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Trump gegen den Papst – und plötzlich bröckelt ihm die katholische Rechte weg

JerOme82 (CC0), Pixabay
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Donald Trump griff Papst Leo öffentlich an, postete ein KI-Bild von sich als Christusfigur – und trifft damit ausgerechnet konservative Katholiken, die ihn lange getragen haben. Hinter dem Streit steckt mehr als Eitelkeit: Es geht um den Krieg gegen Iran.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Donald Trump mit katholischen Würdenträgern aneinandergerät. Seine harte Migrationspolitik, seine martialische Rhetorik, sein demonstrativer Nationalismus – all das hat ihn seit Jahren in Konflikt mit Teilen der Kirche gebracht. Neu ist diesmal etwas anderes: Der Widerstand kommt nicht nur von liberalen Katholiken, sondern ausgerechnet von jenem konservativen Milieu, das Trump lange zu seinen verlässlichsten religiösen Verbündeten zählen durfte.

Auslöser der jüngsten Empörung waren zwei Vorgänge, die in ihrer Mischung aus Provokation und politischem Instinktversagen selbst für Trump bemerkenswert sind: eine wütende Attacke auf Papst Leo, den ersten amerikanischen Papst, den Trump als zu liberal und „zu weich gegenüber Kriminalität“ beschimpfte – und ein KI-generiertes Bild, das ihn in christusähnlicher Pose zeigte. Im Weißen Haus mag man das für einen weiteren kalkulierten Kulturkampf gehalten haben. In vielen katholischen Kreisen wirkte es wie ein Sakrileg.

Doch der eigentliche Bruch reicht tiefer. Er entzündet sich am Krieg gegen Iran.

Seit sechs Wochen ringt die katholische Kirche in den USA mit einer Frage, die selten so klar Lagergrenzen verschoben hat: Ist dieser Krieg moralisch zu rechtfertigen? Während der Vatikan und Papst Leo den Konflikt mit deutlichen Worten verurteilen, hat die Regierung in Washington versucht, militärische Härte mit religiöser Sprache aufzuladen. Für viele konservative Katholiken ist genau das der Punkt, an dem die Loyalität zu Trump endet.

Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist Bischof Joseph Strickland. Noch vor Kurzem war er einer der lautesten kirchlichen Trump-Verteidiger in den USA. Er segnete Mar-a-Lago, trat auf konservativen Großveranstaltungen auf und stellte sich offen gegen den verstorbenen Papst Franziskus. Nun sagt ausgerechnet Strickland: Dieser Krieg erfülle nicht die Kriterien eines „gerechten Krieges“. Er stelle sich an die Seite des Heiligen Vaters und seines Friedensappells. Das ist mehr als eine Meinungsverschiebung. Es ist eine symbolische Lossagung.

Der Grund liegt nicht nur in den Bomben auf Iran, sondern in der Art, wie die Regierung sie rhetorisch begleitet. Trumps Drohung, „eine ganze Zivilisation“ könne sterben, hat in katholischen Kreisen ebenso Entsetzen ausgelöst wie ein umstrittenes Gebet von Verteidigungsminister Pete Hegseth, in dem von „überwältigender Gewalt“ und schnell vollstreckter Gerechtigkeit die Rede war. Für viele Gläubige klingt das nicht nach christlicher Ethik, sondern nach religiöser Verkleidung militärischer Macht.

Gerade darin liegt die politische Brisanz. Trump hat 2024 bei weißen Katholiken deutlich zugelegt. Laut Pew Research Center stimmten 62 Prozent der weißen Katholiken für ihn. Bei hispanischen Katholiken blieb das Bild differenzierter, doch auch dort verschob sich ein Teil der Wählerschaft Richtung Republikaner. Lange galt: Bei vielen amerikanischen Katholiken entscheidet eher die Parteizugehörigkeit als die Kirchenbindung. Doch der Iran-Krieg bringt diese Ordnung ins Wanken.

Denn Papst Leo ist in den USA, anders als Franziskus, nicht nur im liberalen Lager populär. Während Franziskus konservative Katholiken oft irritierte – etwa mit Einschränkungen der lateinischen Messe –, genießt Leo laut Umfragen hohe Zustimmung quer durch beide katholischen Lager. Seine klar anti-militaristische Haltung verschafft ihm eine seltene Autorität in einem Milieu, das sonst tief gespalten ist.

Selbst Stimmen der katholischen Rechten, die Trump bei Abtreibung, Grenzpolitik und nationalkonservativer Kulturagenda meist verteidigen, schlagen nun Alarm. Peter Wolfgang, ein prominenter Vertreter des katholischen Konservatismus in den USA, formuliert es drastisch: Trump verstehe nicht, wie Katholizismus funktioniere. Der Papst sei nicht einfach ein Staatsoberhaupt, sondern Stellvertreter Christi. Wer ihn angreife, greife die Kirche selbst an. Je schärfer Trump gegen Leo vorgehe, desto mehr werde ihm katholische Unterstützung wegbrechen.

Dass ausgerechnet der Iran-Krieg zu einer Annäherung zwischen katholischer Linken und Rechten führt, ist in den USA ein seltener Vorgang. Bislang hat sich kein hochrangiger katholischer Würdenträger öffentlich hinter den Krieg gestellt. Selbst Bischöfe, die Trump nahestehen, verlangen inzwischen eine Entschuldigung für seine Angriffe auf den Papst.

Im Vatikan betrachtet man diese Entwicklung mit nüchterner Genugtuung. Dort betont man, es gehe nicht um einen persönlichen Machtkampf zwischen Trump und Leo, sondern um eine moralische Grenzziehung. Der Papst, so heißt es, greife nicht primär einen Politiker an, sondern jene Logik, die Krieg erst legitimierbar machen soll.

Vielleicht ist genau das Trumps Problem. Sein Angriff auf Leo sollte den Papst offenbar kleinmachen, ihn als weltfremden Gegenspieler markieren. Tatsächlich hat er das Gegenteil erreicht. Indem Trump Leo attackiert, erkennt er unfreiwillig dessen Gewicht an.

Oder, wie man es im Vatikan formulieren würde: Wäre der Papst irrelevant, hätte Trump ihn ignoriert. Stattdessen nennt er ihn beim Namen, bekämpft ihn, versucht ihn zu delegitimieren. Ein klareres Eingeständnis seiner moralischen Macht gibt es kaum.

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