Die Schweizer Global TREE Project AG wirbt mit Aufforstung, Nachhaltigkeit und langfristigen Ertragschancen. Hinter dem Projekt steht eine überschaubare Gruppe von Unternehmern und Managern. Ein Blick in Handelsregister, Wertpapierprospekt und Jahresabschluss zeigt eine konzentrierte Kontrolle, weitreichende Vergütungsvereinbarungen – und Zahlen, die innerhalb desselben Prospekts nicht durchgehend übereinstimmen.
Von [Name der Autorin/des Autors]
Hünenberg/Villarrica, 28. Juli 2026
Auf der Internetseite der Global TREE Project AG wachsen die Bäume schnell. Aufforstung in Paraguay soll, so die Botschaft, Ökologie und wirtschaftlichen Nutzen verbinden. Das Unternehmen präsentiert Eukalyptusplantagen, soziale Projekte und verschiedene Beteiligungsmodelle. Anleger können über sogenannte TREE-Token mittelbar an künftigen Zahlungsströmen aus dem Verkauf von Holz beteiligt werden.
Hinter den grünen Bildern steht jedoch eine gesellschaftsrechtliche und finanzielle Konstruktion, die genauer betrachtet werden muss. Denn die heutige Global TREE Project AG ist nicht identisch mit dem Unternehmen, das bis Ende 2024 denselben Namen trug.
Zwei Gesellschaften und ein bekannter Name
Die heutige Global TREE Project AG mit Sitz an der Rothusstrasse 15 in Hünenberg wurde am 20. März 2025 in das Schweizer Handelsregister eingetragen. Sie verfügt über ein Aktienkapital von 100.000 Franken und hat auf eine eingeschränkte Revision verzichtet.
Gegründet wurde sie durch eine Sacheinlage: Die neue Gesellschaft übernahm 8,8 Millionen Aktien der TREECYCLE AG. Dafür gab sie zehn Millionen eigene Namenaktien aus. Bei der TREECYCLE AG handelt es sich um die Gesellschaft, die 2018 gegründet worden war und bis Dezember 2024 selbst Global TREE Project AG hieß. Die neue Global TREE Project AG fungiert seither als Holding- und Managementgesellschaft.
Diese Unterscheidung ist wesentlich. Herausgeberin der TREE-Token und Betreiberin des im Prospekt beschriebenen Aufforstungsprojekts ist die TREECYCLE AG. Die 2025 gegründete Global TREE Project AG hält 88 Prozent ihrer Aktien und übernimmt seit Anfang 2026 wesentliche Managementaufgaben.
Zwei Männer kontrollieren die Holding
Im Handelsregister der Global TREE Project AG sind nur zwei Verwaltungsräte eingetragen: Jörg Heinrich Schäfer als Präsident und Alf Schröter als Mitglied. Beide verfügen über Einzelunterschrift. Jeder von ihnen kann die Gesellschaft damit grundsätzlich allein rechtsverbindlich vertreten. Weitere Direktoren oder Prokuristen sind im Handelsregister nicht ausgewiesen.
Nach dem aktuellen TREECYCLE-Prospekt sind Schäfer und Schröter auch die wirtschaftlich kontrollierenden Aktionäre der neuen Holding. Der Prospekt ordnet Jörg Schäfer mittelbar 52,16 Prozent und Alf Schröter 47,84 Prozent der Global TREE Project AG zu. Die Holding kontrolliert ihrerseits 88 Prozent der TREECYCLE AG. Die übrigen zwölf Prozent der TREECYCLE AG werden dem Unternehmer Andreas Jelinek über die deutsche Proindex Kapital AG zugerechnet.
Schäfer und Schröter sitzen zugleich im Verwaltungsrat der TREECYCLE AG. Schäfer ist dort Delegierter und CEO mit Einzelzeichnungsrecht. Damit kontrollieren dieselben Personen sowohl die Muttergesellschaft als auch die wesentliche operative Tochtergesellschaft.
Das ist nicht automatisch unzulässig. Es bedeutet aber, dass strategische Entscheidungen, Kontrolle und Vergütungsfragen in einem engen personellen Kreis zusammenlaufen.
