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Der Wolf, der nicht zurück in den Käfig wollte

Wildfaces (CC0), Pixabay
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Seit einer Woche jagt Südkorea einen ausgebüxten Zoo-Wolf – mit Drohnen, Wärmebildkameras und Hunderten Einsatzkräften. Das Tier entkommt immer wieder. Inzwischen ist „Neukgu“ ein nationales Medienspektakel.

In Südkorea ist ein junger Wolf zur wohl pelzigsten Staatsaffäre des Landes geworden. Seit vergangener Woche suchen Hunderte Einsatzkräfte nach „Neukgu“, einem zweijährigen Wolf, der aus einem Zoo in der Stadt Daejeon entkommen ist. Der Ausreißer buddelte sich unter einem Zaun hindurch – und verschwand.

Seitdem liefert das Tier eine erstaunliche Fluchtgeschichte: Wärmebildkameras zeigten ihn kurz nach dem Ausbruch als hellen Fleck im Gebüsch nahe des Freizeitparks O-World. Doch just in dem Moment, als die Batterie der Drohne gewechselt wurde, verlor man seine Spur. Wenige Tage später wurde er erneut gesichtet – diesmal auf einem Berg rund zwei Kilometer vom Zoo entfernt. Auch diese Spur verlief im Nichts.

Mehr als 300 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten sind inzwischen im Einsatz. Immer wieder gibt es Hinweise, Fehlalarme, hektische Suchaktionen. Schulkinder verwechselten Hunde mit dem flüchtigen Wolf. Ein Anwohner tauchte angeblich mit seinem eigenen Wolfshund auf, offenbar in der Hoffnung, bei der Suche zu helfen. Und ein Foto, das Neukgu auf einer Stadtstraße zeigen sollte, entpuppte sich später als KI-Fälschung.

Längst ist aus der Suche ein nationales Spektakel geworden – inklusive Meme-Coin. Im Netz wird Neukgu bereits als „Symbol der Freiheit“ gefeiert, als Wolf, der „nicht im Käfig bleiben wollte“. Eine gleichnamige Kryptowährung macht bereits sechsstellige Handelsumsätze.

Doch hinter der kuriosen Geschichte steht ein ernster Hintergrund. Neukgu stammt aus einem Zuchtprogramm zur Wiederansiedlung des koreanischen Wolfs, der auf der Halbinsel in freier Wildbahn als ausgestorben gilt. Ob das Tier nach seinem Leben im Gehege überhaupt noch genügend Instinkte für die Wildnis besitzt, ist unklar. Jagderfahrung hat es kaum. Seine letzte bekannte Mahlzeit: zwei Hühner am Abend vor der Flucht.

Viele in Südkorea hoffen, dass Neukgu nicht dasselbe Schicksal erleidet wie „Porongi“, ein Puma, der 2018 aus demselben Zoo entkam und von der Polizei erschossen wurde. Sogar Präsident Lee Jae Myung meldete sich zu Wort und wünschte, dass es keine Opfer gebe – und dass auch Neukgu sicher zurückkehre.

Der Zoo bleibt geschlossen. Über Lautsprecher hallen Wolfsgeheul und vertraute Durchsagen durch das Gelände – Geräusche, mit denen Neukgu aufgewachsen ist. Vielleicht, so hoffen die Behörden, lockt ihn das zurück.

Bislang aber gilt in Südkorea vor allem eines: Der Wolf ist weg. Und der Mythos wächst.

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