In der Republikanischen Partei gilt normalerweise eine einfache Regel:
Wenn Donald Trump jemanden öffentlich angreift, ist dessen politische Karriere meist ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl im Hurrikan.
Doch ausgerechnet der republikanische Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky scheint diese Regel nicht besonders zu interessieren. Während Trump ihn auf Truth Social als „Loser“, „Moron“ und „Schleimbeutel“ beschimpft, kämpft Massie unbeirrt um seine Wiederwahl – und könnte damit zum gefährlichsten Beispiel republikanischen Ungehorsams der Trump-Ära werden.
Der Mann, der ständig „Nein“ sagt
Massie gehört seit Jahren zu den unbequemsten Republikanern in Washington. Er stimmte gegen Trumps gigantische Steuer- und Ausgabenpakete, kritisierte dessen Iran-Politik, stellte sich gegen Strafzölle und unterstützte sogar gemeinsam mit Demokraten die Veröffentlichung der Epstein-Akten.
Für Trump-Anhänger ist das Verrat.
Für Massie klingt es eher nach Berufsbeschreibung.
„Die Verhandlungen beginnen erst, wenn jemand Nein sagt“, erklärte Massie bei einem Wahlkampfauftritt.
Trump schickt seinen Kandidaten ins Rennen
Trump reagierte entsprechend: Er präsentierte mit Ex-Navy-SEAL Ed Gallrein seinen Wunschkandidaten gegen Massie. Dessen Wahlkampf basiert im Wesentlichen auf einer simplen Botschaft:
Trump will ihn.
Mehr politische Programmatik scheint derzeit gar nicht nötig zu sein.
Auf Plakaten, Webseiten und Werbespots steht praktisch überall:
„America First“ und „Trump unterstützt mich“.
Das ersetzt inzwischen offenbar komplette Wahlprogramme.
Millionen-Schlacht in Kentucky
Der Vorwahlkampf entwickelte sich zur teuersten Kongress-Vorwahl der US-Geschichte. Über 32 Millionen Dollar flossen bereits in den Kampf zwischen Massie und seinem Trump-unterstützten Gegner.
Milliardäre, Lobbygruppen und Super-PACs überziehen Kentucky mit Werbespots. Besonders pro-israelische Lobbygruppen und Trump-nahe Geldgeber attackieren Massie massiv wegen seiner außenpolitischen Positionen.
Teilweise nehmen die Angriffe bizarre Formen an:
In einem Spot wurde mithilfe künstlicher Intelligenz ein Fake-Bild erzeugt, das Massie gemeinsam mit linken Demokratinnen in einem Hotelzimmer zeigen soll.
Amerikanische Politik 2026:
Wenn Argumente fehlen, hilft manchmal einfach Photoshop.
Eine seltsame Allianz
Massies Unterstützer wirken dabei wie eine wilde politische Sammelkiste:
Libertäre.
Trump-Kritiker.
Rechte Influencer.
Anti-Interventionspolitiker.
Und diverse republikanische Außenseiter.
Sogar Rand Paul und Lauren Boebert stellten sich öffentlich hinter ihn – worauf Trump prompt beide beleidigte.
Die Botschaft des Ex-Präsidenten ist klar:
Wer Massie unterstützt, bekommt direkt selbst Ärger.
Warum die Wahl so wichtig ist
Sollte Massie verlieren, wäre das ein weiteres Signal dafür, dass Trump innerhalb der Republikanischen Partei weiterhin praktisch unangreifbar bleibt.
Gewinnt Massie dagegen trotz Trumps offenem Feldzug gegen ihn, könnte das andere Republikaner ermutigen, sich ebenfalls unabhängiger zu positionieren.
Politikwissenschaftler sehen darin bereits einen möglichen Wendepunkt:
Kann man sich gegen Trump stellen — und politisch trotzdem überleben?
Ein Test für Trumps Macht
Massies Wahlkreis gilt eigentlich klar als Trump-Gebiet. Doch gleichzeitig ist die Region wohlhabender und konservativ-libertärer geprägt als viele andere republikanische Hochburgen. Das könnte Massie helfen.
Hinzu kommen sinkende Zustimmungswerte für Trump, steigende Benzinpreise und die umstrittene Iran-Politik der Regierung.
Fazit
Thomas Massie ist derzeit vielleicht der ungewöhnlichste Republikaner Amerikas:
ein konservativer Trump-Wähler, der Trump öffentlich widerspricht —
und sich trotzdem nicht einschüchtern lässt.
Oder wie ein republikanischer Stratege es formulierte:
Sollte Massie gewinnen, wäre das der Beweis, dass man sich Trump widersetzen kann… und trotzdem politisch überlebt.
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