Das öffentlich präsentierte Führungsteam
Die Global TREE Project AG bezeichnet Jörg Schäfer als Gründer, Executive Chairman und CEO. Alf Schröter wird als Gründer, Verwaltungsrat und operativer Leiter für Paraguay vorgestellt.
Daneben nennt die Unternehmenswebsite Andrea Caroni als Director Paraguay, Philipp Sebastian Rusch als Finanzchef, Reto Fierz als operativen Leiter, Christoph Schneider als Technologiechef und Compliance-Verantwortlichen sowie Tanja Hellmuth als Marketingchefin. Denise Becker wird dem Marketing zugeordnet, Jorge Galeano als Forstingenieur und Ben Seck als Projekt- und Operationsmanager in Paraguay präsentiert.
Diese Funktionsbezeichnungen stammen aus der Selbstdarstellung des Unternehmens. Sie sagen nicht automatisch aus, ob die Betroffenen Arbeitnehmer, selbstständige Berater oder Organmitglieder verbundener Gesellschaften sind. Zeichnungsberechtigt für die Schweizer Global TREE Project AG sind nach dem Handelsregister ausschließlich Schäfer und Schröter.
Andreas Jelinek wird im Prospekt als wirtschaftlicher Eigentümer von zwölf Prozent der TREECYCLE AG genannt. Eine von ihm geführte Gesellschaft in Paraguay war bis 2024 mit Arbeiten wie Flächenvorbereitung, Pflanzung und Pflege beauftragt. Nach Darstellung im Prospekt wurde diese Geschäftsbeziehung 2024 beendet und durch einen Vertrag mit einem unabhängigen Anbieter ersetzt.
Was Anleger mit einem TREE-Token erwerben
Der TREE-Token ist keine Aktie und vermittelt kein Eigentum an der Global TREE Project AG, der TREECYCLE AG, den Grundstücken oder den gepflanzten Bäumen. Laut Prospekt handelt es sich um eine unbesicherte und nachrangige, grundsätzlich unbefristete Schuldverschreibung.
Tokeninhaber sollen zusammen 40 Prozent eines künftig entstehenden „Net Operating Cash Flow“ erhalten. Weitere 50 Prozent sollen reinvestiert und zehn Prozent für ökologische und soziale Projekte eingesetzt werden. Regelmäßige Zahlungen sind nicht garantiert. Ausschüttungsfähige Mittel sollen erst entstehen, wenn Holz geerntet und verkauft werden kann.
Eine ordentliche Rückzahlung zu einem festen Fälligkeitstermin gibt es nicht. Das erste vertragliche Kündigungsrecht soll 2036 bestehen, anschließend im Abstand von jeweils vier Jahren. Die Ansprüche der Tokeninhaber sind gegenüber nicht nachrangigen Gläubigern zurückgestellt. Der Prospekt weist ausdrücklich darauf hin, dass Anleger ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren können.
Die TREECYCLE AG erwartet nach eigenen Angaben eine erste Teilernte im Jahr 2028. Weitere Ernten sind für 2032 und 2035 vorgesehen. Bis dahin bleibt die Gesellschaft wesentlich auf Einnahmen aus dem Verkauf weiterer Token angewiesen. Kann nicht ausreichend Kapital eingeworben werden, müsse das Projekt nach Darstellung im Prospekt verkleinert werden.
21.900 Franken Umsatz – 13,2 Millionen Franken Gewinn
Besonders erklärungsbedürftig ist der Jahresabschluss 2025. Die TREECYCLE-Gruppe weist darin einen Nettoerlös von lediglich 21.900 Franken aus. Gleichzeitig wurde ein Wertzuwachs der biologischen Vermögenswerte – im Wesentlichen der Aufforstungsbestände – von rund 19,23 Millionen Franken verbucht. Unter dem Strich entstand ein Konzerngewinn von rund 13,17 Millionen Franken.
Der ausgewiesene Gewinn beruhte damit nicht auf entsprechend hohen Einnahmen aus dem Verkauf von Holz. Er entstand rechnerisch vor allem durch die Neubewertung der wachsenden Baumbestände.
