unterwegs.
Und was machen wir? Wir leisten kostenlose Pannenhilfe!
Erst Vollgas, dann Totalschaden!
Nach fünf Minuten trifft Demirović zum 1:0. Wunderbar! Ich dachte schon, das wird ein entspannter Freitagabend.
Denkste!
Scally trifft mit der Hacke zum Ausgleich. Mit der Hacke! Unsere Abwehr schaut dabei zu, als würde sie gerade die Sonderausstattung eines neuen Sportwagens bewundern.
Nach der Pause machen Machino und Mohya aus dem 1:1 ein 1:3. Demirović verkürzt zwar noch auf 2:3, aber das war’s.
Pfiffe von den Rängen? Vollkommen verständlich!
Rolls-Royce verboten – vielleicht sollte man auch das Standgas verbieten!
Und jetzt zur schönsten Geschichte dieser Fußballwoche.
Unsere hochbezahlten Profis sollen künftig nicht mehr mit ihren privaten Luxuskarossen auf den Spielerparkplatz fahren dürfen. Statt Rolls-Royce, Ferrari oder McLaren sollen es Dienstwagen von Mercedes oder Porsche sein. Bei Verstößen drohen laut Medienberichten Geldstrafen.
Wie schrecklich! Porsche fahren müssen! Da kommen einem ja beinahe die Tränen.
Vielleicht sollte Sebastian Hoeneß seinen Spielern erklären, dass man nicht nur auf der Autobahn beschleunigen darf, sondern gelegentlich auch beim Rückwärtslaufen in der Defensive.
Und dass Zweikampfhärte nichts mit der Federung eines Rolls-Royce zu tun hat!
Viermal Note 6 – und ich soll dafür Eintritt bezahlen?
Vier Spieler bekommen in der veröffentlichten Einzelkritik die Note 6. Da fragt man sich als Fan schon, ob man versehentlich bei einer praktischen Fahrprüfung durchgefallen ist.
Trainer Hoeneß hat die Trainingseinheiten bereits verschärft. Gut so! Vielleicht gibt es demnächst eine zusätzliche Übung: 90 Minuten konzentriert Fußball spielen.
Mein Fazit als stinksaurer VfB-Fan:
Mir ist vollkommen egal, welches Auto unsere Spieler fahren. Von mir aus kommen sie mit dem Fahrrad, der Straßenbahn oder einem goldenen Einkaufswagen.
Aber wenn sie das VfB-Trikot tragen, erwarte ich Einsatz, Kampf und Leidenschaft!
Denn Mercedes baut Autos, Porsche baut Sportwagen – und unser VfB baut derzeit vor allem seine eigenen Fans seelisch ab.
Und liebe Spieler: Nächstes Mal bitte nicht nur mit 500 PS zum Training fahren, sondern wenigstens mit 100 Prozent Einsatz ins Spiel gehen!
Ein sichtlich bedienter VfB-Fan, der seinen Freitagabend auch mit einem kaputten Toaster hätte verbringen können – das wäre vermutlich weniger frustrierend gewesen.
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