Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in Kyjiw eine erste Gesprächsrunde mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner geführt. Es war deren erster Besuch in der ukrainischen Hauptstadt seit Beginn der russischen Großinvasion.
Witkoff bezeichnete die bisherigen Gespräche als inhaltlich bedeutend und erklärte, die amerikanische Delegation sei von ihrem Verlauf ermutigt. Kushner sagte, US-Präsident Donald Trump habe sie beauftragt, nach einem Weg zur Beendigung des Krieges zu suchen und die Voraussetzungen für einen langfristigen, stabilen Frieden zu schaffen.
Selenskyj hatte vor dem Treffen erklärt, die Ukraine sei bereit, konstruktiv über ein schnelleres Ende des Krieges zu verhandeln. Gleichzeitig betonte er, dass sein Land verlässliche Sicherheitsgarantien und eine würdevolle Nachkriegsordnung benötige.
Kushner verwies auf Trumps Entschlossenheit, den Krieg zu beenden. Er dankte außerdem Großbritannien, Deutschland und Frankreich für ihre bisherigen diplomatischen Bemühungen. Witkoff kündigte an, dass die amerikanischen Unterhändler ihre Arbeit so lange wie erforderlich fortsetzen würden.
Selenskyj empfing die beiden Gesandten an der Sophienkathedrale in Kyjiw. In der Nähe war am Freitag eine russische Drohne am Hauptquartier des ukrainischen Sicherheitsdienstes eingeschlagen.
Die US-Vertreter waren mit dem Zug in die Hauptstadt gereist, nachdem sie zunächst nach Polen geflogen waren. Nach Angaben Selenskyjs konnten sie trotz entsprechender Vorbereitungen nicht direkt mit dem Flugzeug in Kyjiw landen.
Einen Tag zuvor hatten Witkoff und Kushner in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gesprochen. Das etwa dreistündige Treffen fand hinter verschlossenen Türen in Putins offizieller Residenz statt.
Der Kreml bezeichnete die Unterredung als offen und konstruktiv. Putins Berater Juri Uschakow erklärte, es sei nicht nur um eine mögliche Beilegung des Krieges gegangen. Auch wirtschaftliche Fragen und denkbare gemeinsame Projekte zwischen Russland und den USA seien ausführlich besprochen worden.
Nach Darstellung Uschakows verwies die russische Seite außerdem auf militärische Fortschritte und verlangte, bei künftigen Verhandlungen die aus Moskauer Sicht bestehenden Ursachen des Konflikts zu behandeln. Einzelheiten zu möglichen Vereinbarungen wurden nicht veröffentlicht.
Für die Dauer der diplomatischen Reise vereinbarten Putin und Selenskyj nach Angaben des Berichts, Angriffe auf die jeweiligen Hauptstädte für drei Tage auszusetzen. Der gegenseitige Beschuss anderer Ziele ging jedoch weiter.
Die Ukraine meldete in der Nacht Angriffe auf eine russische Ölraffinerie, einen Militärflugplatz und zwei Luftverteidigungssysteme. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden die Raffinerie in Rjasan, die auch das russische Militär versorgen soll, sowie ein Flugplatz in Rostow am Don getroffen.
Die ukrainische Luftwaffe berichtete gleichzeitig von einem russischen Angriff mit 108 Langstreckendrohnen und kleinen Marschflugkörpern. Demnach wurden 82 Drohnen und sechs Raketen abgefangen. An elf Orten seien dennoch Einschläge registriert worden, an sieben weiteren Stellen seien Trümmerteile niedergegangen.
Die Angaben beider Kriegsparteien zu den militärischen Angriffen konnten im Ausgangsbericht nicht unabhängig bestätigt werden.
Russland kontrolliert weiterhin ungefähr ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets. Ein großer Teil davon wurde bereits im Jahr 2022 besetzt. Trotz verstärkter Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Städte kommen die russischen Bodentruppen vielerorts nur langsam voran und haben dabei hohe Verluste erlitten.
In den vergangenen Monaten intensivierten beide Seiten ihre Luftangriffe. Die Ukraine erklärt, dass ihr für die Abwehr ballistischer Raketen zunehmend geeignete Abfangraketen fehlen. Gleichzeitig konzentriert sie ihre eigenen Angriffe verstärkt auf russische Wirtschafts- und Energieanlagen, insbesondere auf Einrichtungen der Ölindustrie.
Die Gespräche in Kyjiw und Moskau werden von beiden Seiten bislang grundsätzlich positiv dargestellt. Konkrete Fortschritte oder gemeinsame Vereinbarungen wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.
Entscheidend wird sein, ob aus den getrennten Gesprächen ein Verhandlungsrahmen entsteht, der von der Ukraine, Russland und den beteiligten internationalen Partnern akzeptiert werden kann. Zentrale Streitpunkte bleiben Sicherheitsgarantien, die Zukunft der besetzten Gebiete und die Bedingungen für einen dauerhaften Frieden.
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