Solche Fair-Value-Bewertungen sind bei biologischen Vermögenswerten nach internationalen Rechnungslegungsregeln grundsätzlich vorgesehen. Entscheidend ist jedoch, wie belastbar die zugrunde liegenden Annahmen sind.
Die Revisionsgesellschaft Grant Thornton erteilte für den Konzernabschluss 2025 nur ein eingeschränktes Prüfungsurteil. Die Prüfer erklärten, sie hätten keine ausreichenden geeigneten Nachweise für den bilanzierten Wert der Aufforstungsbestände von knapp 30 Millionen Franken erhalten. Wegen des frühen Projektstadiums fehlten historische Erntedaten. Das Management habe sich deshalb auf Daten eines externen Experten gestützt. Die Prüfer konnten diese Annahmen weder anhand tatsächlicher Ergebnisse noch durch eine unabhängige Bewertung ausreichend verifizieren.
Das eingeschränkte Prüfungsurteil bedeutet nicht, dass die Bewertung zwangsläufig falsch ist. Es bedeutet aber, dass die Prüfer einen für Bilanz und Ergebnis wesentlichen Wert nicht hinreichend bestätigen konnten.
Die Muttergesellschaft wird am Geschäft beteiligt
Seit dem 1. Januar 2026 hat die TREECYCLE AG wesentliche Managementaufgaben an ihre Muttergesellschaft, die Global TREE Project AG, ausgelagert. Dazu gehören nach dem Prospekt unter anderem Tokenmarketing, die Organisation von Anlegerveranstaltungen, die Suche nach Grundstücken, die Auswahl von Aufforstungsdienstleistern, technische Betreuung, Finanzplanung, Verwaltung, Recht und Compliance.
Dafür erhält die Global TREE Project AG zunächst ihre anrechenbaren Kosten zuzüglich einer Marge von fünf Prozent. Hinzu kommen erfolgsabhängige Vergütungen. Im Prospekt werden eine Komponente von zwei Prozent auf Erlöse aus Tokenverkäufen, elf Prozent auf bestimmte Beträge für Landerwerb, Vorbereitung und Erstaufforstung sowie 20 Prozent auf Nettoerlöse aus geerntetem und verkauftem Holz genannt.
Bemerkenswert ist die personelle Überschneidung: Schäfer und Schröter kontrollieren die Global TREE Project AG, sitzen zugleich im Verwaltungsrat der zahlenden TREECYCLE AG und vertreten beide Gesellschaften.
Der Prospekt führt diese Konstellation unter der Überschrift „Potential Conflict of Interests“ auf. Die TREECYCLE AG erklärt zugleich, sie halte die Vergütung für marktüblich. Weil die variablen Zahlungen an den wirtschaftlichen Erfolg der TREECYCLE AG geknüpft seien, seien die Interessen beider Unternehmen aufeinander abgestimmt; ein Interessenkonflikt entstehe nach ihrer Auffassung deshalb nicht.
Für Anleger bleibt dennoch entscheidend, nach welchen Vergleichswerten die Marktüblichkeit bestimmt wurde, wer die Konditionen aufseiten beider Gesellschaften ausgehandelt hat und welche unabhängigen Kontrollmechanismen bestehen.
Unterschiedliche Zahlen im selben Prospekt
Der 142 Seiten umfassende Prospekt vom 22. Juni 2026 enthält an mehreren Stellen Zahlen, die nicht ohne Weiteres miteinander vereinbar sind.
In der Zusammenfassung heißt es, zwischen Juni 2025 und Juni 2026 seien 355.000 TREE-Token einschließlich Bonuszuteilungen verkauft und rund 6,75 Millionen Franken erlöst worden. Im Hauptteil des Dokuments werden für denselben Zeitraum dagegen 338.000 Token und rund 6,42 Millionen Franken genannt.
Auch bei den Projektflächen und Baumbeständen ergeben sich Abweichungen. Die Zusammenfassung spricht von 1.455 Hektar erworbenem Land. An anderer Stelle werden 1.190 Hektar genannt. Für den Stand Ende 2025 führt der Prospekt rund 983.000 gepflanzte Bäume an; wenige Seiten später ist von etwa 383.000 Bäumen die Rede.
