Donald Trump will die Republikaner vor einer Niederlage bei den Zwischenwahlen bewahren und setzt dabei vor allem auf sich selbst. Bei einem zweitägigen Parteitreffen in Dallas soll der Präsident zum wichtigsten Wahlkämpfer seiner Partei werden. Doch angesichts seiner niedrigen Zustimmungswerte könnte diese Strategie republikanischen Kandidaten in umkämpften Wahlkreisen mehr schaden als nutzen.
Die Veranstaltung beginnt am 9. September und ist der erste große republikanische Parteitag, der ausdrücklich auf Zwischenwahlen ausgerichtet ist. Trump nimmt an beiden Tagen teil und hält bereits am ersten Abend die Hauptrede. Der Vorsitzende des Republican National Committee, Joe Gruters, bezeichnet das Treffen scherzhaft als „Trumpapalooza“.
Hinter der Veranstaltung steht die Sorge, dass viele Trump-Anhänger zu Hause bleiben könnten, wenn der Präsident nicht selbst auf dem Stimmzettel steht. Trump ist überzeugt, dass er Wähler mobilisieren kann, die sich an Präsidentschaftswahlen beteiligen, Zwischenwahlen aber häufig auslassen.
Parteifunktionäre wollen deshalb vermitteln, dass bei der Abstimmung nicht nur über einzelne Abgeordnete und Senatoren entschieden wird. Auch Trumps Regierung, sein politisches Erbe und seine „America First“-Agenda stünden auf dem Spiel.
Für die Republikaner ist eine starke Mobilisierung entscheidend. Mehrere Wahlerfolge der Demokraten bei Sonderwahlen deuten darauf hin, dass die Opposition derzeit über besonders engagierte Anhänger verfügt. Eine Umfrage von Economist und YouGov ergab, dass 91 Prozent der registrierten Demokraten sicher wählen gehen wollen. Unter den Republikanern äußerten nur 79 Prozent diese Absicht.
Bei der allgemeinen Parteipräferenz lagen die Demokraten in derselben Befragung mit 46 zu 40 Prozent vorne. Betrachtet man ausschließlich jene Menschen, die mit Sicherheit abstimmen wollen, wächst ihr Vorsprung sogar auf elf Prozentpunkte.
Trump fordert seine Anhänger daher auf, so zu wählen, als stünde sein eigener Name auf dem Stimmzettel. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, erwartet, dass der Präsident diese Botschaft in Dallas direkt an das Fernsehpublikum richten wird.
Die Strategie hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Trump selbst ist bei vielen Wählern unpopulär. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage sah seine Zustimmung zuletzt bei 33 Prozent, dem niedrigsten Wert seiner zweiten Amtszeit. Kritik gibt es unter anderem an seiner Wirtschaftspolitik, den Zöllen, der Inflation und dem Krieg mit dem Iran.
Der republikanische Berater Charlie Black empfiehlt Kandidaten deshalb, stärker über ihre eigenen Themen zu sprechen und sich weniger auf den Präsidenten zu konzentrieren. In vielen Bundesstaaten und Wahlkreisen könne eine zu enge Verbindung zu Trump Wechselwähler abschrecken.
Auch der frühere republikanische Abgeordnete Fred Upton hält politische Distanz für notwendig. Wer in einem ausgeglichenen Wahlkreis antrete, müsse zeigen, dass er nicht in jeder Frage vollständig an Trump gebunden sei. Ein Auftritt beim Parteitag in Texas könne den Eindruck verstärken, Kandidaten seien lediglich Teil einer gemeinsamen Trump-Inszenierung.
Mehrere Republikaner in besonders umkämpften Rennen wollen deshalb nicht nach Dallas reisen. Senatorin Susan Collins bleibt in Maine, wo sie um eine weitere Amtszeit kämpft. Auch der Abgeordnete Tom Barrett aus Michigan nimmt nicht teil. Sein Wahlkampfteam erklärte, seine Wähler befänden sich in Michigan und nicht in Dallas.
Eine Befragung von Politico unter 70 republikanischen Kandidaten und Kongressmitgliedern ergab, dass die meisten entweder nicht teilnehmen oder sich noch nicht entschieden haben. Einige begründen ihre Absage damit, dass persönliche Gespräche mit den Menschen im eigenen Wahlkreis wichtiger seien als ein nationaler Parteitag.
