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Stamer

Foto-Rabe (CC0), Pixabay
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Für Keir Starmer wird der Montag zum politischen TÜV-Termin: Besteht der britische Premier seine große Grundsatzrede nicht halbwegs überzeugend, könnte ihm die eigene Partei schneller den Stecker ziehen als ein Londoner Pub kurz vor Sperrstunde.

Nach dem historischen Wahldebakel bei den Regional- und Kommunalwahlen versucht der Labour-Chef derzeit vor allem eines: politisch nicht unterzugehen. Während Nigel Farages Reform UK durchs Land marschiert wie eine Mischung aus Brexit-Nostalgieverein und Wutbürger-Startup, diskutiert Labour inzwischen offen darüber, wer Starmer eigentlich beerben könnte.

Besonders unerquicklich: Die Revolte kommt längst nicht mehr nur von den üblichen parteiinternen Dauermeckerern. Selbst ehemalige Unterstützer sprechen inzwischen öffentlich darüber, dass Starmer „das Land verloren“ habe. In Westminster ist das ungefähr die höfliche britische Variante von: „Bitte räumen Sie Ihren Schreibtisch.“

Die Nervosität bei Labour ist inzwischen so groß, dass Starmer am Wochenende ausgerechnet Ex-Premier Gordon Brown zurück auf die Bühne holte. Brown soll künftig als Sondergesandter für globale Finanzfragen wirken – was viele Parteifreunde ungefähr so inspirierend fanden wie eine VHS-Kassette über Steuerrecht.

Ein Labour-Abgeordneter kommentierte die Personalie laut BBC trocken: Die Ernennung zeige vor allem, dass Starmer weder das Problem noch die Lösung verstanden habe. Übersetzt heißt das vermutlich: Wer mitten in einer politischen Krise Gordon Brown aus dem Schrank holt, hat entweder keinen besseren Plan – oder sehr nostalgische Erinnerungen an 2008.

Besonders unangenehm für Starmer: In der Partei wird längst offen gerechnet. Rund 40 Labour-Abgeordnete sollen laut „Guardian“ bereits einen Führungswechsel unterstützen. Für einen formellen Aufstand reichen die Zahlen zwar noch nicht – aber Westminster liebt bekanntlich Blut im Wasser.

Ex-Vizeparteichefin Angela Rayner sprach bereits von der „letzten Chance“ für Labour. Auch das klingt im britischen Politikbetrieb weniger nach Motivation als nach schriftlicher Abmahnung mit Teebeutel.

Der eigentliche Gewinner der Krise sitzt derweil grinsend irgendwo zwischen Pub, Fernsehstudio und Parteizentrale: Nigel Farage. Seine Reform UK räumte bei den Wahlen massiv ab und verwandelte die britische Parteienlandschaft endgültig in ein politisches Experiment mit offenem Ausgang.

Besonders schmerzhaft für Labour: Selbst in Wales, jahrzehntelang sozialdemokratische Komfortzone mit Dauerabo, stürzte die Partei auf Platz drei ab. Hinter Plaid Cymru. Hinter Reform UK. Vermutlich hinter einigen besonders beliebten Schafen nur knapp davor.

Nun soll also Starmer am Montag mit einer großen Rede alles drehen: die Partei beruhigen, die Wähler zurückholen, die Wirtschaft retten und vermutlich nebenbei noch den Weltfrieden sichern. In London gilt inzwischen allerdings vor allem eine Frage als spannend: Ist das schon die Rettungsrede – oder bereits das politische Abschiedsdinner?

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