Es gibt Vorträge, bei denen man nach zehn Minuten abschaltet. Und es gibt Präsentationen, nach denen man sich fragt, ob man gerade einen Goldhandel, eine Motivationsveranstaltung oder einen Crashkurs in Weltwirtschaft besucht hat.
Das vorliegende TGI-Webinar gehört eindeutig in die zweite Kategorie.
Über mehrere Stunden wird erklärt, warum Gold seit Jahrtausenden funktioniert, Papiergeld eher eine moderne Erfindung ist, Inflation grundsätzlich nichts Schönes darstellt und der Krügerrand vermutlich mehr Lebenserfahrung besitzt als manche Währung. Dazwischen gibt es jede Menge Rechenbeispiele, Fragen aus dem Publikum und eine bemerkenswerte Portion Optimismus.
Besonders sympathisch wirkt dabei die Überzeugung des Referenten. Zweifel? Fehlanzeige. Skepsis? Darf jeder haben – soll sich aber möglichst nach dem zweiten oder dritten Vortrag erledigt haben.
Der Grundgedanke wird immer wieder betont: Gold soll Kaufkraft sichern. Das ist kein neuer Gedanke und wird von vielen Anlegern seit Jahrzehnten so gesehen. Neu ist vielmehr die Idee, Goldkäufe mit Rabattmodellen und Empfehlungsprogrammen zu kombinieren. Genau dieses Modell wird ausführlich erläutert.
Dabei wird es stellenweise fast philosophisch. Es geht um Inflation, Zentralbanken, Goldminen, Förderkosten, Marktpreise und die Frage, warum eigentlich nicht schon früher jemand auf diese Geschäftsidee gekommen sei.
Spätestens an diesem Punkt dürfte sich der eine oder andere Zuhörer gedacht haben: „Gut, dass ich mir heute Abend nichts anderes vorgenommen habe.“
Besonders unterhaltsam wird es in der Fragerunde.
Dort wird mit beeindruckender Präzision diskutiert, ob acht Wochen Lieferzeit wirklich acht Wochen bedeuten oder vielleicht auch sechs Wochen sein könnten. Man erfährt außerdem, dass Dashboards keine Sparbücher ersetzen, Gold theoretisch sofort wieder verkauft werden kann und Brasilien zwar weit weg ist, eine IBAN aber durchaus hilfreich sein kann.
Zwischendurch wird über Wohnsitze in Österreich gesprochen, über automatische Wiederkäufe, über Empfehlungsboni und über die Frage, welche Scheideanstalt die Goldbarren liefert. Wer bis dahin noch glaubte, Gold sei ein eher ruhiges Investment, wurde eines Besseren belehrt.
Bemerkenswert ist außerdem der durchgehend optimistische Ton. Fast jede Frage endet mit einer positiven Perspektive. Man könnte sagen: Selbst wenn der Goldpreis einmal schwankt, bleibt zumindest die gute Stimmung konstant.
Natürlich ersetzt ein solcher Vortrag keine individuelle Anlageberatung. Wer in Gold investiert, sollte sich – wie bei jeder Vermögensentscheidung – umfassend informieren, Chancen und Risiken abwägen und gegebenenfalls unabhängigen fachlichen Rat einholen.
Eines muss man dem Webinar jedoch lassen: Langweilig ist anders.
Wer sich für Gold interessiert, bekommt reichlich Stoff zum Nachdenken. Wer sich für Präsentationstechniken interessiert, erlebt einen Referenten, der mit bemerkenswerter Ausdauer und Überzeugung durch ein komplexes Thema führt. Und wer einfach nur Unterhaltung sucht, dürfte spätestens bei der Diskussion über Lieferfristen, Dashboards und Empfehlungsboni feststellen, dass auch der Edelmetallmarkt seine ganz eigenen Geschichten schreibt.
Am Ende bleibt ein Eindruck, über den vermutlich Einigkeit besteht: Gold glänzt. Präsentationen können es manchmal auch.
Es ist natürlich ein Ponzi für naive Anleger. Woher soll diese hohe Rendite kommen. Völlig unmöglich. Und dann noch ein MYlM Vertrieb bezahlt werden ??? Wer das glaubt der glaubt auch noch an die Frau Holle
Tja auf das läufts leider hinaus. Im von der TGI vorgestellten Modell mit den vorgestellten Minen ist das nicht ansatzweise machbar. Mitunter ein Grund warum die Lagerstättennachweise nicht vorgelegt werden, oder nicht existent sind. Hat man in der Aulicio Mine 2020 noch Aktivität verzeichnet, scheint man diese nach verfügbaren Dokumenten eingestellt zu haben. Wie also und woher also ist denn das Gold (2.182 kg) zum angeblichen Verwahrer nach Sierra Leone oder den Kosovo gekommen?