Die Demokraten betrachten Trumps starke Präsenz dagegen als Chance. Sie wollen die Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über den Präsidenten machen und republikanische Kandidaten mit seiner Politik verbinden. Besonders bei unabhängigen Wählern stößt Trump laut mehreren Umfragen auf deutliche Ablehnung.
Selbst in Texas, einem traditionell republikanischen Bundesstaat, liegen Trumps Zustimmungswerte in einigen Erhebungen im negativen Bereich. Die Demokraten hoffen dort auf einen seltenen Erfolg bei der Senatswahl. Ihr Kandidat James Talarico liegt im Durchschnitt mehrerer Umfragen vor dem republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton, der mit Trumps Unterstützung die parteiinterne Vorwahl gewonnen hatte.
Für die Mehrheiten im Kongress können schon wenige Mandate entscheidend sein. Die Republikaner verfügen im Senat über eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Die Demokraten benötigen einen Zugewinn von vier Mandaten, um die Kontrolle zu übernehmen. Im Repräsentantenhaus führen die Republikaner mit 218 zu 215 Sitzen, sodass den Demokraten bereits drei zusätzliche Mandate für einen Machtwechsel reichen würden.
Trump geht davon aus, dass sich die Entscheidung auf ungefähr 35 besonders wichtige Rennen konzentrieren wird. Er kündigte an, während der letzten Wahlkampfwochen in all diesen Regionen persönlich für republikanische Kandidaten zu werben. Ein Schwerpunkt soll auf Texas liegen.
Innerhalb der Partei bleibt die Bewertung dieser Strategie gespalten. Der Meinungsforscher Frank Luntz betont, dass die Republikaner ohne Trumps Anhänger kaum gewinnen könnten. Eine zentrale Rolle des Präsidenten werde zwar vermutlich keine Wechselwähler überzeugen, könne aber die eigene Basis zur Teilnahme bewegen.
Der republikanische Stratege Whit Ayres sieht ebenfalls mögliche Vorteile. Entscheidend sei jedoch, welche Botschaft der Parteitag vermittle. Konzentriere sich Trump darauf, die Lebenshaltungskosten zu senken, Familien wirtschaftlich zu entlasten und eine Perspektive für ein Ende des Iran-Krieges aufzuzeigen, könne die Veranstaltung den Kandidaten helfen.
Werde der Parteitag dagegen hauptsächlich zu einer persönlichen Show des Präsidenten, könnte er unentschlossene Wähler weiter von den Republikanern entfernen. Gerade Kandidaten in knappen Rennen stehen damit vor einem schwierigen Dilemma: Zeigen sie sich demonstrativ an Trumps Seite, übernehmen sie auch die politische Verantwortung für seine unpopulären Entscheidungen. Halten sie Abstand, riskieren sie, seine treuesten Anhänger nicht zu mobilisieren.
Unklar ist außerdem, wie viele Amerikaner den Parteitag überhaupt verfolgen werden. Während die großen Fernsehsender die Parteitage vor Präsidentschaftswahlen traditionell ausführlich übertragen, gibt es für die Veranstaltung in Dallas bislang keine vergleichbaren Zusagen. Wahrscheinlich werden vor allem Fox News und konservative Sender größere Teile zeigen.
Zusätzlich konkurriert der Parteitag mit dem Beginn der neuen NFL-Saison. Während Trump seine Hauptrede hält, findet die Neuauflage des Super Bowls zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots statt. Am folgenden Abend spricht Vizepräsident JD Vance, während die San Francisco 49ers und die Los Angeles Rams zum ersten NFL-Spiel in Australien antreten.
Damit wird „Trumpapalooza“ zu einem politischen Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Republikaner hoffen, ihre zurückhaltende Basis zu aktivieren und den demokratischen Mobilisierungsvorsprung zu verkleinern. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Trump Kandidaten in umkämpften Regionen noch enger an seine niedrigen Zustimmungswerte bindet.
Ob der Präsident seine Partei retten oder ihre Lage verschärfen wird, entscheidet sich nicht auf der Bühne in Dallas, sondern in den wenigen Wahlkreisen und Bundesstaaten, die über die künftigen Mehrheiten im Kongress bestimmen.
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