Möglicherweise beziehen sich einzelne Passagen auf unterschiedliche Stichtage oder wurden aus früheren Dokumentversionen übernommen. Der Prospekt erklärt diese Abweichungen jedoch an den betreffenden Stellen nicht. Gerade bei einem Finanzprodukt, dessen wirtschaftlicher Wert wesentlich von eingeworbenem Kapital, erworbenen Flächen und dem Umfang der Aufforstung abhängt, sind solche Unterschiede nicht nebensächlich.
Die TREECYCLE AG und ihre Verwaltungsräte erklären im Prospekt, die darin enthaltenen Angaben seien nach bestem Wissen richtig und es seien keine wesentlichen Tatsachen ausgelassen worden. Umso mehr bedürfen die unterschiedlichen Zahlen einer nachvollziehbaren Erläuterung.
Die Rolle der Finanzaufsicht
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin veröffentlichte im Dezember 2023 einen Hinweis, wonach Anhaltspunkte dafür bestanden, dass TREE- und eTree-Token ohne den erforderlichen Wertpapierprospekt öffentlich angeboten worden sein könnten. Die Mitteilung wurde später um den Hinweis ergänzt, dass am 21. Februar 2024 ein in Liechtenstein gebilligter Prospekt nach Deutschland notifiziert worden sei. Der damalige Hinweis ist deshalb nicht mit der Feststellung eines endgültigen Rechtsverstoßes gleichzusetzen.
Der aktuelle Prospekt wurde am 22. Juni 2026 von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein gebilligt und ist nach den Angaben im Dokument bis zum 22. Juni 2027 gültig. Der Prospekt selbst stellt klar, dass die Billigung weder eine Empfehlung für die Emittentin noch eine Bestätigung der Qualität der Token darstellt. Geprüft werden insbesondere Vollständigkeit, Verständlichkeit und innere Konsistenz des Dokuments, nicht der wirtschaftliche Erfolg des Projekts.
Ein Projekt mit realen Bäumen und modellabhängigen Erwartungen
Aus den veröffentlichten Unterlagen ergibt sich kein Beleg dafür, dass es die Aufforstungsflächen oder das operative Projekt in Paraguay nicht gibt. Der Prospekt berichtet von erworbenem Land, gepflanzten Bäumen und beauftragten lokalen Dienstleistern.
Gleichzeitig hängt der wirtschaftliche Erfolg von einer langen Reihe unsicherer Entwicklungen ab: vom Wachstum der Bäume, von Wetter, Feuer- und Krankheitsrisiken, von Holzpreisen, Wechselkursen, politischen und rechtlichen Bedingungen sowie von der Fähigkeit, weiterhin Kapital einzuwerben. Auf diese Risiken weist die Emittentin selbst ausführlich hin.
Die genannten Befunde beweisen für sich genommen weder ein rechtswidriges Geschäftsmodell noch eine Täuschung von Anlegern. Sie zeigen jedoch, dass das Bild einer unkomplizierten Verbindung von Natur und Rendite die tatsächliche Konstruktion nur unvollständig beschreibt.
Die Kontrolle liegt bei wenigen Personen. Die wesentlichen Gewinne beruhen bislang auf Modellbewertungen. Die Revisionsstelle konnte zentrale Bewertungsannahmen nicht abschließend prüfen. Die Muttergesellschaft erhält umfangreiche feste und variable Vergütungen von der operativen Gesellschaft. Und der aktuelle Prospekt enthält an mehreren Stellen voneinander abweichende Angaben zu Tokenverkäufen, Projektflächen und Baumzahlen.
Bevor Anleger über eine Beteiligung entscheiden, sollten diese Punkte nicht mit Werbeaussagen, sondern mit konsistenten Zahlen, unabhängigen Nachweisen und klaren Antworten erklärt werden.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag stützt sich auf öffentlich zugängliche Handelsregisterinformationen, die Unternehmenswebsite, den Wertpapierprospekt der TREECYCLE AG vom 22. Juni 2026, die darin enthaltenen Konzernabschlüsse und Prüfungsberichte sowie Veröffentlichungen der Finanzaufsichtsbehörden. Unternehmensbiografien und Beschreibungen einzelner Teammitglieder werden ausschließlich als Eigenangaben kenntlich gemacht.
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