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Trägt der neue Prada-Teufel jetzt Wellness-Cashmere?

Hans (CC0), Pixabay
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„Der Teufel trägt Prada 2“ sollte 2026s bissigster Nostalgie-Hit werden. Stattdessen wirkt die Promo-Kampagne so, als hätte Miranda Priestley inzwischen ein Medientraining, einen Imageberater – und vermutlich ein Abo für Achtsamkeits-Apps.

Es begann eigentlich charmant: Meryl Streep und Stanley Tucci tauchten bei einer Dolce-&-Gabbana-Show in Mailand als Miranda Priestley und Nigel auf, als würden sie direkt vom Set auf den Laufsteg spazieren. Ein netter Meta-Gag. Ein kleiner Wink an alle, die bis heute glauben, dass Anna Wintour natürlich überhaupt nicht Vorbild für Miranda war – nur eben zufällig exakt so aussieht, spricht und Menschen mit einem Blick psychologisch zersägt.

Dann aber drehte die Promo-Maschine völlig frei.

Mittlerweile wirkt die Kampagne zu The Devil Wears Prada 2 weniger wie Filmwerbung und mehr wie eine konzerninterne Rehabilitationsmaßnahme für Anna Wintour. Statt bissiger Satire gibt es nun ein glamouröses Gruppenprojekt namens:
„Lasst uns alle so tun, als wäre toxische Chefinnenkultur eigentlich nur ikonischer Girlboss-Humor gewesen.“

Miranda Priestley, jetzt mit Kuschelfaktor

Im Original war Miranda Priestley ein Meisterwerk der gepflegten Grausamkeit: kühl, brillant, vernichtend.
Eine Frau, die mit einem einzigen „Hm“ Karrieren, Selbstwertgefühl und vermutlich auch kleine Haustiere zerstören konnte.

Ihre Bosheit war nicht nur lustig – sie war präzise.
Sie war der ganze Punkt.

Und jetzt?
Jetzt sieht es so aus, als hätte man beschlossen, dass der Teufel zwar weiterhin Prada tragen darf, aber bitte ohne Höllenfeuer. Eher so:
„Die leicht schwierige Frau in Designerblazern.“

Meryl Streep verteidigt Miranda inzwischen öffentlich mit dem Argument, sie sei gar nicht gemein, sondern halt „snide“ und irgendwie auch lustig.
Klar.
Für Zuschauer vielleicht.
Für die Assistenz, die seit 72 Stunden keinen Schlaf hatte und gerade in Tränen ein Notizbuch an Balenciaga verliert, eher weniger.

Anna Wintour macht jetzt bei ihrer eigenen Parodie mit

Das eigentlich Faszinierende ist aber:
Früher hielten Anna Wintour und die Modewelt zum Film demonstrativ Abstand.
Heute macht Wintour praktisch den Pressesprecher für Teil 2.

Sie steht mit Anne Hathaway auf der Oscar-Bühne, nennt sie absichtlich „Emily“, posiert mit Meryl Streep als Miranda auf dem Vogue-Cover, gibt gemeinsame Interviews – und Vogue behandelt den Film inzwischen wie ein königliches Staatsereignis.

Das ist strategisch ziemlich brillant.
Wenn dich ein Film karikiert, gibt es offenbar zwei Möglichkeiten:

  1. beleidigt sein
  2. dich so offensiv dazustellen, dass am Ende alle denken:
    „Wow, sie kann ja total über sich selbst lachen!“

Anna Wintour hat sich offensichtlich für Option 2 entschieden – und gewinnt damit das seltene Kunststück, gleichzeitig gefürchtet, unnahbar und plötzlich „irgendwie cool“ zu wirken.

Satire? Nein, Synergie

Das Problem:
Wenn Vogue den Film feiert, Designer ihre Looks liefern und der ganze Modezirkus begeistert mitmacht, dann ist Der Teufel trägt Prada plötzlich nicht mehr die Satire auf diese Welt –
sondern ihre luxuriöseste Werbebroschüre.

Früher war Miranda die Endgegnerin der Modebranche.
Heute wirkt es, als hätte die Modebranche beschlossen:
„Ach komm, wir nehmen sie wieder rein. Hauptsache, Dior ist gut sichtbar im Bild.“

Aus einer bitterbösen Abrechnung mit toxischer Glamour-Kultur wird so langsam eine nostalgische PowerPoint-Präsentation von Condé Nast.

Der Teufel trägt Prada. Aber offenbar nur noch halbtags.

Wenn die Trailer nicht täuschen, geht es diesmal vor allem um Rückkehr, Wiedersehen, ikonische Looks und sehr viel „Weißt du noch damals?“.
Also weniger Satire, mehr Klassentreffen in High Heels.

Natürlich kann der Film trotzdem gut werden.
Meryl Streep bleibt Meryl Streep.
Stanley Tucci kann selbst eine Menükarte in Cannes veredeln.
Und Anne Hathaway hat genug Charisma, um sogar in einem Vogue-Crosspromo noch sympathisch zu wirken.

Aber die große Sorge bleibt:
Dass aus dem schärfsten Fashion-Film der 2000er jetzt ein weichgespültes Luxus-Revival wird.

Oder anders gesagt:
Früher hieß der Film „Der Teufel trägt Prada“.
Teil 2 droht eher zu werden: „Die nicht ganz unkomplizierte Dame trägt Cashmere und arbeitet an sich.“

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