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ArminEP (CC0), Pixabay
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Die europäische Luftfahrtbranche entdeckt in der Ölkrise plötzlich ihre soziale Seite – allerdings vor allem sich selbst gegenüber. Während Kerosinpreise wegen des Iran-Kriegs durch die Decke gehen und erste Länder bereits vor Treibstoffengpässen warnen, wittern Airlines in Brüssel offenbar die Chance, lang gehegte Träume wahr werden zu lassen: weniger Passagierrechte, weniger Entschädigungen und am besten auch weniger Handgepäck.

Unter dem Eindruck steigender Ölpreise diskutiert die EU derzeit erneut über eine Reform der Fluggastrechte. Konkret geht es darum, ab wann Passagiere überhaupt noch Anspruch auf Entschädigung haben sollen. Bislang reichen drei Stunden Verspätung – künftig könnten es vier oder sogar sechs Stunden werden. Oder anders gesagt: Wer erst mitten in der Nacht statt am Nachmittag ankommt, soll sich künftig bitte einfach über die kostenlose Flughafenbeleuchtung freuen.

Die Airlines argumentieren natürlich mit „außergewöhnlichen Umständen“. Früher waren das Vulkanausbrüche oder Schneestürme, heute könnte schon ein teurer Tankvorgang dazugehören. Wizz-Air-Chef József Váradi fordert bereits, Treibstoffmangel offiziell als höhere Gewalt einzustufen. Schließlich könne man von Fluggesellschaften nicht erwarten, bei explodierenden Kerosinpreisen auch noch Verantwortung für ihre Flüge zu übernehmen.

Besonders kreativ zeigt sich die Branche traditionell beim Thema Handgepäck. Während Verbrauchervertreter finden, dass ein kleiner Koffer irgendwie zum Fliegen dazugehört, sehen Airlines darin offenbar ein Luxusgut zwischen Champagner und Privatjet. Lufthansa experimentiert bereits damit, selbst kleine Rollkoffer kostenpflichtig zu machen. Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis auch das Mitbringen eigener Kleidung als „optionaler Zusatzservice“ berechnet wird.

Die EU-Kommission versucht derweil, beruhigend zu wirken. Es gebe aktuell keine konkreten Hinweise auf eine Kerosinknappheit, heißt es aus Brüssel. Gleichzeitig kündigte Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas vorsorglich an, man werde bei den Regeln „Flexibilität zulassen“. Ein Satz, der bei Verbraucherschützern ungefähr dieselbe Wirkung entfaltet wie Turbulenzen bei Ryanair-Passagieren.

Der europäische Airline-Verband A4E zeigte sich erwartungsgemäß begeistert. „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, erklärte die Lobbyorganisation. Übersetzt bedeutet das vermutlich: Wenn Öl teuer wird, sollen bitte die Kunden das Risiko tragen.

Verbraucherschützer warnen dagegen davor, die Krise als Vorwand für dauerhafte Verschlechterungen zu nutzen. Schon während der Pandemie hätten Airlines versucht, möglichst viele Kosten auf die Passagiere abzuwälzen. Nun drohe dasselbe erneut – diesmal eben mit dem Nahostkrieg als Begründung.

Für Europas Flugreisende könnte der Sommer damit spannend werden: höhere Preise, weniger Rechte und Diskussionen darüber, ob ein kleiner Kabinenkoffer nicht vielleicht doch ein gefährlicher Angriff auf die wirtschaftliche Stabilität der Luftfahrtbranche ist.

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