@Patrick oder sonstige PRO-TGIs. Bitte erklären wie denn das ohne jedwede Dokumente möglich sein soll.
Die peinliche Nummer mit den Minen wird ja von Kaltenegger erst seit gut einem Jahr abgezogen, vorher war die Geschichte doch die Golden Empire und Goldcrest würden ihm jährlich 70% Zinsen auf das Geld das er von den Zahlschaffen aus Europa, heranschafft zahlen. Womöglich hat mal jemand ber Amardeep Singh Hari und der CEO der Golden Empire angerufen….
zum Schluss noch eine Info:
AISC wurde 2013 vom World Gold Council eingeführt und gilt NUR für börsennotierte INDUSTRIEMINEN. Also die Giganten im Goldabbau.
90% der dort gelisteten Minen schaffen einen AISC von unter USD 2.500,00
Und natürlich schafft Kalteneggers 60 Mann Handbetriebs Aulicio Quetsche einen Wert etwas über der besten Mine weltweit. Liebe TGI es wäre langsam an der Zeit die Story mal wieder zu wechseln.
Und Sambia mit den USD 5.000.000,00 Kugelmühlen die offensichtlich bis heute nichts fördern. Lachhaft gegen Industrie Derivate von Mühlen.
Die Frage die sich mir in den Zusammenhang formlich aufdrängt: Wem gehören die 2.182 kg Gold die eingelagert sind, die Aulicio kann die nicht gefördert haben. Die würde dafür im besten Fall 15-21 Jahre ununterbrochen fördern müssen.
Warum die AISC-Rechnung der TGI nicht aufgehen kann
In der Präsentation rechnet die TGI mit Förderkosten (AISC) von rund 1.500 US-Dollar je Unze – bei einem angenommenen Verkaufspreis von 4.500 Dollar sind das etwa ein Drittel, also grob 30 %. Und es werde „nach und nach“ in die Minen investiert, während laufend Gold gefördert wird.
Genau das passt nicht zusammen. Und zwar aus einem einfachen, technischen Grund.
Kurz erklärt: Was ist AISC?
AISC steht für „All-in Sustaining Costs“ – die vollständigen Kosten, um eine Unze Gold zu fördern und den Betrieb aufrechtzuerhalten. Je niedriger dieser Wert im Verhältnis zum Goldpreis, desto größer die Marge. Ein AISC von 30 % lässt also 70 % Marge übrig, ein AISC von 60 % nur noch 40 %.
Das Problem: Die Aulicio ist ein Handbetrieb
Die Aulicio-Mine wird als alluvialer Kleinbetrieb beschrieben, der überwiegend händisch und mit einfachen Verfahren arbeitet. Solche Verfahren sind günstig in der Anschaffung, haben aber eine deutlich schlechtere Ausbeute pro Tonne Material. Für einen solchen Betrieb ist ein AISC von nur 30 % praktisch AUSGESCHLOSSEN; realistisch liegt er nach Branchenmaßstäben eher bei 60–70 % des Goldwerts. Damit bleibt weit weniger Marge übrig, als die Präsentation unterstellt.
Und hier liegt der Denkfehler im „nach und nach“
Einen AISC von 30 % erreichen bestenfalls große Industrieminen – mit Mühlen, industrieller Aufbereitung und moderner Technik. Um aus einem Handbetrieb eine solche Industriemine zu machen, müsste man zuerst hunderte Millionen investieren – und zwar VOR der Förderung. Denn es geht nicht darum, langsam ein bisschen mehr vom Gleichen zu machen: Die Aufbereitungsverfahren sind grundlegend andere, die Anlagentechnik ist eine andere, und vor allem die Ausbeute ist eine andere.
Man kann einen Handbetrieb nicht „Häppchen für Häppchen“ in eine Industriemine mit 30 %-AISC verwandeln. Entweder man hat die industrielle Anlage – dann brauchte es die große Vorabinvestition. Oder man hat den Handbetrieb – dann gilt der hohe AISC und die kleine Marge.
Fazit
Die Präsentation nimmt die niedrigen Kosten einer Industriemine (30 %) und kombiniert sie mit dem schrittweisen Aufbau eines Kleinbetriebs. Beides zusammen geht technisch nicht. Entweder stimmt die Kostenannahme nicht – oder das „nach und nach investieren“ führt eben nicht zu diesen Kosten.
Bewertung des Verfassers auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen und branchenüblicher Kennzahlen. Die AISC-Angabe von 30 % ist die Darstellung der TGI; die Einordnung für Kleinbergbau ist eine Schätzung nach Branchenmaßstäben. Keine Rechts- oder Anlageberatung.